Wie der „Mops“ zu seinem Namen kam

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Carolin Steppat

Laut knattert es an diesem sonnigen Nachmittag durch das beschauliche Karbach. Peter Späth, eigentlich Bassist bei der Musikkapelle Pfärrich, treibt mit einem Kompressorhammer und der Unterstützung eines Musikerkollegen 156 Stahlpfosten in den Boden. Sie fixieren später das Zelt, das dieses Wochenende auf 1125 Quadratmetern Platz für bis zu 880 Sitzplätze bieten wird.

Zum vierten Mal findet dann das Bulldog- und Schleppertreffen, das die Musikkapelle Pfärrich gemeinsam mit den Bulldog-Freunden-Bodensee organisiert, statt. Für dieses Wochenende rechnen sie mit 300 bis 400 Traktoren und Schleppern bis Baujahr 1965 sowie historischen Landmaschinen aller Art.

Auch eine original Lanz-Dampfmaschine aus dem Baujahr 1898 wird vorgeführt, wie Reinhard Mayer berichtet. Er ist der Vorstand der Bulldog-Freunde-Bodensee. Der Verein feiert am Wochenende in Karbach sein 40-jähriges Bestehen. Gegründet 1979 in Oberteuringen, gilt er damit als ältester Oldtimertraktorenverein im Bodenseeraum. Mayer lächelt: „Zumindest hat bisher noch keiner widersprochen.“

Die Mitglieder des überregionalen Vereins kommen aus dem Allgäu, dem Bodenseekreis, Vorarlberg und sogar aus dem Stuttgarter Raum. Sie eint das Interesse am Erhalt und der Restauration von alten landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Maschinen. Manche reisten zu den Treffen sogar mit Tiefladern an, um gleich mehrere Oldtimer vorzuführen. Dieses Jahr habe sich sogar ein Teilnehmer aus Köln angekündigt. Mayer: „Aber ganz genau kann man nie sagen, wie viele kommen. Das ist sehr wetterabhängig, die Leute entscheiden sich spontan.“

Christian Türkis, Vorstand der Musikkapelle Pfärrich, erinnert sich, dass sie nur einmal richtig Pech hatten mit dem Wetter. Beim letzten Treffen vor fünf Jahren habe Starkregen am Sonntagnachmittag den gesamten Wiesenparkplatz unter Wasser gesetzt. 15 bis 20 Zentimeter tief seien die Autos im Schlamm gesteckt. Rund jedes zweite Auto habe man damals aus dem Dreck ziehen müssen – und das mithilfe der Oldtimer. Türkis: „Irgendwann standen die Leute Schlange und mussten warten, bis sie von den Ausstellungsstücken abgeschleppt wurden.“

Natürlich sei dabei nicht jeder der historischen Schätze zum Einsatz gekommen, wie Türkis erklärt. So mancher Schlepper habe immerhin einen sechsstelligen Wert. Zu den besonderes wertvollen Stücken gehört dieses Jahr zweifelsohne der sogenannte „Mops“ aus dem Jahr 1923, von denen es nur noch eine Hand voll gibt, wie Mayer erklärt. Der „Mops“ gehört dem Amtzeller Thomas Weber. Er ist seit 35 Jahren leidenschaftlicher Sammler von Landmaschinen und geht pro Jahr auf fünf bis sechs dieser Treffen.

Und er weiß auch, wie der kleine Ackerschlepper zu seinem Namen kam. Nachdem die Firma Lanz 1921 den ersten Schlepper mit zwölf PS gebaut hatte, habe man nach einem Namen gesucht. Da die Maschine von vorne ausgesehen habe wie eine Bulldogge, war der Markenname gefunden: Bulldog. Da der Wunsch nach einem kleineren Schlepper damals jedoch groß gewesen sei, habe Lanz 1923 eine Maschine mit acht PS gebaut. Weber: „Und weil der kleiner war als der Bulldog, nannte man ihn halt Mops.“

Diese und mehr Anekdoten sowie Fachwissen und vor allem Maschinen in Aktion warten dieses Wochenende auf die Besucher. Neben Vorführungen auf dem Festgelände, wie Dreschen, Langholztransport, Dampfmaschine, Stationärmotoren in Betrieb, Zugwaage, Leitungsprüftstand und Rundfahrten bewirtet die Musikkapelle Pfärrich durchgehend. Auch für Kinder gibt es ein Programm und bei gutem Wetter werden Rundfahrten angeboten.

Das Programm im Überblick: Am Freitag startet das Fest mit einer Hard-Rock-Party um 20 Uhr mit der Band „Power Age“. Am Samstag stehen ab 11 Uhr und am Sonntag ab 10 Uhr die Aussteller mit ihren Oldtimern bereit. Dazu gibt es Bewirtung und ein buntes Rahmenprogramm. Am Samstagabend feiert die „Scherzachtaler Blasmusik“ auf der Karbacher Bühne ihr 30-jähriges Bestehen. Am Sonntag spielen die Musikkapellen Leupolz, Engratzhofen und die Spätlese aus Neukirch im Festzelt.

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