So waren in Amtzell die „oilden“ Rittersleut’

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 Gaukler und Feuerspucker waren nach Amtzell zum Familienball gekommen, um das „Volk“ zu unterhalten.
Gaukler und Feuerspucker waren nach Amtzell zum Familienball gekommen, um das „Volk“ zu unterhalten. (Foto: Claudia Bischofberger)
Claudia Bischofberger

„Um den König bei Laune zu halten, sollen die Amtzeller heute ausgelassen feiern“, so lautete zu Beginn der Aufruf der „Zofe“ (Christina Milz) an das durchaus feierwillige Volk. Denn der „Grantelkönig“ (Christoph Siegel) hatte in diesen „schweren“ Zeiten in seinem „Reich“ nicht viel zu lachen. Seine Frau erdreistet sich, die neue Stute zu reiten und sei daher ständig unterwegs. „Das waren noch Zeiten als wir abends zusammen Heino von der Vogelweide hörten, zu den Klängen von Blau..blau ...blau fließt das Königsblut“, jammert der König.

Der König möchte zuerst wissen, wie es um die Zukunft in Amtzell bestellt ist und befragt seine „Weisen“. „Es wird Kutschen geben, die ohne Pferde fahren und mit einer stinkenden braunen Flüssigkeit getränkt werden“, orakeln die Gelehrten. Also kein Grund, um gute Laune zu bekommen. Auch die erfrischende Tanzeinlage der „Burgfräuleins“ zauberte nur den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht. Schließlich kommt ein Knappe (Bernd Aumann) und bittet um eine schnelle Audienz, da er „Wichtiges“ zu berichten weiß.

In seiner folgenden Büttenrede erfährt man so Einiges über das „niedere Volk“. Vom „Wahlwiederholungstäter“ Clemens Moll, der die Jugend zu einer Info-Radtour lädt und schändlich versetzt wird. Da sei auf die ältere Generation weit mehr Verlass, denn zum Dorfrundgang hätte sich dann doch ein erlesenes Publikum eingefunden. Im Gegensatz zu Moll habe sein Wahlkampfgegner es vorgezogen, durch persönliche Hausbesuche die Gunst der Wähler zu gewinnen. Der Mann aus der Stadt wollte Amtzell zu seinem persönlichen „Entwicklungshilfeprojekt“ machen. Kunst und Tanz wolle er forcieren. Und trotz unglaublichem Engagement hätte er die Bürger doch nicht überzeugen können, ihm seine Stimme zu geben.

Noch viele Geschichten brachte das vergangene Jahr hervor. Daher ermunterte der Knappe seine Zuhörer, sie mögen doch auch im kommenden Jahr wieder „dumme Sachen“ machen, damit es beim nächsten Ball wieder etwas zu lachen gäbe. Nicht nur die zahlreich anwesenden Kinder staunten, als die „Gaukler“ in einer athletischen Darbietung durch brennende Reifen sprangen und ein Feuerschlucker riesige Flammen aus seinem Mund züngelten. Und nach der ausführlichen Büttenrede von Hofnarr „Imeldus“ (Imelda Schnell), bei der fast das ganz Dorf sein Fett abbekam, fand die Freude und das Lachen auch den König wieder.

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