Raum für Meditationen bei Ausstellung in Amtzell

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 Martha Riegel-Hertel stellt im Alten Schloss aus.
Martha Riegel-Hertel stellt im Alten Schloss aus. (Foto: vst)

Es gibt einen schönen Grund, warum Martha Riegel-Hertel ihre Blattgold-Bilder nun schon zum vierten Mal im Alten Schloss in Amtzell ausstellt: Nirgendwo sonst kommen diese Kraft und Lebendigkeit ausstrahlenden wie mystische Poesie in sich tragenden Arbeiten besser zur Geltung als hier.

Auf zwei Ebenen verteilt, zuvor sorgsam ausgewählt und sich dabei ebenso ergänzend wie auch die künstlerische Entwicklung in unterschiedlicher Ausdrucksweise sichtbar machend, laden die Bilder von Martha Riegel-Hertel dazu ein, auf Gedankenreise zu gehen. Obwohl die Künstlerin gerne bereit ist, durch die Ausstellung zu führen, bleibt noch genügend Raum für selbst gewählte Überschriften durch eine eigene Themenfindung, für Assoziation und Meditation.

Von der 1955 in Brasilien geborenen und jetzt in Wangen lebenden Malerin ist zu hören, dass sie „sehr großen Respekt“ vor dem von ihr verwendeten Gold hat. Das sensible, ästhetische und erhabene Edelmetall würde deshalb auch von ihr „behutsam und bedacht“ verwendet: Auf handgeschöpftem Papier wird eine oder werden mehrere Schichten von hauchdünnem Blattgold aufgetragen. Nach dem Antrocknen wird die grobe Komposition mittels Einritzen der Fläche festgelegt. Brillanz und Verdichtung entstehen durch mehrmaliges Auftragen von Farbtusche.

Anhand der Exponate macht die Künstlerin deutlich, womit sie sich gerade in letzter Zeit beschäftigt hat. Da sind die Reiseimpressionen. Mit dem Bleistift werden sie eingefangen, mit dem Buntstift verdeutlicht, dann aber „in abstrahierende Formen verfremdet“. Doch es gibt Ausnahmen. „Ich habe den Bereich Realismus nochmals ausgebaut“, sagt Riegel-Hertel und verweist auf das „Silberband Mosel“, wo sich der Fluss vorbei an zahlreiche Felder schlängelt. Ruhe und Farbigkeit bestimmen die Erinnerungen an Laos und Kambodscha. Die in Südostasien entdeckten „gigantischen Würgefeigen“ sind auf Bananenpapier gemalt und vermitteln so die „unglaubliche Stimmung“ noch besser. „Fein geordnet“ zeigt sich die elegante Seide, die an einen Wasserfall denken lässt. Und die „Ebene der Tonkrüge“ ist mit der „Mystik der Vergangenheit“ gleichzusetzen. Mit dem „Verschwiegenen Ort“ ist Martha Riegel-Hertel zu ihren Anfängen, dem klassischen Aquarell, zurückgekehrt. Im Gegensatz dazu entspricht das „Gläsern“ dem Wunsch, etwas Strenges und Glasklares zu schaffen. Mit Farbtusche und Pastellkreide auf Blattgold ist das großartig gelungen. Interessant der aus den gleichen Materialien entstandene „Aus einem Guss“. Dem Betrachter bietet sich ein leicht verwaschener, samtiger und durch die Körnung des Papiers etwas spröder Eindruck.

Vertieft man sich in „Laub-Feuer-Farben im Indian Summer“, eröffnet sich in dem Gold ein fast göttlicher Funke. Ebenso kann es mit dem bereits erwähnten „Verschwiegenen Ort“ gehen. Plötzlich gleitet man mit einem Boot hinein in eine Grotte aus Grüntönen und spürt deutlich das Geheimnisvolle dieses Ortes. Einen ganz besonderen Reiz übt das Bild mit dem bedeutungsvollen Titel „Metamorphose“ aus. In diesen überaus zarten und duftigen Farben sind so viele träumerische Gedanken verborgen, dass man sich darin verlieren möchte.

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