Pfärrich-Erweiterung: Geplant sind sechs neue Grundstücke

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Kritik an Neubaugebiet in Pfärrich
Kritik an Neubaugebiet in Pfärrich (Foto: Grafik: Stadt)
Milena Sontheim

In Pfärrich entstehen sechs neue Wohnhäuser. Wie die aussehen, hat der Gemeinderat Amtzell in der jüngsten Sitzung diskutiert. Die Gestaltung des Baugebiets am Pfärricher Berg orientiert sich laut Planer Hubert Sieber an den bisherigen Bauvorschriften aus den Jahren 2001 und 2012. Die Absicht sei, den Wallfahrtsort mit seiner landschaftlichen Lage zu respektieren. Der erste Entwurf gefiel den Gemeinderatsmitgliedern nur teilweise. Diskussionen gab es über öffentliche Parkplätze, die Gebäudehöhe und die Fahrbahnbreite.

Sieber setzt die Häuser im Bebauungsplan nicht bündig nebeneinander – sondern leicht versetzt, damit zum einen jedes Grundstück genug Freiraum Richtung Süden hat, und zum anderen, damit die Dachfirste parallel zum Hang liegen. „Es soll ein möglichst geringer Einwand ins Gelände sein“, sagte Sieber zu den Ratsmitgliedern.

Vorteile für Solar- und Photovoltaikanlagen

Trotz der Orientierung an den bisherigen Bebauungsplänen, überplante Sieber einige Merkmale für die kommende Bauerweiterung. Bis 2012 seien nur Satteldächer mit einer Neigung von 32 bis 36 Grad zulässig gewesen. Seit 2012 können Dächer allerdings 25 bis 36 Grad geneigt sein. Ein flacheres Dach habe Vorteile für Solar- und Photovoltaikanlagen. Außerdem ist in jedem Grundstück die Wand- und Firsthöhe gedeckelt.

Bei Grundstück drei liegt der höchste Punkt des Hauses beispielsweise auf 604,10 Meter über dem Meeresspiegel. Die Wandhöhe sei bei jedem Gebäude auf fünf Meter und die Gesamthöhe auf acht Meter dotiert. Alle sechs künftige Grundstücksbesitzer dürfen laut Bebauungsplan 180 Quadratmeter der Fläche bebauen – egal wie groß das Grundstück ist. Das verhindert laut Sieber, dass jemand mit großem Grundstück ein großes Haus baut.

Gemeinderat Stefan Rilling (CDU) monierte, dass die fünf Meter hohen Außenwände zu mächtig sind. Sein Fraktionskollege Hans Roman fand die Wandhöhe allerdings in Ordnung. Die bisherige Höhe im Bebauungsplan von 2012 war 3,60 Meter. „Das war schon ziemlich knapp, obwohl Herr Rilling damit ordentlich bauen konnte“, sagte er.

Schneeräumen besonders heikel

Ein weiterer Diskussionspunkt war eine Straßenengstelle. Rilling machte sich als Pfärricher Anwohner Sorgen, ob Autofahrer im Winter aneinander vorbei kommen. Schneeräumen sei an dieser Stelle besonders heikel, da es keine Lagerflächen für die Schneemassen gebe. Sieber schlug daraufhin vor, dass er die Fahrbahn von vier auf 5,25 Meter verbreitert. Das mache die angrenzende Grundstücksfläche wiederum etwas kleiner, sagte er.

Uneins war sich Rilling (CDU) außerdem mit Imelda Schnell (UL) bei der Frage, wie viel öffentliche Stellplätze notwendig sind. Rilling sprach sich für acht öffentliche Parkplätze aus. Schnell entgegnete, dass es in Amtzell kaum einen Ort gebe, der mehr Parkplätze als Pfärrich hat.

Sieber klärte auf, wie viel Besucherparkplätze durchschnittlich pro Haus berechnet werden. Sechs Grundstücke sind sechs Stellplätze. So sah es auch Bürgermeister Clemens Moll und sprach sich für jeweils drei Stellplätze an zwei Positionen aus. Die Gemeinderäte beschlossen den Vorschlag mehrstimmig. Arno Leisen (SPD) enthielt sich der Abstimmung und Stefan Rilling stimmte dagegen. Das Baugebiet liegt nördlich der B32, die Kirche ist 450 Meter entfernt, einige Bäume und Biotope grenzen an das Gebiet. Ein Landschaftsschutzgebiet umschließt es nahezu vollständig. Der nördliche Teilstreifen, rund 800 Quadratmeter, liegt noch im Geltungsbereich des Schutzgebiets.

Schutzgebiet soll nach Norden verschoben werden

Die Gemeinde beantragt aktuell beim Landratsamt, dass die Grenze des Schutzgebiets nach Norden verschoben wird. Laut Ortsbaumeister Günter Halder signalisierte das Amt bereits grünes Licht. Genehmigt sei es allerdings noch nicht.

Dem westlich angrenzenden Hof und den Bäumen will der Planer „nicht auf die Pelle rücken“. Obwohl in den vorhandenen Baumhöhlen laut Sieber keine schutzrelevanten Arten, wie Fledermäuse oder Vögel, leben, werden trotzdem sogenannte Ausgleichskästen angebracht.

Laut seiner Kollegin Johanna Kiechle muss zusätzlich der Flächennutzungsplan an das Bauvorhaben angepasst werden. Dieser deklariert die Fläche bisher noch als landwirtschaftlich genutzte Fläche und Mischfläche. Der Rat hat einstimmig beschlossen, dass der Bebauungsplan geändert wird. Laut Kiechle wird der Plan noch vor Weihnachten überarbeitet, da die Änderungen klein ausfallen. Da das Verfahren im ersten Halbjahr 2020 beendet sein soll, wird der Bebauungsplan zeitig – laut Halder zum Jahresbeginn im Januar – ausgelegt. Dann will die Gemeinde die Plätze nur nach Bedarf veräußern. Die Vergabe soll zunächst Pfärrichern vorbehalten sein, weil es laut Halder für 15 Jahre vorerst das letzte Baugebiet in der Amtzeller Ortschaft sein wird.

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