Leute wollen mehr Party und weniger Polka

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 Das Bodensee-Quintett feiert 30-jähriges Jubiläum (von links): Sebastian Heine, Berthold Wagner, Christian Grathwohl, Uwe Fisch
Das Bodensee-Quintett feiert 30-jähriges Jubiläum (von links): Sebastian Heine, Berthold Wagner, Christian Grathwohl, Uwe Fischer und Klaus Heine. (Foto: Paul Martin)
Paul Martin

Sie sind keine Berufsmusiker, haben es aber in der Region zu Beachtlichem geschafft: Das Bodensee-Quintett besteht nun seit 30 Jahren. Heute treten die Musiker beispielsweise beim Rutenfest im Bärengarten auf. In den Anfangsjahren war das anders. Was sich seither noch verändert hat, welches Publikum worauf anspringt und warum auch ein 20-Jähriger motiviert mitspielt, obwohl die Gruppe mehr Kapelle als Boygroup ist, haben die Musiker im Gespräch verraten.

Böhmischer Traum, aber auch Partysound. So beschreiben Klaus Heine, Uwe Fischer, Christian Grathwohl, Berthold Wagner und Sebastian Heine ihr Erfolgsrezept. „Die Zeiten haben sich verändert“, stellt Klaus Heine fest, der entweder am Bariton, am E-Bass, an der Trompete oder an der Posaune steht. Was die Ansprüche des Publikums angeht, sei der volkstümliche Teil stark in den Hintergrund gerückt. Größeren Stellenwert habe der Bereich Party- und Stimmungsmusik.

„Die Leute wollen einfach mitmachen und mitsingen können. Einfach Party“, erklärt Keyboarder Grathwohl. Man brauche es heute nicht mehr versuchen, ein Publikum zu unterhalten, indem man auf der Bühne Witze erzählt. „Auf die Dirndl- und Lederhosenwelle sind wir voll aufgesprungen.“ Was nach wie vor gut ankomme, sei, dass beim Bodensee-Quintett jeder Ton live gespielt wird. Vor 30 Jahren haben die Musikanten noch in den Musikkapellen Meckenbeuren und Pfärrich gespielt. Über einen gemeinsamen Dirigenten habe man sich kennengelernt und „wir wollten alle ein bisschen mehr machen und die Szene ein bisschen aufmischen.“ Erstmal stand dann „g’höriges Proben“ auf dem Programm, bevor es erste kleinere Auftritte gab. Berufsmusiker ist auch heute keiner der fünf. „Wenn man 30 Jahre lang gemeinsam auf der Bühne steht, muss die Leidenschaft überwiegen. Klar verdienen wir auch ein bisschen was mit dem Musizieren, aber nur für das kann man’s nicht machen“, erzählt Lead-Sänger Uwe Fischer. Mit ihrer Musik sind sie schon nach Italien, Spanien und Florida gekommen. Die Dreiländer-Region rund um den Bodensee sowie Tirol sehen sie als ihr Stammesgebiet an. Jahr für Jahr stehen etwa 40 Auftritte bei Après-Ski-Partys, in der Fasnet, auf Volksfesten und vieles weitere an. Hinzu kommen noch rund 40 Proben. Zum 30. Geburtstag der Formation ging es mit einem Bus voller Fans nach Slowenien. Erneut gefeiert wird das Jubiläum am Sonntag, 18. August, beim Weinfest in Meckenbeuren.

Einen Chef gibt es bei der Truppe nicht. „Wir arbeiten immer zusammen.“, sind sich die fünf einig. Noch nicht von Anfang an dabei ist der 20-jährige Sebastian Heine. Warum er sich mit Herren mittleren Alters gerne auf eine Bühne stellt? „Am Anfang denkt man sich schon, von denen könnte jeder mein Vater sein“, antwortet der Trompeter, grinst und schaut zu Papa Klaus. „Einer ist es ja auch. Aber wenn sich das ganze Bühnen geschehen einmal eingegroovt hat, macht’s richtig Spaß.“

Ob die Musikanten vor den Auftritten nervös sind? „Nö. Nervös nicht“, sind sich erneut alle einig. „Aber dieses Kitzeln bevor’s losgeht, macht’s ja auch aus.“

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