Eros-Plädoyer für die Wunder des Lebens

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In Amtzell wurde jetzt die Ausstellung „Eros – ein Plädoyer für die Wunder des Lebens – von Manfred und Hermann Scharpf eröffnet
In Amtzell wurde jetzt die Ausstellung „Eros – ein Plädoyer für die Wunder des Lebens – von Manfred und Hermann Scharpf eröffnet. (Foto: Edgar Rohmert)
Edgar Rohmert

Eine „Verneigung zweier Künstler vor der Schönheit der Frau“ ist nach den Worten von Renata Scharpf Tejova die sehenswerte Ausstellung von Manfred und Hermann Scharpf im Restaurant Schattbuch / FPT Robotik in Amtzell. „Eros – ein Plädoyer für die Wunder des Lebens – wurde jetzt eröffnet. Susanne Kaufmann, Leiterin der SWR 2 Landeskulturredaktion Baden-Württemberg, führte in das ungewöhnliche Ausstellungsprojekt ein, in dem sich Kunst, Wissenschaft und Ingenieurkunst begegnen. Dabei zeigte sie sich beeindruckt und fasziniert von der Präzision und Perfektion der beiden Künstler, die Themen wie Schönheit, menschlicher Körper, Leidenschaft und Liebe, aber auch den „Eros der modernen Maschinen und Ingenieurkunst“ miteinander verbinden und künstlerisch umsetzen.

„Nur die Kunst ist in der Lage, glückliche Empfindungen dauerhaft vor der Vanitas, der Vergänglichkeit, zu bewahren.“ Für Renata Scharpf Tejova, die mit diesen Worten in die Ausstellung einführte, weisen die zeitgenössischen Bilder und Plastiken auf die kleinen Wunder der Natur und der schöpferischen Anima hin und eröffnen so eine „Welt von Tiefe und Schönheit“. Für Susanne Kaufmann zeigt sich in der Ausstellung das Spiel der Kräfte zwischen männlich und weiblich. In der Urkraft des Eros’ spiegelt sich der Mensch, nicht nur in seiner gegenseitigen Anziehung, sondern weit darüber hinaus in der Beziehung zum Kosmos.

Der Werdegang der beiden oberschwäbischen Künstler ist schnell nachgezeichnet: Manfred Scharpf, geboren 1945 in Kißlegg, wollte immer Maler werden. Nach einer Ausbildung als Kirchenmaler in München machte er sich selbstständig und schaffte als freier Künstler im württembergischen Allgäu. Susanne Kaufmann beschreibt ihn als „scharfen Beobachter unserer Zeit“. Seine Bilder sind immer wieder inspiriert von unterschiedlichen Frauentypen. Er schert sich nicht um Konventionen, legt den Finger in die Wunde, malt die Venus mit viel nacktem Fleisch, porträtiert eine Eis-Verkäuferin aus Leutkirch frech und keck.

Hermann Scharf erbte die Leidenschaft für die Kunst wie sein Bruder vom Vater. Doch er wurde zunächst Elektriker, studierte später Zahnmedizin, vollzog aber nach dem etwas freudlosen Dasein als Zahnarzt, wo das Schöne eher in den Hintergrund rückt, mit 41 Jahren einen Richtungswechsel: Er studierte klassische Archäologie, bewahrte sich die Liebe zur Schönheit, indem er Abgüsse von lebenden Körpern anfertigte. Es kamen immer mehr Aufträge, unter anderem Restaurationen am Siegestor in München. Vor ein paar Jahren eröffnete er sein Atelier Hermes in Menelzhofen bei Isny, in dem auch ein Teil der gegenwärtigen Ausstellung „Unsterblicher Eros – Mensch und Mythos“ zu sehen ist. Im Atelier von Manfred Scharpf Salon auf Schloss Zeil bei Leutkirch wird eine weitere Ebene der Ausstellung deutlich: „Blei und Gold – zwei Pfeile des EROS“.

Die dritte Ebene der Ausstellung widmet sich dem schöpferischen Trieb des Eros, der insbesondere in der modernen Technik zum Tragen kommt – zu sehen in den Fertigungsräumen von FPT Robotik Amtzell, die Geschäftsführer Hermann Müller mit Bildern von Manfred Scharpf spannungsvoll in die Ingenieurkunst von Robotermaschinen integriert hat. Das bejahende Prinzip des Eros wird so schöpferisch übertragen in eine zunehmend seelenlose Welt. Auch dies ein Plädoyer für die Wunder des Lebens.

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