„Chillig und cool“: Schulleiter Roland Titel ist in Amtzell verabschiedet worden

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Schulrätin Tania Hasting (links), Roland Titel (Zweiter von links), Schulamtsdirektor Klaus Moosmann und Sara Schmucker .
Schulrätin Tania Hasting (links), Roland Titel (Zweiter von links), Schulamtsdirektor Klaus Moosmann und Sara Schmucker . (Foto: Susi Weber)
Redaktionssekretariat

Ja kein Gesülze! So lautete der Wunsch von Roland Titel für seine Verabschiedung. 13 Jahre war er Schulleiter des Ländlichen Schulzentrums Amtzell (LSZ), vier Jahrzehnte im Lehrwesen tätig. Im Rahmen der zweistündigen Feier wurde auch Titels Nachfolgerin Sara Schmucker ins Amt eingesetzt. Bewährtes wolle sie beibehalten und dennoch die Schule in einer Gemeinschaftsaktion weiterentwickeln und optimieren, sagte sie.

„Abschied“ und „Welcome“ standen projiziert auf dem Vorhang der Bühne in der Turn- und Festhalle. Abschied feierte der eine. Das Willkommen galt „der Neuen“. „Kurz und schmerzlos“, sagte Titel im Vorfeld der Feier gegenüber der Schwäbischen Zeitung, möchte er seinen Abschied: „Es ist nicht meine Art, sich gegenseitig zu loben.“ So ganz blieb er dennoch davor nicht „verschont“. Da sangen der Grundschul- und später auch der Lehrerchor. Und natürlich wurde auch zurückgeblickt in Titels Amtszeit und auf seine Laufbahn.

„Keine billigen Wünsche“

Dass es nicht allzu starr wurde, dafür sorgten die stellvertretende Schulleiterin Barbara Gaus und Amtzells Bürgermeister Clemens Moll, die in Frage- und Antwort-Runden durch den Nachmittag führten. Zunächst aber war es Moll, der bemerkte, dass Roland Titels Ideen für die Schule und Wünsche an die Gemeinde „nie billig“ waren („Me hot’s aber scho mitanander na’ brocht!“). Moll nannte den nun scheidenden Schulleiter einen „Kämpfer für die Gemeinschaftsschule“. Ganz besonders habe sie Titels Offenheit und seine „absolute Loyalität zu den Mitarbeitern schätzen gelernt, antwortete Gaus auf eine entsprechende Frage Molls. Erweitert wurden die Gesprächsrunden dann durch die kirchlichen Schulräte Frank Eberhardt und Birgit Ratgeb-Schmidt, den Elternbeirats-Vorsitzenden Alexander Riedle sowie die Schülersprecher Sophia Büg und Hannes Nuber. Im Wesentlichen ging es um die Fragen der persönlichen Einschätzung zum scheidenden Schulchef und dessen Nachfolgerin und um Erwartungen für die Zukunft der Schule. Dab ei kamen Titels „Leberkäswecken-Leidenschaft“ ebenso zur Sprache wie die von Sophia Büg getätigte Beurteilung: „Er war ein chilliger und cooler Rektor, der immer seine Späße gemacht hat.“

Danach war es Tania Hastings, Schulrätin des Staatlichen Schulamtes Markdorf, die Roland Titel verabschiedete. Sie attestierte ihm „einen guten Riecher für die richtigen Richtungen in Sachen Schulentwicklung“: „Sie wissen, wie Ziele trotz größerer oder kleinerer Hindernisse erreicht werden können.“

Hastings skizierte auch die berufliche Laufbahn Titels: 1954 in Wangen geboren, legte er Ende Mai 1979 die Erste, eineinhalb Jahre später die Zweite Staatsprüfung in den Fächern Mathematik und Sport ab. Titel unterrichtete in Schelklingen, später in Ehingen. Im Mai 1989 wurde er Schulleiter an der Grund- und Hauptschule Bad Wurzach-Unterschwarzach, im August 1993 an der Anton-von-Gegenbaur-Schule in Wangen. Im Mai 2006 wechselte er schließlich nach Amtzell. Selbstbewusst, mit einer Portion Lockerheit und festem Willen sei Roland Titel zielstrebig voran gegangen, sagte Hastings: „Bis zum Schluss haben Sie sich immer wieder den Herausforderungen des Schulleitungsgeschäftes gestellt.“

Schulamtsdirektor Klaus Moosmann setzte danach Sara Schmucker in ihr Amt ein. Moosmann zeichnete den Weg der 38-Jährigen auf, der mit dem Abitur in Pfullendorf begann und über die ersten Stellen-Stationen in Karlsruhe und Mühlacker 2011 nach Waldburg führten. 2016 wurde sie Konrektorin an der Gemeinschaftsschule Waldburg-Vogt. Dort konnte sie „spicken“, wie Schulleitung funktioniere, erklärte Schmucker, die sich auch ehrenamtlich im Theaterverein engagiert, im offenen Dialog mit Moosmann.

„Eine der schönsten Stellen“

„Dass die Gemeinschaftsschule im Flow ist und eine Schule, in der wir fair sind“, antwortete Schmucker auf die Frage Moosmanns, was sie gerne in drei Jahren über sich lesen wolle. Erst einmal gelte es aber, sich kennenzulernen, zu schauen, wie man zusammen funktioniere und wer in welchem Bereich seine Stärken habe, die es zu fördern gelte: „Ich freue mich auf Begegnung und darauf, daraus etwas zu machen.“ Barbara Gaus überreichte Schmucker Kapitänsmütze und Anker: „Dir, liebe Sara, wünsche ich, dass du immer Oberwasser behältst, die richtigen Segel setzt, den besten Kurs findest und der Wind dich tragen möge. Solltest dennoch einmal in Not geraten, so kannst du zur Rettung diesen Anker aus werfen.“

Das Schlusswort gehörte Roland Titel: „Ich verlasse eine der schönsten Stellen, die das Land einem bieten kann.“ Damit meine er nicht die Stelle an sich, sondern die Menschen, denen er in den 13 Jahren seines Wirkens begegnen durfte. Ihnen allen sagte er: „Servus miteinander!“

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