Amtzell will wieder mehr fairen Handel

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 Obwohl Amtzell nicht mehr den Titel „Fairtrade-Town“ trägt, setzt die Gemeinde trotzdem auf fairen Handel.
Obwohl Amtzell nicht mehr den Titel „Fairtrade-Town“ trägt, setzt die Gemeinde trotzdem auf fairen Handel. (Foto: Imago / Norbert Neetz)
Milena Sontheim

Vom Vorreiter zum Stillstand: Amtzell ist vor sieben Jahren das erste Mal ausgezeichnet worden – Fairtrade-Kommune seit Oktober 2012. Damals ist die Gemeinde als 118. in Deutschland zertifiziert worden. Aktuell gibt es 660 in Deutschland und mehr als 2000 zertifizierte Kommunen in 36 Ländern, die fair gehandelte Produkte anbieten. Amtzell wurde im Jahr 2014 rezertifiziert. Warum der Titel seit 2016 nicht erneuert werden konnte, erklärt Bürgermeister Clemens Moll.

Fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Zucker und Schokolade seien im Amtzeller Rathaus nach wie vor im Einsatz. „Die Verwaltung konsumiert für interne und externe Besprechungen, wie auch für den täglichen Bedarf fair gehandelte Produkte“, sagt Moll. Obwohl die Gemeinde seit drei Jahren nicht mehr den Titel „Fairtrade-Town“ trägt, sei es trotzdem ein wichtiges Thema, das aktiv unterstützt werde. Die Kampagne „Fairtrade-Towns“ des Vereins Transfair fördert gezielt den fairen Handel und die soziale Verantwortung auf kommunaler Ebene.

„Schwierig, die Anforderungen einzuhalten“

Laut Moll konnte Amtzell die Kriterien bei der Überprüfung für die Auszeichnung nicht mehr erfüllen. „Für kleine Kommunen, wie wir eine sind, ist es sehr schwierig die Anforderungen einzuhalten“, sagt Moll. Größere Städte hätten es wegen eines vielfältigeren Angebots leichter. Um als „Fairtrade-Town“ zu gelten, muss eine Kommune nachweislich fünf Kriterien erfüllen, die das Engagement für den fairen Handel in allen Ebenen der Kommune widerspiegelt.

Zuerst müssen die Gemeinderäte für eine offizielle Bewerbung stimmen. Eine Steuerungsgruppe koordiniert dann die Umsetzung der Ziele. Außerdem muss eine bestimmte Anzahl der Gastronomen, Cafés und Einzelhandelsgeschäfte fair gehandelte Produkte anbieten. Zusätzlich sollten laut Kriterien Schulen, Vereine und Kirchengemeinden über fairen Handel aufklären oder diese Produkte anbieten. Als fünfte Anforderung muss die Gemeinde ihr Engagement öffentlich machen.

Probleme mit der örtlichen Gastronomie

Probleme hatte Amtzell in der Vergangenheit lediglich mit der örtlichen Gastronomie. „Wir wurden nicht mehr zertifiziert, weil zwei Gaststätten, die fair gehandelte Produkte angeboten haben, geschlossen haben.“ Das wirke sich auf das gesamte Angebot aus. Wenn Amtzell das Siegel hätte, sei es natürlich schön, sagt Moll, aber „wir können niemanden dazu zwingen, das Vorhaben zu unterstützen“. Schlimmer fände er es, wenn die Voraussetzung im Einflussbereich der Verwaltung nicht erfüllt werden könnten. „Wir begleiten das Thema trotzdem aktiv, indem wir Geschäfte und Gastronomen überzeugen wollen“, sagt der Bürgermeister. Damit wieder mehr faire Produkte angeboten werden, versucht die Gemeinde außerdem, die Bürger über die Vorteile wie nachhaltige Entwicklung aufzuklären.

Im Landkreis Ravensburg war Amtzell die erste zertifizierte Fairtrade-Gemeinde. Jetzt hat sich laut Moll auch der Landkreis für die Auszeichnung beworben. „Ich finde es schön, dass wir damit auf Kreisebene zertifiziert werden“, sagt Moll. „So können wir unter das Dach des Kreises schlüpfen.“ Eine Bewerbung von Amtzell sei vorerst nicht geplant, solange die Kriterien nicht erfüllt werden könnten. Denn: Auch ohne schmückenden Titel setzt sich der Bürgermeister für einen fairen Handel in „seiner“ Gemeinde ein.

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