Stadler wächst mit dem Recyclingboom

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Das geplante Bürogebäude vervollständigt den neuen Standort.
Das geplante Bürogebäude vervollständigt den neuen Standort. (Foto: Grafik: Reisch)
Schwäbische Zeitung

Voraussichtlich nach der Fasnet beginnt die Firma Stadler mit dem Neubau des Bürogebäudes in der Max-Planck-Straße in Altshausen. Es ist der dritte und letzte Bauabschnitt der Verlagerung des Werks von der Robert-Bosch-Straße. Die Gesamtinvestition in den neuen Standort des Herstellers von Sortieranlagen für die Recyclingindustrie liegt bei rund 30 Millionen Euro.

„Wir haben uns vor einigen Jahren bewusst entschieden, in Altshausen zu bleiben“, sagt Claus Maier, kaufmännischer Geschäftsführer von Stadler. Einerseits aus Verbundenheit des Firmenchefs Willi Stadler mit der Gemeinde. Andererseits, weil die Möglichkeit bestand, das Unternehmen an dem neuen Standort in mehreren Abschnitten zu erweitern. „Ein kompletter Neubau wäre ein zu großes Risiko für uns gewesen. Lieber wollten wir je nach Entwicklung alles mit Eigenkapital stemmen“, sagt Maier. Vor rund fünf Jahren hat der erste Spatenstich für die neue Fertigungshalle stattgefunden. Drei Jahre später war auch der zweite Abschnitt schon geschafft. Der dritte soll im Mai 2019 fertig sein. „Das ging dann auch für uns schneller als gedacht. Aber wir sind froh, dass wir dann die Abteilungen wieder unter einem Dach haben.“ Denn bislang müssen die Mitarbeiter teilweise zwischen den beiden Standorten hin- und herfahren. Hinzu komme akuter Raummangel. „Wir können derzeit keine Leute einstellen, weil wir einfach keinen Platz haben“, sagt Maier.

Seit dem Spatenstich ist die Stadler-Gruppe enorm gewachsen. Vor sechs Jahren lag der Umsatz bei rund 45 Millionen Euro, den die 230 Mitarbeiter erwirtschaftet haben. Mittlerweile sind es rund 75 Millionen Euro und 360 Mitarbeiter, davon 216 in Altshausen. „Die Recyclingbranche ist im Aufwind. Davon profitieren wir“, sagt Maier. Gründe für das Wachstum sieht der Geschäftsführer auch in den geänderten Anforderungen der Branche. Hatten die Anlagen vor einigen Jahren noch einen Gesamtwert von acht Millionen Euro, liegen sie mittlerweile bei mehr als 20 Millionen Euro. „Recycling lohnt sich nicht nur, wenn es subventioniert wird. Aber um einen ansprechenden Preis zur Wiederverwertung zu bekommen, muss das Material sortenrein sein“, erklärt Maier. Auch die Dokumentation ist komplexer geworden. Betriebsanleitung und Sicherheitsanweisungen hat noch vor einigen Jahren ein kaufmännischer Mitarbeiter für den jeweiligen Kunden zusammengestellt. Mittlerweile sind damit drei technische Redakteure im Unternehmen beschäftigt. Auch in den bisherigen Standort wurden rund 1,7 Millionen Euro investiert. Dort werden Lehrwerkstatt und eine Versuchshalle sowie die ausgebaute CNC-Fertigung bleiben.

Bei der Genehmigung des Bauantrags für das Bürogebäude hatten einige Gemeinderäte sich an einer Überschreitung der Gesamthöhe des Gebäudes um einen halben Meter gestört. „Unser neuer Generalunternehmer Reisch hat uns die neue Kubatur empfohlen, weil es ganz einfach praktischer ist und wir den Platz brauchen“, sagte Maier. Der erste Entwurf war auf 60 Büroarbeitsplätze zugeschnitten. Durch das Wachstum stieg die Zahl. Bis zu 100 sollen im Neubau unterkommen. Zumal sei der Flächenverbrauch durch den neuen Entwurf geringer. Neben dem fünfgeschossigen Bürogebäude kann bei Bedarf ein weiteres entstehen.

Stärkster Absatzmarkt war bislang Europa. Chancen sieht Maier aber nun vor allem auch in Amerika. Fünf Anlagen gebe es bereits in den USA. Sollten Importzölle kommen, dann befürchtet Maier dort allerdings enorme Wettbewerbsnachteile. Doch auch die Geschäfte in Mexiko und Brasilien würden langsam anlaufen. „Asien ist natürlich ebenfalls interessant, aber es braucht immer einen langen Atem, um in einen Markt hineinzukommen. Daher wollen wir uns zunächst noch auf den westlichen Teil konzentrieren“, sagt Maier.

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