Schmelztiegel der Kulturen

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 Sechs Damen erzählen, Özlem (links) und Reha (mitte) aus der Türkei machen mit Mac Arthur Musik bei der Eröffnung.
Sechs Damen erzählen, Özlem (links) und Reha (mitte) aus der Türkei machen mit Mac Arthur Musik bei der Eröffnung. (Foto: Alexandra Freund-Gobs)
Alexandra Freund-Gobs

Mit einer Talkrunde unter dem Motto „Lebensgeschichten – Frauen in unserer Mitte“ wurde am vergangenen Sonntag in Altshausen eine Wanderausstellung eröffnet, die derzeit Halt im Foyer der Alten Post macht. Sie hält in Bildern und Worten eindrückliche Schilderungen von in Deutschland lebenden Frauen und Männern unterschiedlicher Herkunft fest. Sechs Frauen aus Altshausen und Umgebung erzählten ihre Geschichten am Sonntag den Besucher live.

„In Altshausen leben viele Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen, ob sie nun vor kurzem oder bereits vor langer Zeit nach Deutschland kamen.“, so Bürgermeister Patrick Bauser in seiner Begrüßungsrede. Er freue sich besonders, „dass die Wanderausstellung im Foyer der Alten Post in Altshausen Station macht, denn sie leistet einen großen Beitrag, Vorurteile abzubauen und Ängsten zu begegnen.“

Das Podium im Veranstaltungsraum der Alten Post in Altshausen war am Sonntag dekoriert wie ein Wohnzimmer. Hier stellten sich sechs Frauen vor Publikum bereitwillig den Interviewfragen von Sabine Jung-Baß aus Meckenbeuren. Die Frauen stammen aus Frankreich, Nigeria, Bosnien-Herzegowina, Kasachstan und Syrien. Zusammengefunden haben sie im Frauentreff, einer vom Einrichtungsverbund Dornahof initiierten Zusammenkunft für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund. Der Dornahof ist im Gemeindeverwaltungsverband zuständig für geflüchtete Menschen. Im Frauentreff entstand die Idee, die Lebensgeschichten von Frauen unterschiedlicher Nationen einem breiteren Publikum zu erzählen. Marion Falkenstein erläutert dazu: „Gemeinsam mit dem Landratsamt Ravensburg nehmen wir dieses Jahr erstmals mit drei weiteren Gemeinden im Landkreis an der Interkulturellen Woche teil. Die Lebensgeschichten wurden von der Schriftstellerin Katrin Seglitz aufgeschrieben, die Bilder sind von der Tübinger Fotografin Natalia Zumarán. Die Geschichten sind integriert in die Wanderausstellung „An(ge)kommen. Augenblicke. Begegnungen. Geschichten“ des Vereins Forum der Kulturen Stuttgart.

Wenngleich die Geschichten und Werdegänge der Frauen sehr unterschiedlich sind, gab es beim Interviews am Sonntag auch Einigkeit bei bestimmten Fragen. So beantworteten alle sechs Frauen die Frage nach einem Tipp für Neuankommende und gelingende Integration damit, dass es wichtig sei, die deutsche Sprache zu lernen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sich nicht zu Hause zurückzuziehen. Hierfür seien Orte wie Kirchen, Frauentreffs, Vereine und Initiativen wie beispielsweise Krabbelgruppen oder ähnliches bestens geeignet. Und auf die Frage, was das Schwierigste in Deutschland gewesen sei, antwortete beispielsweise Olga aus Kasachstan: „Es war eine große Herausforderung Deutsch zu lernen und gleichzeitig Schwäbisch. Fasziniert hat mich die Pünktlichkeit, so dass zum Beispiel ein Bus um 12.03 Uhr kommen kann.“

Dem Publikum wurden bewegte Geschichten präsentiert. Eva Militz vom Amt für Migration und Integration des Landratsamts Ravensburg fasste in ihren Schlussworten zusammen: „Es ist berührend und auch traurig zu hören, dass Integration vor allem für Frauen im Zusammenspiel mit den oftmals traumatischen Erfahrungen, der Familie, einer fremden Sprache und Kultur immer auch einen Kampf bedeutet. Andererseits entsteht für uns alle durch die hier lebenden Menschen unterschiedlicher Herkunft eine große Vielfalt. Wir sollten diesen Reichtum schätzen und damit leben lernen.“

Musikalisch wurde die Veranstaltung ehrenamtlich umrahmt von Reha und Özlem sowie Mac Arthur. Die Gruppe hatte 2017 in der Erstaufnahme in Sigmaringen ihre gemeinsame Liebe zur Musik entdeckt, inzwischen leben die drei an unterschiedlichen Orten in Baden-Württemberg. Nach der Talkrunde hatten die Gäste noch die Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen und dabei von den Frauen des Frauentreffs zubereitete internationale Spezialitäten zu probieren.

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