Konzert mit britischem Akzent

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 Johannes Hugger spielt als Solist an der Klarinette.
Johannes Hugger spielt als Solist an der Klarinette. (Foto: Frank Riegger)
Frank Riegger

Beim Jahreskonzert des Musikvereins Altshausen hat der neue Dirigent Florian Strobel am Samstag eine sehr gekonnte Stabführung gezeigt. Der Musikverein konnte vor einer recht stattlichen Menge von Freuden der Blasmusik konzertieren. Die 60 Musiker boten den Zuhörern einen wunderschönen, stimmungsvollen Abend.

Im ersten Teil des Konzertabends spielte das Orchester das Stück „Fanfare and Flourishes“ von James Curnow. Hauptthema dieses Stückes ist die Eröffnung des „Te Deuems“ von Marc-Antoine Charpentier, welche besser bekannt ist als die Eurovisions-Hymne. Charpentier (1643-1704) war Hofkapellmeister unter Ludwig XIV. am Hofe in Versailles.

Dann folgte „Ebony Fantasy“ von Filip Ceunen. Dieses Stück ist ein Solostück für Klarinette und Blasorchester und in drei Teile gegliedert: Nach einer kurzen Einleitung mit der vagen Vorstellung des eigentlichen Themas folgt der zweite Teil als lyrisches Andante espressivo und kraftvolles Allegro. Schnelle Taktwechsel und das Wechselspiel zwischen Kleingruppen zusammen mit dem Solisten und dem gesamten Orchester kennzeichnen diesen Teil. Teil drei: Solist und Orchester nehmen die Lyrik nochmals auf und lassen das Stück ganz leise ausklingen. Als Solist mit der Klarinette trat Johannes Hugger an. Schon im Alter von vier Jahren lernte er sein erstes Musikinstrument. Sein Spiel war klar und exakt und seine Finger tanzten gekonnt auf seiner Klarinette.

Das dritte Stück „Oregon“ ist eine Originalkomposition für Blasorchester von einem der einflussreichsten Komponisten der Gegenwart, Jakob de Haan. Oregon entführt die Zuhörer auf eine abenteuerliche Zugfahrt durch die faszinierende Landschaft einer der nordwestlichen Staaten Amerikas. Ein langsames Thema in Moll, gepaart mit Variationen, Rhythmen der Rockmusik und melodischen Passagen, machen diese Reise so spannend und abwechslungsreich. Die Musiker ließen durch ihr Spiel alle Situationen spüren und die Zuhörer konnten die Seele Oregons erleben.

Der zweite Teil stand unter dem Motto: Musik aus Great Britain. Begonnen wurde mit dem Stück „Jerusalem“ von Sir Hubert Parry, arrangiert von Philip Sparke. Das als Chorstück komponierte Werk erreichte 1916 Popularität und gilt als heimliche zweite Nationalhymne Englands. Es ist fester Bestandteil beim alljährlichen Schlusskonzert „The last Night of the Proms“. Der Bau des Irischen, des neuen Jerusalem ist eine Metapher für den vollständigen, idealen Neuanfang. Auf die aktuellen Begebenheiten hin betrachtet, so ließe sich daraus auch das Verständnis des Brexit ableiten. Das Orchester übermittelte das Stück getragen, festlich und tiefgreifend.

Da durfte natürlich auch Sir Elton John nicht fehlen. Elton John in Concert, arrangiert von Don Campbell. Don Campbell, ebenfalls einer der erfolgreichsten Arrangeure unserer Zeit für Blasorchester, bearbeitet in professioneller Weise eine Auswahl der größten Hits von Sir Elton John. Es beinhaltet die Titel „Nikita“, „Blue Eyes“ und „Don’t go breaking my heart“. Dabei traten mit ihrem Spiel besonders Carla Epp am Saxophon und Sebastian Rauch am Schlagzeug hervor.

Ein Medley von „Queen“

Weiter ging es mit dem Stück „God save the Queen“, arrangiert von Carlos Marques. Dieses Medley ist eine Hommage an die weltberühmte Band „Queen“. Nach der Einleitung und dem Ausschnitt der Nationalhymne Englands folgten Welthits dieser Band: „I want to break free“, „We will rock you“, „Bohemian Rhapsody“ und „Don’t stop me now“. Ein Konzert mit dem Motto Great Britain kommt an den Beatles nicht vorbei. So war der Schluss dieses Konzertteils den berühten Pilzköpfen aus Liverpool gewidmet. „Hey Jude“ von John Lennon und Paul McCartney, arrangiert von Naohiro Iwai. „Hey Jude“ ist eine der ganz großen Balladen der Popmusik. John Lennon lebte 1968 getrennt von seiner Frau Cynthia und wartete auf die Scheidung, worunter Julian, der fünfjährige Sohn der beiden, sehr litt. McCartney, der wie ein Onkel zu Julian stand, besuchte den Kleinen. Auf der Fahrt dorthin fand er die Melodie des Songs, der zunächst nur aus der Botschaft bestand: Hey Jules, lass dich nicht unterkriegen. Später wurde aus Hey Jules, „Hey Jude“ und einer der größten Erfolge der Beatles.

Lang anhaltender Applaus gab es als Dank und Anerkennung für alle Musiker für dieses großartige Konzert. Als Zugabe erklang frisch und schmissig der Militärmarsch „Gruß an Kiel“. Das Schlusslied „Der Mond ist aufgegangen“ rundete die feierliche Stimmung dieses Konzertabends ab. Die Moderation des Konzerts hatte im Übrigen in gekonnter Weise Carmen Pfeiffer übernommen.

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