Herzog Carl: „Wir dürfen unsere Werte nicht opfern“

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Carl Herzog von Württemberg wird am Montag, 1. August, 80 Jahre alt.
Carl Herzog von Württemberg wird am Montag, 1. August, 80 Jahre alt. (Foto: Thomas Warnack)

Carl Herzog von Württemberg wird am kommenden Montag, 1. August, 80 Jahre alt. Im Interview mit SZ-Redakteurin Barbara Baur hat der Chef des Hauses Württemberg über seine Gesundheit, Politik und seine Geburtstagsfeier gesprochen.

Seine königliche Hoheit, Eure Durchlaucht oder Herr Herzog, welche Anrede ist bei Ihnen die richtige?

Es gibt viele Anreden. Seine königliche Hoheit ist formal sicher korrekt, aber es ist etwas steif. Im Gespräch, so wie gerade mit Ihnen, ist es mir am liebsten, wenn man mich einfach Herzog Carl nennt.

Herzog Carl, wie geht es Ihnen?

Soweit schon gut. Seit ich vor zwei Jahren einmal sechs Monate im Krankenhaus lag, bin ich etwas angeschlagen. Ich habe eine Muskelschwäche, weshalb sich mein Auge immer wieder schließt. Ich kann auch nicht mehr so lange stehen. Der Kopf ist noch in Ordnung, aber der Körper macht nicht mehr ganz mit.

Warum haben Sie sich entschieden, dann doch größer zu feiern?

Wir haben uns überlegt, was man machen kann. Am Sonntag wird es einen Empfang geben, aber sonst steht die Familie im Vordergrund. Es ist bei uns Sitte geworden, dass man bei runden Geburtstagen einen größeren Empfang macht und Bekannte aus dem Land und Wegbegleiter einlädt. Ich freue mich schon, sie zu sehen.

Wie ist es, immer eine öffentliche Person zu sein?

Entweder man ist es, oder man ist es nicht. Zwar kann man als Person des öffentlichen Lebens nicht alles machen. Das ist vielleicht auch ganz gut so. Sonst ist es aber gleich wie bei anderen Menschen auch, egal, ob nichtöffentlich oder öffentlich. Das Haus Württemberg hat eine lange Geschichte. Unsere Familie existiert seit 900 Jahren. Das ist unser Erbe. Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt. Es gibt eben ein gewisses Drumherum durch die Familie, die diesem Land seinen Namen gegeben hat und es geformt hat.

Wird die Tradition, dass der Chef des Hauses von Friedrichshafen nach Altshausen zieht, auch in der nächsten Generation fortgeführt?

Mit dem Tod von König Wilhelm 1921 wurde mein Großvater Chef des Hauses, er lebte in Altshausen. Mein Vater blieb noch lange in Stuttgart, wo auch die Hofkammer war, bis er 1933 von den Nazis aus Stuttgart vertrieben wurde. Damals kam er nach Altshausen. Später wurde unsere Verwaltung, die verstreut war, hierher geholt. So ist es zur Tradition geworden, dass der Chef des Hauses Württemberg in Altshausen wohnt und der Erbe in Friedrichshafen. Mein Sohn Friedrich hat schon gesagt, dass er mal nach Altshausen umziehen will, wenn ich nicht mehr bin. Mein Enkel Wilhelm, er wird jetzt 22, kann dann in Friedrichshafen weitermachen.

Sie gelten als sehr politikinteressiert. Was halten Sie vom Geschachere um das Amt des Bundespräsidenten, seit Joachim Gauck seinen Rückzug angekündigt hat?

Es ist schon ein bisschen unwürdig, dass man die Gelegenheit nutzen will, um jemanden abzuschieben. Dafür ist es ein zu wichtiges Amt. Die Parteien sollten sich zunächst intern einig werden über einen Kandidaten, sodass er allen Parteien gerecht werden kann.

Nach den Vorfällen in Nizza, der Türkei und in Würzburg scheint die Welt aus den Fugen geraten zu sein. Was denken Sie, woran das liegt?

Ja, die Welt gerät aus den Fugen. Vorher gab es schon die Anschläge in Paris und in Belgien. Dieser Hass, den manche Menschen aufeinander haben, ist mir unerklärlich. Es ist etwas grässliches, Menschen zu töten, die sich freuen, so wie in Nizza. Schutz gibt es nicht. Und wie das auf Dauer weitergehen kann? Es wird ein schwieriger Weg, keinesfalls dürfen wir unsere Werte opfern. Gerade in Bezug auf die Türkei weiß die Politik nicht, was sie will. Auf der einen Seite braucht man die Türkei. Auf der anderen Seite scheint das, was nach dem Putschversuch passiert ist, lange vorbereitet gewesen zu sein. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, so schnell so viele Leute festzunehmen. Man könnte fast annehmen, dass es von oben mitorganisiert wurde.

Wenn Sie an Ihr Lebenswerk denken, auf was blicken Sie gerne zurück?

Ich habe ein schönes Leben gehabt und konnte sehr viel erreichen für das Land, das unseren Namen trägt. Glücksmomente sind für mich, wenn ich sehe, dass ein Elternverein für krebskranke Kinder, den ich mitgegründet habe, weiter wächst. Das freut mich sehr. Diese innerliche Freude bedeutet mehr als Lob von außen. Solche Dinge habe ich aus innerer Überzeugung getan, aber ich finde, da muss man gar nicht groß drüber reden.

Wenn Sie die Zeit nochmal 40 Jahre zurückdrehen könnten, gibt es etwas, was Sie anders machen würden?

Das gibt es in jedem Leben, das ist das normalste auf der Welt. Aber mir fallen keine bestimmten Punkte ein. Viele Entscheidungen muss man aus der Zeit heraus sehen. Rückgängig machen geht nicht. Aber für die Zukunft kann ich mir die Frage stellen, wie ich es besser regeln kann.

Zu Ihrem Achtziger bekommen Sie sicherlich viele Glückwünsche. Was wünschen Sie sich zu Ihrem Geburtstag?

Dass der Herrgott mir noch ein paar Jahre schenkt, die ich hier für meine Familie und in diesem Land verbringen kann. Eine bessere Gesundheit gehört auch dazu, das würde ich mir wünschen.

Und was wünschen Sie dem Land Baden-Württemberg, dessen Namensgeber Sie ja auch sind?

Dem Land Baden-Württemberg wünsche ich, dass es in Frieden leben kann. Dass wir keine solchen Probleme bekommen wie in Nizza oder in Würzburg. Dass Flüchtlinge integriert werden, sodass sie hier bei uns leben können. Deshalb finanziere ich eine halbe Sozialarbeiter-Stelle für die Flüchtlinge in Altshausen. Das Landratsamt Ravensburg hatte für über 100 Flüchtlinge ein Stellenkontingent von 0,7 für einen Sozialarbeiter vorgesehen, aber das schien uns zu wenig zu sein. Jetzt gibt es zwei Sozialarbeiter, die sich die Arbeit teilen. Mir ist der soziale Frieden in der Gemeinde Altshausen wichtig und ich wollte so meinen Beitrag für den Ort leisten, damit die Integration gelingen kann.

Können Sie eigentlich über Badner- und Schwabenwitze lachen?

Ja, das kann ich immer. Man wirft mir übrigens immer wieder vor, dass ich kein Schwäbisch schwätzen kann. Aber meine Mutter kam eben aus Österreich, und das hört man auch mir an – es heißt ja auch Muttersprache. Zu den Badenern habe ich ein hervorragendes Verhältnis. Wir leben im Land Baden-Württemberg. Es macht keinen Sinn, alles hier anders zu machen als dort. Deshalb habe ich mich kürzlich richtig gefreut über ein Zusammentreffen anlässlich des 25. Jubiläums des Freundeskreises der Bürgerwehren, Bürgermilizen und Stadtgarden in Baden-Württemberg. Die zahlreichen Bürgerwehren sind traditionell in einem württembergisch-hohenzollerischen Verband und in einem badischen Verband zusammengeschlossen. Aber das Treffen hat gezeigt, dass die Differenzen auch bei den Traditionsvereinen vorbei sind. Es war einfach schön, dass das Badnerlied und die Württemberg-Hymne gesungen wurde.

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