Der Berater im Vorschriftendschungel sagt Ade

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Christine Raisle ist Nachfolgerin von Josef Metzler im Ordnungsamt.
Christine Raisle ist Nachfolgerin von Josef Metzler im Ordnungsamt. (Foto: Julia Freyda)

Fast fünf Jahrzehnte hat der Arbeitsweg Josef Metzler zu seinem Schreibtisch ins Altshauser Rathaus geführt. Ab heute ist er im Ruhestand und Christine Raisle die neue Leiterin des Ordnungsamtes. Insgesamt blickt Metzler auf 49 Dienstjahre zurück.

„Mir war schon in der Ausbildung zum mittleren Verwaltungsdienst relativ schnell klar, dass mir die Arbeit gefällt“, erinnert sich Metzler. In Altshausen war zunächst das Bürgerbüro sein Arbeitsplatz, das damals noch Einwohnermeldeamt hieß. Etwas später wurde ihm schon das Ordnungsamt übertragen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so lange bleibe“, sagt er in seiner letzten Arbeitswoche. Doch die Arbeit sei abwechslungsreich und kurzweilig gewesen. Daher sei es ihm nie langweilig geworden. Anfangs wurde noch mit Schreibmaschine und Durchschlägen gearbeitet, später zogen Kopierer und Computer in die Verwaltung ein.

Im Ordnungsamt war er zuständig für Polizeirecht, Ordnungswidrigkeiten, Straßenverkehrsregelung, öffentlichen Personennahverkehr, Wahlen und Renten. Bei den Bereichen habe es natürlich auch Aufregung und weniger schöne Dinge gegeben, aber in den Ruhestand nehme er überwiegend positive Erinnerungen mit. „Denn es ist gar nicht so einfach, durch den Vorschriftendschungel zu blicken und da war es immer schön, wenn ich Bürgern helfen konnte. Das Rathaus war für mich auch immer eine Beratungsstelle, die dem Bürger zur Seite steht“, sagt Metzler. Manche Fälle, etwa bei Verwahrlosung, seien aber auch belastend gewesen. „Es ist traurig, wenn Menschen alleine und am Rand der Gesellschaft leben und die Verwaltung als Letzte gerufen wird, um sie wieder auf den Weg für ein würdevolles Leben zu bringen. Aber irgendwie hat es immer geklappt.“

Auch mehr als 40 Wahlen hat der Leiter des Ordnungsamtes in Altshausen vorbereitet und organisiert. Alle wurden ohne eine Beanstandung vom Landratsamt Ravensburg akzeptiert. Nur an eine Kommunalwahl denkt er mit mulmigem Gefühl zurück. „Wir mussten einen Wahlvorschlag aufgrund von gravierenden Formfehlern ablehnen. Das war sehr bedauerlich, aber es war keine Zeit mehr, um den Fehler noch zu beheben und daher blieb uns gesetzlich gar nichts anderes übrig“, erinnert sich Metzler.

Niedrige Fluktuation im Rathaus

Drei Bürgermeister hat er in seiner Dienstzeit in Altshausen erlebt. Die Frage, ob ihm nun Franz Sproll, Kurt König oder Patrick Bauser am besten gefallen hat, quittiert Metzler schmunzelnd: „So vielseitig wie meine Arbeit waren auch die Charaktere meiner Chefs.“ Nicht nur die Aufgaben, sondern auch die Kollegen im Rathaus mochte er, sodass er der Verwaltung bis zur Pensionierung treu blieb. „Wir sind wie eine kleine Familie. Ich denke, dass daher auch die Fluktuation hier in der Verwaltung sehr niedrig ist“, sagt Metzler.

Somit besteht auch die Hoffnung, dass Christine Raisle nicht nur im Amt auf Metzler folgt, sondern auch in seiner Loyalität. Die Altshauserin sieht sich als Spätberufene für die Verwaltung. „Nachdem ich einige Jahre rumgejobbt habe, begann ich 2015 die Verwaltungsausbildung im Rathaus und mag die Arbeit sehr“, sagt Raisle. Einerseits gefalle ihr die Nähe zu den Bürgern, andererseits seien die ganzen Gesetze und Vorschriften eine reizvolle Herausforderung.

Den Arbeitsalltag hat Josef Metzler zwar ab heute hinter sich, aber auf der faulen Haut will er nicht liegen. Seinen Leidenschaften Bergwandern, Natur und Kunst möchte er mehr Zeit schenken. „Im Rathaus werde ich sicher auch irgendwann noch mal Guten Tag sagen. Aber auch wenn es hier 43 Jahre waren, möchte ich jetzt natürlich loslassen.“

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