Das Musikanteneck ist wieder aufgehübscht. Darum haben sich gekümmert Michael Bodenmüller (von links), Manfred Beller, Kerstin
Das Musikanteneck ist wieder aufgehübscht. Darum haben sich gekümmert Michael Bodenmüller (von links), Manfred Beller, Kerstin Stöckler und Bruno Broder. (Foto: hugger)
Schwäbische Zeitung

An der alten Straße, die von Altshausen nach Hirschegg führte, liegt das sogenannte Musikanteneck. Hier befinden sich ein kleines hölzernes Bildstöckchen und ein steinernes Feldkreuz. Auf der Gedenksäule war aufgemalt, was sich an dieser Stelle einst zugetragen hatte.

Nachdem das Bildstöckchen Anfang der 1980er-Jahre entwendet worden war, schnitzte Erich Schultes ein neues und Hugo Riegel malte auf, was vor Jahren mit den Musikanten geschehen war. Auf der Rückseite der neuen Säule ritzten sie ins Holz: „Original wurde gestohlen, der Teufel soll ihn holen. 1983.“

Vor kurzem wurde das Bildstöckchen wieder erneuert. Michael Bodenmüller übernahm die Holzarbeiten und Kerstin Stöckler malte das Bild mit den drei Musikanten. Gegenwärtig betreuen Manfred Beller und Bruno Broder diesen denkwürdigen Ort. Es bleibt zu hoffen, dass sich immer wieder Personen finden, die sich um das Musikanteneck kümmern.

Von Schneesturm überrascht

Schon seit vielen Jahren kümmern sich einige Musikanten des Altshauser Musikvereins ums Musikanteneck, denn an dieser Stelle kamen in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1837 drei Musikanten ums Leben. Es waren die Brüder Friedrich und Johann Kutterer, 42 und 39 Jahre alt, aus Mühringen bei Horb sowie ein dritter Mann, dessen Name nicht bekannt ist. Die drei Musikanten, die schon betrunken in die Gastwirtschaft zum „Schützen“ gekommen waren, begaben sich gegen 22 Uhr auf den Weg nach Hirschegg. An der Stelle, die heute als Musikanteneck bezeichnet wird, wurden sie von einem Schneesturm überrascht und kamen darin um. Ihre unterm Schnee begrabenen Leichen wurden am 20. April 1837 von Johann Bücheler, einem Knecht, der bei Martin Rimmele in Haggenmoos angestellt war, gefunden. Bei sich hatten die drei eine Klarinette, zwei Hörner, eine zerbrochene Violine, einen Gulden und 36 Kreuzer an Bargeld. Nach einer genaueren Durchsuchung wurden bei den drei Erfrorenen eine Tabakdose, ein Taschenmesser und weitere 47 Kreuzer gefunden, wodurch sich ihr mitgeführter Geldbetrag auf zwei Gulden und 23 Kreuzer erhöhte.

Am 21. April 1837 fand morgens um 8 Uhr die Beerdigung der zwei Kutterer-Brüder auf dem Altshauser Friedhof statt. Wo der dritte Mann begraben wurde, ist nicht überliefert. Die Gesamtausgaben für die Beerdigung beliefen sich auf 17 Gulden und 13 Kreuzer. Das Oberamt Horb teilte dem Schultheißenamt Altshausen einige Tage später mit, dass die Gebrüder Kutterer über kein Vermögen verfügten. Daher wurde das Schultheißenamt Altshausen angewiesen, die bei den Erfrorenen aufgefundenen Gegenstände zu versteigern. Verkauft wurden an Joseph Erne die beiden Hörner für zwei Gulden und neun Kreuzer, an Karl Denner die Klarinette, die Violine und die Tabakdose für einen Gulden und 40 Kreuzer und an Jakob Grötzinger das Taschenmesser für zwei Kreuzer. Der Erlös aus dem Verkauf betrug drei Gulden und 51 Kreuzer. Somit blieben noch zehn Gulden und 59 Kreuzer ungedeckte Beerdigungskosten. Die Gemeinde ersuchte das Oberamt Saulgau, dafür zu sorgen, dass ihr diese Kosten, vermutlich von der Gemeinde Mühringen oder dem Oberamt Horb, erstattet werden. Ob dies gelang, ist nicht bekannt.

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