Vor dem Winter noch schnell einen Holzofen kaufen? Das rät ein Schornsteinfeger

 Bevor im eigenen Holzofen das Feuer entzündet werden darf, ist einiges zu beachten.
Bevor im eigenen Holzofen das Feuer entzündet werden darf, ist einiges zu beachten. (Foto: Symbol: Bernd Weissbrod / dpa)
Stellv. Redaktionsleiter

Die Nachfrage nach Holzöfen ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Viele sehen in dieser Feuerstätte eine schnell zu verwirklichende und relativ kostengünstige Zusatzwärmequelle, sollte das Erdgas nicht mehr lieferbar sein.

Diese Entwicklung nimmt auch Ingo Ullrich wahr. Der Aitracher ist bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger, zuständig für die Gemeinden Aitrach und Aichstetten sowie unter anderem für Teile von Leutkirch, „ein typischer Landkehrbezirk“. Wozu er rät, wovor er warnt.

 Ingo Ullrich
Ingo Ullrich (Foto: Archiv: sl)

„Seit Kriegsbeginn in der Ukraine bekomme ich sehr viele Anfragen“, sagt Ullrich. Schnell, so mahnt er aber, sei der Einbau eines Holzofens derzeit nicht zu machen. Und beim Kauf kostengünstiger Holzöfen sei Vorsicht geboten.

Das ist bei vielen Häuser statisch gar nicht möglich.

Ingo Ullrich

Einfach sei ein Holzofen seit Jahresbeginn auch nicht mehr nachzurüsten. Für den meist benötigten neuen Außenkamin gelten seit 1. Januar schärfere sogenannte Ableitbedingungen, was zum Beispiel den Abstand zur Traufe (also der Dachseite mit der Regenrinne) und die Höhe des Kamins angehe. „Da muss man jetzt teilweise hoch hinaus“, sagt Ullrich, „und das ist bei vielen Häuser statisch gar nicht möglich.“

Hinzu komme, dass es nach seinen Beobachtungen lange Lieferfristen für die Holzöfen selbst gibt. Sechs bis zwölf Monate seien keine Ausnahme mehr, ums Zwei- bis Dreifache teurer seien sie auch geworden. Und wer einen Ofenbauer benötigt, der brauche auch Geduld, so der Aitracher: „Sie sind alle am Anschlag.“

Änderung der Schadstoffgrenzen

Die große Nachfrage und das knapper gewordene Angebot lägen nicht nur am derzeitigen Gasengpass, erklärt Ingo Ullrich. Wegen einer Änderung der gesetzlichen Schadstoffgrenzen sind viele bereits bestehende Holzöfen, im Amtsdeutsch Einzelraumfeuerungsanlagen, derzeit zum Austausch fällig.

Wer sich einen neuen Holzofen zulegt, sollte unbedingt auf Qualität achten. Neben einzuhaltenden DiN-Normen und einem CE-Zeichen, die der Schornsteinfeger kontrollieren muss, rät Ullrich zu Produkten aus hochwertigem Material.

Und die hätten bereits vor der Krise nicht weniger als 1000 Euro gekostet. Wer auf vermeintliche Schnäppchen setze, der laufe Gefahr, dass dieses nach wenigen Jahren kaputt ist. „Da kann es passieren, dass nach zwei, drei oder fünf Jahren das Material reißt.“

Erster Schritt ist die Freigabe

Wer sich einen Holzofen kauft, muss diesen als ersten Schritt bei seinem zuständigen Bezirksschornsteinfeger anmelden. Erst wenn dieser die Freigabe erteilt hat, darf er eingebaut werden. Diese Freigabe stelle in aller Regel kein Problem dar, so Ullrich. „Wer im Fachhandel kauft, ist hier auf der sicheren Seite.“

Den Einbau, so rät der Aitracher, sollte man am besten einem Fachbetrieb überlassen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Denn bevor der erste Holzscheit verbrannt werden darf, muss der Bezirksschornsteinfeger die gesamte Anlage abnehmen. Immerhin in jedem fünften Fall müsse da nachgebessert werden, so Ullrichs Erfahrung. Meistens sei dies dann der Fall, wenn der Hausbesitzer selbst Hand angelegt hat. „Wer dies tun will, sollte sich vorher von seinem Bezirksschornsteinfeger beraten lassen“, rät der Fachmann.

Mindestabstände beachten

Einen Holzofen könne man dabei grundsätzlich in jedes Haus einbauen, auch wenn dieses selbst aus Holz besteht. „Zu beachten sind natürlich je nach Bauart die vom Hersteller auf dem Typenschild angegebenen Mindestabstände zu Wänden, Decken oder Möbeln.“

Bei Neubauten ist auch die Menge der sogenannten Verbrennungsluft im Raum zu berücksichtigen. „Da erleben viele ihr blaues Wunder. Neuere Häuser sind oft so luftdicht gebaut, dass bei einem Holzofen eine zusätzliche Lüftungsanlage notwendig ist“, berichtet Ingo Ullrich. Dies mache einen vermeintlich günstigen Holzofen dann so teuer, dass man sich fragen müsse, ob es das alles wert ist.

In Ullrichs Augen ist es das oft genug nicht. Er persönlich ist überzeugt davon, dass sich die Situation auf dem Gasmarkt in den kommenden Jahren wieder entspannen wird. „Alternativen zu den Einfuhren aus Russland werden gesucht und sind ja auch schon einige gefunden. Erdgas wird es weiterhin geben, wenn auch nicht mehr zu den Preisen der vergangenen Jahre.“

Was das Wichtigste ist

Daher sieht die Innung auch die beratende Tätigkeit der Schornsteinfeger als besonders wichtig in diesen Zeiten an. „Es geht meiner Meinung nach nicht um die Frage, auf welche Heizart ich setzen sollte, sondern darum, meinen Endenergiebedarf zu senken“, betont Ingo Ullrich und hat viele Maßnahmen dafür parat: „Heizungsrohre dämmen, Dach dämmen, eine moderne Haustüre, dichte Fenster, eventuell ein Vollwärmeschutz fürs ganze Haus oder eine Fußbodenheizung als Vorstufe für den späteren Einbau einer Wärmepumpe und nicht zuletzt die Maximaltemperatur des Warmwasserspeichers in einem vernünftigen Maß absenken und den Kessel auf Nachtabsenkung einstellen. Da ist ganz viel Sinnvolles möglich und nötig.“

Die Bundesregierung habe dies erkannt und wolle über eine Verordnung auch vorschreiben, dass Schornsteinfeger viele dieser Fragen bei der regulären Feuerstättenschau überprüfen. „Das nennt sich Mittelfristenenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung, kurz EnSimiMaV“, erzählt Ullrich und lacht ob des Wortungetüms. Sie soll zum 1. Oktober in Kraft treten, muss aber noch vom Bundesrat genehmigt werden.

Viel Überzeugungsarbeit

Doch auch ohne diese Verordnung rät Ullrich dringend dazu, sich über oben genannte Einsparmaßnahmen Gedanken zu machen. „Das muss aber noch bei vielen Menschen ankommen, und da haben auch wir Schornsteinfeger noch ganz viel Überzeugungsarbeit zu erledigen.“ Das sei aber auf jeden Fall sinnvoller als der überstürzte Einbau eines Holzofens, so die Überzeugung des Aitrachers.

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