In Aitrach wird eine Grabstelle für „Sternenkinder“ eingerichtet

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 Auf dem Areal des neuen Friedhofs soll eine Sternenkindergedenkstätte und Grabstelle realisiert werden. Die Initiatorinnen sind
Auf dem Areal des neuen Friedhofs soll eine Sternenkindergedenkstätte und Grabstelle realisiert werden. Die Initiatorinnen sind (von links) Nadine Berger, Lioba Abrell und Doris Maurer. (Foto: Olaf Schulze)
Olaf Schulze

Über die Errichtung einer Grab- und Gedenkstätte für „Sternenkinder“ auf dem neuen Friedhof ist in der jüngsten Aitracher Gemeinderatssitzung abgestimmt worden. Einstimmig genehmigte das Gremium ein Vorhaben, das bereits in den vergangenen Jahren in der Gemeinde thematisiert wurde. Beschlossen wurde hierzu der Auftrag an die Aitracher Künstlerin Lioba Abrell und die Übernahme der Bepflanzungsarbeiten an den Bauhof. Für die Überlassung der Grabstelle auf 15 Jahre wird ein Kostenbeitrag von 85 Euro erhoben. Kosten für einen von der Gemeinde vorgegebenen einheitlichen Stern mit den Namen der Verstorbenen müssen gesondert getragen werden.

Die Aitracher Initiatorinnen der „Sternenkinder“-Gedenkstätte, Lioba Abrell, Doris Maurer und Nadine Berger, die dem Gemeinderat das Vorhaben erläuterten, haben selbst Schreckliches erlebt. Auch sie sind Betroffene und haben ihre Kinder vor einigen Jahren verloren. Kinder, auf die sie sich gefreut hatten, wie alle werdenden Mütter, und die es nicht geschafft haben, zu überleben.

„Sternenkinder“ nennt man diese kleinen Wesen, die als Fehlgeburten auf die Welt kommen, und für die, wenn sie unter 500 Gramm wiegen, keine Bestattungspflicht besteht. In der Gemeinde Aitrach soll nun eine Gedenk- und Grabstätte auf dem Friedhof entstehen, ein Ort, an dem Eltern und Angehörige Gelegenheit zum Abschied nehmen und zum Trauern bekommen. Damit werde den schwächsten Gliedern der Gesellschaft und denen, die um sie trauern, ein Ort des Gedenkens eingeräumt.

Dieser Lebensbereich soll nun in seiner Bedeutsamkeit mehr wahrgenommen werden, so die Beweggründe seitens der Gemeindeverwaltung zur Realisierung des Vorhabens. Es soll ein schöner, würdiger Platz vor Ort geschaffen werden, der für die Betroffenen ein „Raus aus der Scham-Tabu-Zone“ ermögliche und helfe, deren oftmalige Hilflosigkeit gegenüber der Gesellschaft zu überwinden, so die Initiatorinnen, die sich zuvor in verschiedenen Gemeinden und Städten über ähnliche Einrichtungen informiert hatten. Der Platz soll eine Verbindung zwischen den Angehörigen und dem verlorenen Kind schaffen, ein Ort des Trosts, an dem die schmerzlichen Verluste betrauert und verarbeitet werden können.

Bei den gemeindlichen und kirchlichen Institutionen sei man auf „offene Ohren“ hinsichtlich des Wunschorts, der Finanzierung und der zügigen Planung des Vorhabens gestoßen, so die Initiatorinnen. Die Gesamtkosten zur Errichtung der Gedenkstätte liegen voraussichtlich bei rund 9500 Euro. Dabei wird laut Entwurf auf einer etwa 30 Quadratmeter umfassenden Fläche eine Stele aus Jura-Marmor aufgestellt, die von bunten Glassternen an einer Edelstahlspirale umschwebt wird und die von der Sonne beleuchtet Licht und Farbe auf den Platz bringen.

Der 40 mal 40 mal 140 Zentimeter hohe Gedenkstein erhält die Inschrift „Unseren Sternenkindern“. Auf einer steinernen Ruhebank gleichen Materials ist die Inschrift „Gott zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen, Psalm 147“ versehen. Die Gestaltung und die Inschriften wurden mit den Ortspfarrern Geil und Stolz abgestimmt, diese werden auch die Gedenkstätte weihen. Die Bepflanzung erfolgt mit Rasen, Vergissmeinnicht, Büschen, einer Hecke oder einem Baum. Zur Finanzierung der Gesamtkosten seitens der Gemeinde wurden heuer zunächst 5000 Euro eingestellt und auch rund 1000 Euro aus Spendenmitteln zur Ausstattung der Aussegnungshalle verwendet. Für die Restsumme erhofft man weitere Spenden seitens der Bevölkerung zu generieren.

Der Gemeinderat begrüßte das Vorhaben und einigte sich über eine zusätzliche Ruhebank auf dem Areal, auf dem „Alle Kinder aus allen Kulturen“ einen würdigen Ort zum Trauern vorfinden.

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