Aitracherin gründet Schule in Indien

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 Elisabeth Häring in Indien und ihre Tochter Sara (kleines Bild).
Elisabeth Häring in Indien und ihre Tochter Sara (kleines Bild). (Foto: Repro/Bild: olas)
Olaf Schulze

Die Aitracher Grundschullehrerin Elisabeth Häring unterstützt gemeinsam mit ihrem Mann Reinhard und ihrer Tochter Sara mit deren künftigem Ehepartner Rudi Wall seit 2017 die christliche Schule „I am Special“ in Indien, in der derzeit mehr als 150 Kinder verschiedener Religionen (Christen, Hindus, Moslems) unterrichtet werden und so eine dringend notwendige Bildung erhalten.

Wenig später gründeten Härings und Wall zusammen mit Freunden aus Indien den Verein Sinai, der in Indien als sogenannte Non-Profit-Organisation (gemeinnützig und mildtätig) anerkannt ist. Ziel ist es, benachteiligten und ausgestoßenen Menschen, den kastenlosen „Dalits“ (Unberührbaren) zu helfen, die häufig massiv diskriminiert werden und in teilweise katastrophalen Verhältnissen leben.

Glaube ist das Fundament

Als Tochter Sara anlässlich eines Missionseinsatzes 2015 in den Südosten von Indien reiste und vor Ort bei christlichen Projekten in verschiedenen Dörfern mitwirkte, wuchs die Idee, künftig den Menschen vor Ort zu helfen. „Der Glaube ist das Fundament, sonst wäre das Ganze nicht entstanden”, so die 27-jährige Pflegerin aus Kempten.

Gemeinsam mit dem christlichen indischen Ehepaar Kandikatti halfen und betreuten sie verzweifelte Menschen mit mildtätigen Engagements in der Region Telangana: Sie verteilten Essen und Decken für die obdachlosen Bewohner in den Slums, organisierten Medizinprojekte, Kinderspeisungen oder Brunnenprojekte, hielten Gottesdienste ab und beteten für Kranke. Diese bleibenden Eindrücke und ihre christliche Haltung prägten die junge Frau, und auch nach ihrer Rückkehr in die Heimat hielt sie weiterhin unterstützenden Kontakt zu der indischen Missionarsfamilie.

Zelte mit Plastikplanen

Hilfe gab ihr dabei auch ihre Familie. 2017 machte sich ihre Mutter Elisabeth Häring ein Bild von dem geschilderten Elend vor Ort. Prägend waren ihre Eindrücke in einer Kleinstadt, in der mitten im Müll Familien in mit Plastikplanen zusammengehalten Zelten lebten. Wie sich später herausstellte, waren dies Christen, denen der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert worden war und die zum Überleben bettelten. „Wie kann diese trostlose Lebenssituation nachhaltig verändert werden?“ fragte sie sich, und als erfahrene Pädagogin wusste sie, dass nur Bildung und christliche Werte helfen, aus der Armut heraus zu kommen.

Mit 50 Kindern und drei Lehrern startete das gemeinsame Schulprojekt im Herbst 2017 in einem angemieteten Gebäude in einer Klein-stadt vier Autostunden von Hyderabad entfernt. „Wir gaben unserer Schule den Namen ,Ich bin wertvoll’, um auszudrücken, dass jedes Kind – und sei es noch so arm – eine Würde besitzt und es von Gott, den Lehrern und Mitarbeitern des Vereins Sinai geliebt und geschätzt ist”, berichtet Häring, die seit 19 Jahren an der Schule in Aitrach unterrichtet.

Mehr als 150 Schüler

Mittlerweile werden mehr als 150 Kinder in drei Gebäuden von vier Lehrkräften unterrichtet. All dies läuft nach dem landesüblichen Lehrplan und mit den entsprechenden Prüfungen ab. Zudem wird täglich eine warme Mahlzeit bestehend aus Reis und Gemüse verteilt, für viele Kinder die einzige Mahlzeit am Tag.

Mieten für die Schulgebäude, Lehrergehälter, Nebenkosten für Strom, Unterstützung für die Missionarsfamilie und Schulessen (20 Cent pro Kind/Tag) werden mit monatlich 1300 Euro finanziert. Diese kommen durch Spenden und mit den Einnahmen eines Kaffeenachmittags zusammen, der alle zwei Monate im „Hofcafé“ in Lauben bei Memmingen abgehalten wird. Elisabeth Häring betont, dass jede Spende zu 100 Prozent der indischen Schule zugute komme, keine Verwaltungskosten entstünden und dass auch die Flüge nach Indien privat bezahlt würden.

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