Allgäu-Bahn: Bedenken zum Lärmschutz

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Projektleiter Matthias Neumaier (Zweiter von links am Pult) verweist immer wieder auf den Gesetzgeber.
Projektleiter Matthias Neumaier (Zweiter von links am Pult) verweist immer wieder auf den Gesetzgeber. (Foto: Fuchs)
Digitalredakteur

Zum Erörterungsverfahren im Zuge des Planfeststellungsvefahrens für die Elektrifizierung der Allgäu-Bahn hat das Regierungspräsidium Tübingen auf Antrag der DB Netz AG am Donnerstag geladen.

In der Dorfhalle Altmannshofen versammelten sich zum Termin etwa 50 Anwohner und Betroffene des Planfeststellungsabschnitts 10 zwischen Aichstetten und Leutkirch. Die hatten vorher fristgerecht ihre Anträge und Beschwerden eingereicht.

Eröffnet wurde das Verfahren durch Verhandlungsleiterin Dr. Anja Dürr vom Regierungspräsidium. Nach der Darlegung des geplanten Ablaufs übernahm Matthias Neumaier, Projektleiter in Diensten der DB Netz AG, das Wort mit einer kurzen Übersicht zur geplanten Elektrifizierung.

Zielsetzung sei eine Verringerung der Fahrtzeit von München nach Zürich um 20 Prozent. Strecke und Züge sollen auf den „neuesten Stand der Technik gebracht werden“, so Neumaier. Die elektrifizierte Allgäubahn soll 2020 in Betrieb gehen. Die Kritik von Anwohnern und Gemeinden sei durchaus bei der Bahn angekommen, man habe deshalb früh die Öffentlichkeit miteinbezogen.

Rechnen anstatt messen

Im Anschluss wurden die Wortmeldungen der Anwesenden angehört. Hauptanliegen war der Lärmschutz, zu dem einige Bedenken geäußert wurden. Max Schwenk aus Aichstetten ist nicht einverstanden mit der Art der Berechnung der Lärmbelastung. „Müsste man nicht von den Höchstwerten ausgehen? Wir leben auch in dem Moment dort, wenn der Höchstwert erreicht wird.“ Anwohner hätten mit Messgeräten nachgemessen und bis zu 100 Dezibel aufgezeichnet. „Das ist der Grund, warum wir rechnen und nicht messen“, gab Neumaier zurück, was immerhin für einige Lacher sorgte. Schallgutachter Markus Schweiger erläuterte daraufhin, dass die Belastung nicht gemessen, sondern im Mittel errechnet werde. Das gebe der Gesetzgeber so vor. Immer wieder verwiesen die Mitarbeiter der DB Netz AG auf den Gesetzgeber. Man halte sich an alle Vorgaben, mehr könne man nicht tun. Dass eine tatsächliche Belastung durch Lärm, Magnetfelder oder Erschütterungen vorkommen könne, stehe auf einem anderen Blatt.

Bezweifelt wurden aus den Reihen der Anwesenden immer wieder die Prognosen zur Nutzung der Bahnstrecke durch Güterverkehr. Neumaier ist sich sicher, dass der Personenverkehr steigen werde, beim Güterverkehr verlasse man sich aber auf die Zahlen des Verkehrsministeriums. Dessen Prognosen erkennen keine signifikante Steigerung in Zukunft. Ganz vertrauen konnten die Bedenkenträger diesen Versicherungen nicht. Immerhin hängt die Berechnung der Lärmelastung an den Vorhersagen. Unterstellungen wurden laut, die Bahn würde die Zahlen ihren eigenen Bedürfnissen anpassen. Neumaier und sein Kollege Frank Zwanziger wiesen diese Anschuldigungen zurück. Die Zahlen würden vom Bund geliefert, man sei selbst „nicht besonders glücklich darüber“.

Zum Ende standen die Themen Erschütterungen, elektromagnetische Verträglichkeit und Maststandorte mit einigen Wortmeldungen zur Debatte. Für Irritation sorgte ein von der Bahn geplanter Brückenausbau in der Friedensstraße in Aichstetten, von dem Gemeinderat Lothar Keck nichts wusste. Hier besteht offensichtlich noch Aufklärungsbedarf.

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