Zwei restaurierte Wegkreuze erhalten den Segen

Lesedauer: 5 Min
Susi Donner

Es regnet. Es ist dunkel. Am Parkplatz von Schloss Achberg versammelt sich eine kleine Schar von Gläubigen um das frisch und aufwendig restaurierte, denkmalgeschützte Wegkreuz, das erst seit Kurzem wieder an Ort und Stelle ist, und gleich den Segen erhalten soll. „Ich muss gestehen, ich habe noch nie bei Dunkelheit ein Wegkreuz gesegnet“, sagt Pfarrer Erhard Galm und fügt hinzu: „Segen von oben haben wir heute genug, aber ich habe trotzdem noch mein Weihwasser mitgenommen.“

Der etwas ungewöhnliche Zeitpunkt habe sich aus dem Gedanken heraus angeboten, dass nach der Segnung alle gemeinsam in die Schlosskapelle zum Gottesdienst der Kirchengemeinde Achberg gehen können, der traditionell einmal im Jahr in der besonderen Atmosphäre der altehrwürdigen kleinen Kapelle stattfindet.

Roland Wochner, der stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderats Achberg hat eine helle Lampe dabei, mit der er das Wegkreuz anleuchtet. „Der Corpus Christi sieht jetzt irgendwie größer aus und wirkt gleichzeitig viel zarter“, überlegt Bürgermeister Hannes Aschauer, der den Regenschirm über Pfarrer Galm hält.

Die Kirchenmalerin Melanie Maurer aus Oberreute, die mit der Restaurierung beauftragt war, habe ihn gefragt, wie denn der Hautton wirken solle. Sie musste mühsam mehrere alte Farbschichten und Spachtelungen abtragen und hat dann durch feine Lasuranstriche einen blassen, beinahe durchscheinenden Effekt erzielt, der der Kreuzigungsszene entspricht. „Der Körper Jesu ist ihr wirklich sehr gut gelungen. Er sieht jetzt viel natürlicher und filigraner aus“, sagt auch Wochner.

In der kleinen Gruppe der Gläubigen steht einer, der einen besonderen Bezug zu diesem Wegkreuz hat. Markus Mesmer hat vor 34 Jahren „in meinem jugendlichen Leichtsinn“, wie er sagt, mit dem Traktor die Kurve nicht erwischt und hat das Wegkreuz umgefahren, samt den beiden säumenden Bäumen. Ihm ist aber zum Glück nichts passiert. Die Familie habe damals das Wegkreuz wieder schön hergerichtet. „Wir haben das Kreuz wieder aufgebaut und Markus hat sicher keine Auszeichnung bekommen“, erinnert sein Papa.

„Wegkreuze, Feldkreuze, Bildstöcke, Kapellen, Heiligenfiguren an Häusern, in Feld und Flur sind Kulturdenkmäler, die davon Zeugnis ablegen, was Menschen in unserer Umgebung zu früherer Zeit und bis heute glauben und hoffen“, sagt Pfarrer Galm und betont, dass er sich über die große Wertschätzung freue, die die Achberger ihren erstaunlich vielen Wegzeichen entgegenbringen, die sie liebevoll pflegen, und sich tatkräftig und mit Spenden um ihren Erhalt kümmern. „Das Kreuz ist das Erkennungszeichen der Christen“, sagt Pfarrer Galm. „Es vermittelt uns die Liebe Gottes, der für uns seinen Sohn am Kreuz geopfert hat. In einer Zeit, in der Kreuze oft aus der Öffentlichkeit verbannt werden, ist es ein schönes Zeichen, dass die beiden neu sanierten Feldkreuze öffentlich diese bedingungslose Liebe Gottes verkünden.“ Galm dankt dem Landkreis Ravensburg und der Kreissparkasse Ravensburg, die den Verein zum Erhalt sakraler Kulturgüter fördere, sowie der Stiftung „Wegzeichen, Lebenszeichen, Glaubenszeichen“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die neben der kirchlichen und der weltlichen Gemeinde Achberg dazu beigetragen hat, dass die beiden Wegkreuze am Schlossparkplatz und am Königsbühl nun wieder würdevoll da stehen, und dem Gemeindeoberhaupt, das sich ihrer Sanierung persönlich angenommen habe. Letzteres habe von ihm im kleinen Kreis zuvor den Segen erhalten. Auch bei diesem Kreuz war die Christusfigur stark beschädigt und wurde mit viel Aufwand saniert. Zudem war das Holz des Kreuzes morsch und es musste neu gebaut werden, was Adrian Kniesel, Zimmerer aus Duznau, ehrenamtlich übernommen hat.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen