Studierende des Konservatioriums machen Kinder mit Konzert auf Schloss Achberg neugierig auf Musik

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 So lustvoll kann man Kindern Spielarten der Musik vermitteln: Vorne die Studierenden Darius Grimmel, Kenichi Kawabata, Marjut K
So lustvoll kann man Kindern Spielarten der Musik vermitteln: Vorne die Studierenden Darius Grimmel, Kenichi Kawabata, Marjut Kuhnhenn, Vasiliki Anagnostopoulu, Raphael Brunner und Martina Kadoff (von links). (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

„Komm in mein Klangschloss – auf in ein fantastisches Hörabenteuer.“ So hat das Bodenseefestival zum farbigen Familienkonzert ins Schloss Achberg eingeladen. Kinder- oder Familienkonzerte hat der martialische Rittersaal auf Schloss Achberg schon einige erlebt. Dennoch war das Konzert am Nachmittag des Pfingstsonntags ein Novum, denn ohne Worte sangen und musizierten hier sechs Studenten des Vorarlberger Landeskonservatoriums mit so viel ansteckender Lust, dass sie bei den Kindern ganz gewiss die Neugier auf das weite Feld der Musik geweckt haben.

Bis zum Ende des dreiviertelstündigen Konzerts waren die Kinder, auch unter Fünfjährige, toll bei der Sache, obwohl – oder weil? – es zwischendurch keinerlei Erklärungen gab und die Musik für sich sprechen durfte. Erst am Ende stellten sich die sechs Sänger und Musiker vor, deren Herkunft aus Japan, Finnland, Griechenland, Österreich und Deutschland so bunt war wie ihre Musik: die Sängerinnen Martina Kadoff und Marjut Kuhnhenn, die Geigerin Vasiliki Anagnostopoulu, der Klarinettist Kenichi Karabata, der Akkordeonist Raphael Brunner und der Kontrabassist Darius Grimmel.

Voll war die Fläche zwischen der schmalen Bühne und den fünf Stuhlreihen für die Erwachsenen. Vorne hockten, saßen oder lagen rund 30 Buben und Mädchen, so eng, dass für die Musiker, die am Podiumsrand saßen, auf die Kinder zukamen und auch mal zwischen ihnen durchwanderten, kaum noch ein Durchkommen war. Sie spielten keineswegs „Kindermusik“, sangen keine Kinderlieder, sondern in bunter Folge gingen anspruchsvolle Musikstücke und Lieder ineinander über, angefangen bei Alter Musik über Schuberts Goethe-Vertonung „Nur wer die Sehnsucht kennt“ bis Stravinsky und Bela Bartók, zwischendurch jodelte die Geigerin mit den Sängerinnen, man meinte ein nordisches Lied zu hören oder die Musiker lockten in die Puszta, schickten einen flotten Ragtime hinterher oder einen Klezmer-Tanz.

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Musikvermittlung“ hatten der Kulturmanager und Lehrbeauftragte Christoph Thoma und Gastdozentin Lilian Genn mit den Studierenden das Konzept erarbeitet. Wie er sagte, hatten sie selber die Stücke ausgewählt und das Programm zusammengestellt. Er habe gerade auf das Vermitteln ohne Worte Wert gelegt und nur noch leicht korrigierend eingegriffen. Ein Konzept für eine eigene Kunstform für Kinder, das voll aufging. Die Kinder spürten, dass es um sie ging, dass sie ernstgenommen wurden, und ließen sich gerne mitnehmen in das bunte Reich der Musik. Zuletzt ein fröhlicher Tanz, der im Balkan auf Hochzeiten gespielt wird – da folgten sie gleich dem Wink, aufzustehen und mitzutanzen – standing ovations auf ganz natürliche Art. Da gab’s daheim noch viel zu erzählen.

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