Kinderbetreuung ist das große Thema in Achberg – Denn die Gemeinde wächst

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Die Betreuung der Kinder bis sechs Jahren ist weiterhin das große Thema in Achberg.
Die Betreuung der Kinder bis sechs Jahren ist weiterhin das große Thema in Achberg. (Foto: Archiv: Uli Deck)
Olaf Winkler

Die Betreuung der Kinder bis sechs Jahren ist weiterhin das große Thema in Achberg. Das machte die Bürgerversammlung deutlich: Bürgermeister Johannes Aschauer rückte das Thema in seinem rund anderthalbstündigen Rückblick nicht nur an die erste Stelle.

Er machte auch deutlich, dass sich das von der Gemeinde zu tragende Defizit aus der Kinderbetreuung in den vergangenen zehn Jahren auf rund 400 000 Euro vervierfacht hat. Und es steigt weiter. Die Konsequenz: Die Gebühren werden steigen.

Mann mit Headset
Weil das gemeindliche Defizit aus der Kinderbetreuung wächst, werden die Kindergartenbeiträge in Achberg steigen. Das kündigte Bürgermeister Johannes Aschauer in der Bürgerversammlung an. (Foto: Olaf Winkler)

Seit der Bürgerversammlung vor einem Jahr sind in Achberg 21 neue Erdenbürger hinzugekommen. Vor zehn Jahren waren es gerade einmal sieben. Der Trend zu mehr Wachstum hält schon seit einigen Jahren an. So reichten die 67 Kindergartenplätze schon 2018 nicht mehr. Verfügbar waren damals Plätze für 20 Buben und Mädchen im Bauernhof-Kindergarten und weitere 47 Plätze im Kindergarten St. Christophorus. Da aber 78 Kinder zu betreuen waren, begannen die Arbeiten im Martin-Grisar-Haus, dem ehemaligen Seniorenheim der Gemeinde.

Eigentlich sollte im Mai dieses Jahres dort eine neue Kindergartengruppe einziehen. Doch die Arbeiten dauern an. Jetzt nannte der Bürgermeister den Januar 2020 als neuen Einzugstermin. Die Zuzugsdynamik in der Kommune halte an, so Aschauer. Das liege an vielen „Heimkehrern“, die großteils mit Kindern wieder nach Achberg ziehen.

So ist Aschauer von der längerfristigen Notwendigkeit zusätzlicher Kindergartenplätze überzeugt. 92 stehen künftig zur Verfügung. Da auch im Krippenbereich für Kinder bis zu drei Jahren die Nachfrage steigt, sind hierfür zwei Räume im Martin-Grisar-Haus vorgesehen. „So können wir zeitnah reagieren“, sagte der Bürgermeister. Derzeit sind acht der zehn vorhandenen Krippenplätze belegt.

230 Euro je Einwohner gibt die Gemeinde für die Kinderbetreuung aus. „Vom Land kommt trotz Versprechungen wenig“, monierte Aschauer. Und auch die Kirche habe ihre Zuschüsse nicht an die gestiegenen Kosten angepasst. 20 Prozent der nicht von Land und Kirche gedeckten Kosten sollten die Eltern bezahlen. Zuletzt waren es aber nur 13 Prozent – und auch nach der jüngsten Beitragserhöhung sind es nur 16. „Deshalb werden wir das in weiteren Schritten anheben“, kündigte Aschauer an – und dankte gleichzeitig für das Verständnis der Eltern für diese Kostensteigerung.

Der Bauablauf im Martin-Grisar-Haus sei „kompliziert“, bekannte der Bürgermeister. Nach dem Einzug der Kindergartengruppe im Erdgeschoss rücke das Obergeschoss in den Fokus. Hier sieht es nach Ansicht von Aschauer derzeit noch „übel“ aus. Künftig soll es hier einen Multifunktionsraum geben, in dem beispielsweise Gemeinderatssitzungen oder Chorproben stattfinden können. Platz für 100 Personen soll er bieten – und damit wohl auch für die Bürgerversammlung 2020. Heuer hätten dort kaum alle Teilnehmer Platz gehabt. Denn die Achberghalle war bei der Bürgerversammlung so gut gefüllt wie seit Jahren nicht.

Weit über eine Million Euro koste der Umbau des Martin-Grisar-Haus, so Aschauer. Bislang sei keine Kostenüberschreitung zu erwarten. So übernimmt das ehemalige Seniorenheim Aufgaben, die eigentlich dem „Fanny-Haus“, dem Gebäude Kirchstraße 8 gegenüber dem Rathaus, zugedacht waren. 2012 hatte es die Gemeinde erworben. Die Frage, ob sich die Kommune zwei öffentliche Gebäude dieser Art leisten könne, scheint beantwortet: Das „Fanny-Haus“ steht zum Verkauf. Und mit ersten Kaufinteressenten habe die Gemeinde bereits Gespräche geführt.

Neuen Wohnraum schafft die Gemeinde in diesen Monaten im Bereich der Bebauungspläne Wolfsgrube und Gartenstraße. In der Wolfsgrube ist die Erschließung bereits abgeschlossen. Derzeit ermittle die Kommune den Quadratmeterpreis, dann erfolge die Vergabe der Grundstücke entsprechend der festgelegten Kriterien. Das bedeutet, dass vor allem nur Interessenten zum Zug kommen, die in Achberg wohnen oder hier aufgewachsen sind.

In der Gartenstraße läuft derzeit der Grunderwerb. In der zweiten Jahreshälfte 2020 soll dort die Erschließung erfolgen. Im Baugebiet Esseratsweiler Südwest ist der obere Teil inzwischen komplett bebaut und insgesamt nur noch ein Platz frei. Er war vom ursprünglichen Käufer an die Gemeinde zurückgegeben worden.

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