Eine raffinierte Konstruktion im dreistöckigen Dachstuhl

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 Hausmeister Bernd Lehle erklärte die Konstruktion des Dachstuhls. Ein Flaschenzug beförderte Getreide in den Speicher.
Hausmeister Bernd Lehle erklärte die Konstruktion des Dachstuhls. Ein Flaschenzug beförderte Getreide in den Speicher. (Foto: chli)
Christiane Link-Raule

Zum ersten Mal hat sich das Schloss Achberg am bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ beteiligt und hatte gleich ein volles Haus. Besonders begehrt war die Hausmeisterführung vom Keller bis zum Dachboden, denn dieser ist bis auf Ausnahmen für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Ein günstiger Zeitpunkt also für alle „Speicher-Geheimnis-Erforschende“. Jedoch auch sämtliche anderen Programmangebote waren schnell ausgebucht und durch das ganze Schloss bewegten sich fröhliche Besucherscharen, erkundeten die Räumlichkeiten und die Ausstellung „Bella Figura“ in den drei Stockwerken des Schlosses.

„In meiner Jugend haben wir hier im Schloss noch mit den alten Waffen gespielt, die an den Wänden im Rittersaal hingen“, verriet Hausmeister Bernd Lehle, der zu mittelalterlichen Zeiten wohl als „Kastellan“ beschäftigt gewesen wäre. Ungläubiges Staunen bei den Gästen, doch Verwaltungsleiter und „Vogt“ Michael Maurer legte nach. Er erwähnte, dass das sogenannte „Dornröschenschloss“ von Kindern und Jugendlichen mit der Seilwinde erobert wurde. Sie ließen sich nach oben ziehen. Gerücht oder Wahrheit? Die Achberger werden es wissen.

Solcherart Spannendes und Kurioses erzählten die beiden auf der Führung durch das Schloss. „Burgwart“ Lehle lieferte Informationen über die baulichen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte. Von der ursprünglichen Burg wurden die Grundmauerfundamente für das heutige Schloss benutzt, der Schlossturm war ein Wasserreservoir. Der einstige Fäkalienschacht auf der Nordseite des Schlosses ist heute der Notausgang, im Amtshaus des Vogts, der seit 1700 die hohe Gerichtsbarkeit über „Leib und Leben“ innehatte, sind Seminarräume und Ferienwohnungen zu finden. Vom Inventar ist nicht mehr viel vorhanden, die Waffen sind inzwischen verwahrt.

30 Tonnen Stuck hängen an der Decke im barocken Rittersaal. Wie dieses Gewicht gehalten wird, erfuhren die Besucher im Dachboden, einem dreistöckigen Speicher, der wiederum aus zwei separaten Dachstühlen besteht, die nur mit Dachlatten verbunden sind. Des Rätsels Lösung: eine im Dachstuhl hängende raffinierte Konstruktion hält die darunterliegende Stuckdecke. Nichts Geheimnisvolles also verbirgt sich im Speicher, sondern sinnvoller Lagerplatz und gute Handwerkerarbeit. Schlicht aus Sicherheitsgründen ist der Raum nicht öffentlich zugänglich.

Handwerksgeschick konnten die jüngeren Besucher derweil in der Stuckwerkstatt beweisen, in der sie Verzierungselemente aus Alabastergips gießen durften. Bei der Familienführung mit Bildersuche lernten die jungen Grafen und Edeldamen das Leben der Kreuzritter kennen, alles über die Einrüstung des Schlosses wurde den interessierten Gästen in der Architektenführung erklärt. Viel besucht war ebenfalls die Ausstellung „Bella Figura“, in der die menschliche Figur im Mittelpunkt steht.

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