Achberger Kapelle hat neuen Dirigenten

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Sie könnten wieder vor Freude ihre Hüte in die Luft werfen: Die Mitglieder des Musikvereins Achberg haben wieder einen Dirigente
Sie könnten wieder vor Freude ihre Hüte in die Luft werfen: Die Mitglieder des Musikvereins Achberg haben wieder einen Dirigente (Foto: MV Achberg)
Ruth Eberhardt

Was haben die Achberger Musikanten nicht alles getan, um einen neuen Dirigenten zu finden: Sie haben in einschlägigen Internetplattformen, auf der eigenen Homepage und in Verbandszeitschriften gesucht. Sie setzen auf Mundreklame und hefteten sich Aufkleber mit dem Schriftzug „Dirigent gesucht“ an die Tracht – immer in der Hoffnung, dass sich jemand findet, der für die motivierte Schar den Takt angibt. Jetzt hat die langwierige Suche nach einem neuen Dirigenten ein Ende: Zum Jahresbeginn wird Benedikt Stocker aus Hergensweiler die musikalische Leitung des Musikvereins Achberg übernehmen.

„Ich freue mich, dass wir jemanden gefunden haben, bei dem wir alle ein gutes Gefühl haben“, sagt Vorsitzender Peter Kaeß erleichtert über diese Nachricht, die mitten in die LZ-Serie über die Musikvereine in der Region hineinplatzt. Zwar brauche der Musikverein jetzt noch jemanden, der die Kapelle auf das Jahreskonzert vorbereitet. Doch für ein solches zeitlich befristetes Projektdirigat lasse sich leichter jemand finden. „Da sehe ich kein Problem“, sagt Kaeß zuversichtlich.

Mit der Erfahrung, dass die Suche nach einem Dirigenten nicht einfach ist, steht der Musikverein Achberg freilich nicht alleine da. Ganz allgemein betrachtet, müssen mehrere Faktoren passen: „Der musikalische Anspruch des Dirigenten und der Kapelle müssen in punkto Stilrichtung und Schwierigkeitsgrad übereinstimmen“, erklärt Kaeß. Auch der persönliche Umgang müsse passen. Und schließlich müsse auch die finanzielle Seite stimmig sein.

Kultureller Auftrag in der Gemeinde

„Wir waren schon ein wenig verwöhnt“, gibt der Vereinsvorsitzende nachdenklich zu. „Wir hatten immer Dirigenten aus den eigenen Reihen.“ Und dies mit einer ausgesprochen hohen Kontinuität. So war der inzwischen verstorbene Alois Koros sage und schreibe 37 Jahre lang Dirigent beim Musikverein Achberg und danach Ehrendirigent.

Später erlebte der Musikverein Achberg den krassen Gegensatz zu dieser Beständigkeit. Denn der letzte regulären Dirigent, Heinz Zimmermann, hörte 2012 auf. Danach hatte die Kapelle zwar immer wieder, auch über längere Phasen hinweg einen musikalischen Leiter. Besonders dankbar ist Vorsitzender Peter Kaeß in diesem Zusammenhang dem Weißensberger Michael Dlugosch, der dieses Amt im vergangenen Jahr übernahm und damit die Kapelle musikalisch durch ihre 150-Jahr-Feier führte. Doch auch diese Zusammenarbeit war befristet. Dass Georg Hirenbach jun. als Vizedirigent dann den Probebetrieb aufrecht hielt, „rechnen wir ihm sehr hoch an“, erklärt Kaeß.

Seinen kulturellen Auftrag sieht der Musikverein vor allem in der Gemeinde selbst – wann immer er gefragt ist. Dies ist bei kirchlichen Anlässen wie Fronleichnam oder den drei Patrozinien in Esseratsweiler, Siberatsweiler und der Bildeichkapelle ebenso der Fall wie beim Maibaumstellen beim Florians- und beim Sportfest oder auch beim Gaudiwurm zur Fasnacht. Auch auswärts treten die derzeit 30 aktiven Musikanten auf, beispielsweise bei Musikfesten, bei Promenadenkonzerten in den Seegemeinden oder auch bei der Hafenweihnacht in Lindau.

„Bringt viel fürs Zusammenleben im Ort“

Ein musikalischer Höhepunkt in der Gemeinde ist neben dem Jahreskonzert auch das Neujahrsblasen. Dazu ziehen die Musikanten in drei Gruppen von Haus zu Haus und überbringen ihre musikalischen Neujahrsgrüße. „Da bekommen wir von der Bevölkerung mit Spenden gedankt, was wir das ganze Jahr über leisten“, erzählt Peter Kaeß.Es ist eine Leistung, die auch Bürgermeister Johannes Aschauer hoch einschätzt. Ob für kulturelle, politische oder gesellschaftlicher Ebene – der Musikverein sei immer ein wichtiges Element. Beispiel Volkstrauertag: „Ohne den Musikverein wäre das eine dürftige Veranstaltung“, sagt Aschauer. Hier und bei anderen Gelegenheiten gehe es immer auch um die Repräsentation der Gemeinde. Für wichtig hält der Bürgermeister zudem den generationenübergreifenden Aspekt: „Ganz toll finde ich, dass im Musikverein Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen – vom Schüler bis zum Rentner – zusammenkommen. Das bringt auch viel für das Zusammenleben im Ort“, erklärt Aschauer.

Auch viel Engagement für den Nachwuchs

Für den Nachwuchs organisiert der Musikverein Instrumentalunterricht mit ausgebildeten Musiklehrern. Wenn die jungen Musikanten soweit sind, können sie in der Jugendkapelle unter der Leitung von Matthias Walser spielen. Außerdem weist Kaeß darauf hin, dass in Achberg (unabhängig vom Musikverein) ein eigenständiger Förderverein musikalische Früherziehung für Kinder anbietet.

www.mv-achberg.de

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