„Stimmung auf den Höfen ist ganz, ganz schlecht“

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 Abschied und Begrüßung (von links): Kreisbäuerin Sonja Müller, Geschäftsführer Erich Krug, Kreisobmann Elmar Karg und sein Stel
Abschied und Begrüßung (von links): Kreisbäuerin Sonja Müller, Geschäftsführer Erich Krug, Kreisobmann Elmar Karg und sein Stellvertreter Andreas Willhalm verabschieden sich von Angelika Gruber (vorn links), die 43 Jahre lang in der Lindauer Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands gearbeitet hat und begrüßen ihre Nachfolgerin Stefanie Hörburger (vorn rechts). (Foto: isa)
Isabel Kubeth de Placido

Ob Milchviehbauern oder Obstbauern – die Landwirte im Landkreis Lindau haben ein Jahr mit vielen Herausforderungen und viel Arbeit hinter sich. Das wurde auf der Jahreshauptversammlung des Bayerischen Bauernverbandes deutlich, zu der rund 100t Verbandsvertreter nach Gestratz gekommen waren.

Trotz aller Probleme und Widrigkeiten durch Verordnungen, Volksbegehren, Blauzungenkrankheit und Wildschweingefahr wurde eines klar: Der Landkreis steht hinter seinen Landwirten. Darüber hinaus richteten die Bauern ihren Blick in die gar nicht mehr allzu ferne Zukunft und beschäftigten sich mit der Digitalisierung.

Es waren rund100 Landwirte aus dem ganzen Landkreis, die nach Gestratz zur diesjährigen Jahreshauptversammlung gekommen waren, um zu hören was ihr Verband im vergangenen Jahr geleistet hat. Und das war, wie sie von ihren Kreisobmännern und ihrer Kreisbäuerin im Laufe der Jahreshauptversammlung erfahren sollten, eine ganze Menge.

So berichtete Kreisbäuerin Sonja Müller, dass sie den Verband und damit die Betriebe bei insgesamt 63 Terminen und Veranstaltungen vertreten und repräsentiert habe. Ganz abgesehen von diversen Veranstaltungen, wie dem Landfrauentag, dem Tag der jungen und aktiven Landfrau oder dem Tag der Austragler, die sie selbst für die Bäuerinnen organisiert habe, habe sie bei zahlreichen Arbeitstagungen und Sitzungen mit Vertretern aus Politik und Landwirtschaft die aktuellen Probleme der hiesigen Landwirte besprochen. „Aber egal, wie das Thema Landwirtschaft in der Öffentlichkeit diskutiert wird, es gibt immer noch viele Menschen, die uns vertrauen“, sagte sie und betonte: „Wir können stolz sein: Wir produzieren hochwertige Lebensmittel und pflegen die Landschaft.“

Prominente Besucher

Nicht weniger aktiv engagiert hatten sich die Kreisobmänner. Andreas Willhalm, als stellvertretender Kreisobmann, der für die Obstbauern unterwegs ist, berichtete von Treffen und Gesprächen mit Michaela Kaniber, der Bayerischen Landwirtschaftsministerin, die im vergangenen Jahr dem Obstbaubetrieb Jäger in Lindau ihren Antrittsbesuch abgestattet hat, mit Ministerpräsident Markus Söder, der anlässlich der Eröffnung der Inselhalle in Lindau war und sich mit den Obst- und Weinbauern auf dem Weingut Roland Hornstein in Nonnenhorn getroffen hatte sowie mit Ulrike Müller in Herrsching, wo mit der EU-Abgeordneten über zukunftsträchtige Agrarpolitik gesprochen wurde.

So richtig rund geht es jedoch erst seit Anfang dieses Jahres zu. Seit die ÖDP und der Bund Naturschutz das Volksbegehren Artenschutz gestartet haben. Für Willhalm folgten „viel Aufregung, viele Telefonate, viel Diskussion“ und seine Teilnahme an aufreibenden Veranstaltungen. Jetzt, wo 18 Prozent der Bevölkerung unterschrieben hätten, bleibt Willhalm nur die Hoffnung, „dass da noch eine gute Lösung raus kommt, mit der wir alle leben können.“

Auch Kreisobmann Elmar Karg war im vergangenen Jahr viel für die Lindauer Landwirte unterwegs. Insgesamt 50 Mal und dabei 31 Mal allein für den Kreis. „Die Stimmung auf den Höfen ist ganz, ganz schlecht“, fasste er zusammen. Grund dafür seien die zahlreichen unerfreulichen Themen, die die Landwirte plagten. Von der Düngemittel- und Anbindungsverordnung über Blauzungenkrankheit und Schweinepestbedrohung durch Wildschweine bis hin zum Volksbegehren. Allerdings sieht Karg in den derzeitigen Problemen und Herausforderungen auch eine gute Seite: „Wir sind dadurch zusammengerückt.“ Und dadurch, dass der Bauernverband offen unpopuläre Themen anspreche, „sind wir ziemlich präsent“. Negativ sei die derzeitige Situation, weil sie „unglaublich kräftezehrend“ sei. Aber: „Wir Lindauer werden gehört, auch in München.“

Rückendeckung erfuhren die Landwirte von Elmar Stegmann. Der Landrat war eigens zu der Versammlung gekommen, um sich ausdrücklich für die Arbeit der Landwirte zu bedanken und ihnen die Unterstützung des Kreises zu versichern. Immerhin investiere der Landkreis 850 000 Euro für den Bau eines neuen Gebäudes für die Obstbauschule Schlachters.

Darüber hinaus schloss er sich Kargs Meinung an, dass es nicht nur die Aufgabe allein der Landwirte sei, die Artenvielfalt zu erhalten. Denn so, wie der Landkreis bereits seit Jahren zum Artenschutz beitrage, etwa durch seinen Landschaftspflegeverband als auch durch seine verschiedenen Blühwiesenprojekte, seien Städte, Kommunen, aber auch die Bürger hier gefragt.

Standen bei den Berichten der Kreisobmänner und der Kreisbäuerin das zurückliegende Jahr im Mittelpunkt, so hatte der Bauernverband mit Johanna Pfeiffer und Markus Gandorfer zwei Referenten auf die Versammlung geholt, die die Landwirte einen Blick in die Zukunft werfen ließen. Unter der Überschrift „Digitalisierung in der Landwirtschaft: Vorbereitung, Akzeptanz und Bewertung“, stellten die beiden Experten vom Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft verschiedene Technologien vor, die Landwirten heute schon die Arbeit erleichtern.

Etwa, mittels von Sensoren die Gesundheit der Kühe zu überwachen oder den Zeitpunkt zur Besamung sowie des Kalbens festzustellen. Oder aber mittels kleiner und großer Roboter Unkraut zu jäten, zu säen oder zielgenau Pestizide auszubringen.

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