„Ich habe mich als Wachrüttler gesehen“

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 Gebhard Straub hat sich ein halbes Jahrhundert in katholischen Laien-Organisationen engagiert. Sein Amt als Vorsitzender des D
Gebhard Straub hat sich ein halbes Jahrhundert in katholischen Laien-Organisationen engagiert. Sein Amt als Vorsitzender des Dekanatsrates hat er heuer abgegeben. (Foto: Olaf Winkler)
Olaf Winkler

„Ich bin Kirche“, sagt Gebhard Straub. Er sagt das nicht anmaßend, sondern aus seinem christlichen Verständnis heraus, dass jeder getaufte und gefirmte Mensch mitverantwortlich ist für das Erscheinungsbild der Kirche. Die Mitverantwortung hat der 66-jährige Opfenbacher stets sehr ernst genommen. Im 50. Jahr ist er in einer führenden Position in einer katholische Gruppe tätig, 44 Jahre davon im Dekanatsrat. Zwölf Jahre hatte er das Amt des Vorsitzenden inne. Bei der vergangenen Sitzung des Gremiums gab er es ab.

In einer „Zeit des Aufbruchs“ begann Gebhard Straub, sich zu engagieren. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstanden Laien-Räte wie der Pfarrgemeinderat. Aus deren Reihen fanden sich Katholiken im Dekanatsrat zusammen. Straub stieß 1974 allerdings noch als berufener Jugendvertreter zu diesem Gremium. Da hatte er schon drei Jahre als Vorsitzender der Opfenbacher Landjugend (KLJB) und drei Jahre als KLJB-Kreisvorsitzender hinter sich.

Nachdem 1974 die Dekanate Weiler und Lindau zusammengelegt worden waren, trafen sich die katholischen Laien landkreisweit zu ihren Besprechungen. Der Dekanatsrat sollte den Austausch zwischen den Pfarrgemeinden fördern und ein Netzwerk zwischen den Gläubigen schaffen. „Ich habe mich als Wachrüttler gesehen“, erzählt Straub – „in einer Zeit, in der es galt, neue Impulse zu setzen.“ In den Reihen des Dekanatsrats sei beispielsweise 1978 die Idee entstanden, die Caritas-Sozialstation zu gründen. Auch eine zweite Initiative wurde umgesetzt: die Gründung des katholischen Bildungswerkes. Weiter nennt Straub die Dekanatswallfahrt, die erst kürzlich wieder nach Maria-Thann führte.

Für Opfenbach im Dekanatsrat

Im Anschluss an seine Jahre als Jugendvertreter repräsentiert Gebhard Straub seit 1986 seine Heimatpfarrei Opfenbach im Dekanatsrat. Impulse zu setzen für lebendigere Gottesdienste und kirchliche Feiern sei ihm stets ein Anliegen gewesen, sagt er und nennt als Beispiel modernes Liedgut in der Kirche. Die richtigen Themen und Referenten für die zwei jährlichen Vollversammlungen des Gremiums zu finden, sei oft eine Herausforderung gewesen. So aber kamen Diskussionen über Themen wie Trauerseelsorge, Ökumene oder der Kommunion für Geschiedene auf. „Die Flüchtlingsfrage haben wir schon im März 2015 behandelt“, blickt der 66-Jährige zurück.

Besonders gefordert sah Straub den Dekanatsrat im Jahr 2012, als Bischof Konrad Zdarsa in Folge der Bildung von Pfarreiengemeinschaften die Pfarrgemeinderäte in den einzelnen Pfarreien abschaffen wollte. Doch diese Laien-Räte auf dörflicher Ebene tragen in Augen Straubs als wichtige Unterstützung der Pfarrer dazu bei, die Kirche lebendig zu erhalten.

Im Rückblick will Straub nicht von Erfolgen bei einzelnen Themen sprechen. Er hoffe aber, dass sich einzelne Menschen „haben anrühren lassen“. Auch Ernüchterung habe er trotz der sinkenden Zahl von Gottesdienst-Buchern nie gespürt: „Als Christ habe ich Hoffnung. Es geht weiter.“ Während das Engagement in der Kirche stets ehrenamtlich war, wirkte Gebhard Straub beruflich als technischer Oberlehrer an der Berufsschule in Wangen. Seit drei Jahren ist er im Ruhestand. Mit dem Ausscheiden aus dem Dekanatsrat zieht er sich aus der Arbeit für die Kirche aber noch nicht ganz zurück. Derzeit ist er Kirchenverwalter der Pfarrei Opfenbach – und hat auch seine Bereitschaft erklärt, nach den Neuwahlen im November weiter als solcher tätig zu sein.

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