Wohnbauprojekt ist auf der Schiene

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 Der neue Entwurf des Bebauungsplans zeigt innerhalb der grünen Markierung die einzelnen Wohngebäude mit Zufahrten und Wegen (un
Der neue Entwurf des Bebauungsplans zeigt innerhalb der grünen Markierung die einzelnen Wohngebäude mit Zufahrten und Wegen (unten in der Grafik die Bundesstraße B12 und links die Giebelhalde). (Foto: ust)
Schwäbische Zeitung

Gut Ding braucht Weile, heißt es. Dies gilt auch für die geplante Bebauung des bislang als Dahlienfeld genutzten Grundstücks am südlichen Ortseingang von Weißensberg. Denn es waren insgesamt drei Anläufe notwendig, bis die Planer den Gemeinderat von einer neuen Variante der vor vier Jahren beschlossenen vierten Änderung des Bebauungsplans (B-Plan) „Grübels-Rothkreuz“ überzeugen konnten. Wesentlicher Unterschied der neuen Planung ist, dass die Erschließungsstraße für das neue Wohngebiet über die Giebelhalde entfallen und das Quartier gänzlich autofrei werden soll. Um die bisherigen, lang diskutierten Streitpunkte Verkehrsanschluss und Parkplatz-Situation zu beseitigen, soll das Bauvorhaben nun an einen vorhabenbezogen B-Plan gekoppelt werden, bei dem wesentliche Eckpunkte der Bebauung und der Zufahrten bereits im Vorfeld festgelegt werden.

Wie berichtet will die Lindauer „bpm Gesellschaft für Bauprojektmanagement mbh“ auf dem Grundstück an der Ortsdurchfahrt B12 / Ecke Giebelhalde über 60 Wohnungen – verteilt auf insgesamt neun Gebäude – errichten. Bei der Vorstellung des Projekts in früheren Gemeinderatssitzungen war es Architekt Andreas Hammer (Lindau) zwar gelungen, Räte und Rätinnen von einer verbesserten Wohn- und Aufenthaltsqualität innerhalb des Quartiers zu überzeugen, indem er bei seinem Entwurf die Autos der künftigen Bewohner in eine Tiefgarage verlegte und „oben“ eine Spiel- und Flanierstraße vorsah. Verschiedene Bedenken aus dem Ratsgremium wie beispielsweise das wilde Parken rings um das Gelände konnte er allerdings ebenso wenig ausräumen wie unzureichende Zufahrtsmöglichkeiten für Rettung, Feuerwehr, Paketdienste oder auch Handwerker.

Zuletzt war Stadtplaner Hubert Sieber in die Vermittlerrolle geschlüpft und hatte eindringlich an die Projektverantwortlichen und Planer appelliert, ihre „Hausaufgaben“ zu machen, um dem Rat neue Lösungsvarianten auf den Tisch zu legen. Andernfalls drohe das Projekt in dieser Form zu scheitern. Offensichtlich gelang dem neu hinzugezogenen Landschaftsarchitekten Tobias Kramer aus Freising der Durchbruch, als er in der Ratssitzung am Donnerstagabend seinen Entwurf präsentieren durfte.

Es gelte, zum einen den „Gartencharakter“ der Siedlung herauszustellen, zum andern die notwendigen Funktionen für Brandschutz, Rettung, Zustelldienste, Handwerker, Winterdienst, Entsorgung etc. zu sichern. Kramer will dies durch Zu- und Ausfahrtsmöglichkeiten via B12 ebenso wie über die Giebelhalde gewährleisten. Innerhalb des neuen Wohngebiets sollen für diesen Zweck verschiedene, zum Teil durchlässige Pflastersysteme verbaut werden. Die sogenannten „Loops“, sprich Wege, die zwischen den Häusern hindurchführen, sollen zudem eine ausreichende Fahr- bzw. Standbreite aufweisen.

Im Anschluss an Kramers Ausführungen lieferte Sieber eine Gegenüberstellung des alten und des neuen B-Plans, bei der nochmals die Vor- und Nachteile der beiden Pläne im Einzelnen herausgestellt wurden. Gewertet wurde nach den Kriterien Wohnqualität, Nachhaltigkeit, Erschließung, Parkplatz-Situation und dem Planungsinstrument, also der jeweiligen Art des Bebauungsplans. Bei nahezu sämtlichen Punkten erwies sich der vorhabenbezogene B-Plan als besser. Anders als beim alten, sogenannten Angebots-Bebauungsplan („Angebot zur Bebauung“, aber kein Bauzwang) hat der Gemeinderat beim vorhabenbezogenen B-Plan die Möglichkeit, vorab mitzubestimmen, was später konkret gebaut wird (Stichwort „Detailschärfe“). Während letzterer Umstand, sprich die „Mitbestimmung“ des Rates, in der darauffolgenden Diskussion Ratsmitglied Markus Kaeß (Freie Wählerschaft, FW) überzeugen konnte, hielt Fraktionskollege Martin Steur dagegen – er sehe auch in dem neuen Entwurf eine „verkehrstechnisch erhebliche Verschlechterung“ gegenüber dem alten, gültigen B-Plan. In gleicher Weise wiederholte Hans Weishaupt (Freie Bürger, FB) seine Bedenken in verkehrstechnischer Hinsicht. Demgegenüber betrachteten Max Vogler (FB) und seine Fraktionskollegin Ingrid Bartl die Problematik der Zufahrten bzw. Besucher-Parkplätze als gelöst. Schließlich kam folgender, von Bürgermeister Hans Kern vorgetragene Beschlussvorschlag zur Abstimmung: „Der Gemeinderat nimmt die fortgeschriebene Planung zustimmend zur Kenntnis und signalisiert, dass er sich auf dieser Basis einen Einstieg zum Verfahren für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan ,Wohnbebauung Grübels-Rothkreuz‘ vorstellen kann.“ Von den insgesamt zwölf zu vergebenen Stimmen (Anm. drei Gemeinderatsmitglieder waren nicht anwesend) entfielen acht auf diesen Vorschlag, vier lehnten ihn ab. Laut Kern wird sich der Rat auf dieser Grundlage bereits in der nächsten Sitzung (voraussichtlich 23. Juli) erneut mit dem Wohnbauprojekt befassen.

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