In Weißensberg wird gebaut wie lange nicht mehr

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„Neues Dorfzentrum“: Nach Festhallen-Umbau und -Sanierung werden heuer die Arbeiten im Außenbereich fortgesetzt. Parallel dazu l
„Neues Dorfzentrum“: Nach Festhallen-Umbau und -Sanierung werden heuer die Arbeiten im Außenbereich fortgesetzt. Parallel dazu laufen detaillierte Planungen für das neue Wohngebiet jenseits der Schulstraße (rechts hinten im Bild) und den Neubau des Rathauses (etwa dort, wo der große Erdhaufen zu sehen ist). (Foto: ust)
Ulrich Stock

Auch wenn manche Projekte im Jahr 2019 nicht mehr realisiert werden konnten, kann die Gemeinde Weißensberg dennoch auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. So wurde zum einen der Ausbau mit schnellem Internet abgeschlossen, wodurch nun weitere 260 Wohn- und Gewerbegebäude über einen Glasfaser-Anschluss verfügen. Zum andern konnten viele Vorhaben bis zur Baureife vorangebracht werden, sodass 2020 mit deren Umsetzung begonnen werden kann. Andere wiederum, die bereits im Bau sind, sollen im Laufe des Jahres fertiggestellt werden. Dazu gehören auch die Wohnbauprojekte am Weiher und an der B 12 in Rothkreuz.

Viele neue Wohnungen

Der Schwerpunkt der Planungen für die nächsten Jahre liegt allerdings auf der Ortskern-Neugestaltung, deren gleichnamiger Bebauungsplan Ende Oktober vom Gemeinderat beschlossen wurde. Nächster Schritt wird eine detaillierte Planung sein, wie die fünf Baufelder bebaut werden sollen. Bauherr ist in diesem Fall die Gemeinde, die auch die entsprechenden Grundstücke besitzt. Wie berichtet sollen nordöstlich der Schulstraße, vis-à-vis des Festhallengeländes, fünf Wohngebäude mit insgesamt bis zu 50 Mietwohnungen errichtet werden – vornehmlich für Senioren, Familien und Alleinerziehende. Die Devise lautet, wie Bürgermeister Hans Kern es einmal formulierte, „bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“.

Neue Wohnungen werden auch im Ortsteil Rehlings oberhalb vom Bayerischen Hof entstehen. Der entsprechende Bebauungsplan „Im Gärtl und Teile der Lindauer Straße“ konnte ebenfalls noch im alten Jahr beschlossen werden. Auf dem Grundstück Lindauer Straße 83 will die Bodenseewohnbau GmbH den Wohnpark „Sonnenallee“ mit drei Mehrfamilienhäuser errichten, in denen insgesamt 25 Eigentumswohnungen mit jeweils zwei, drei oder vier Zimmern Platz finden. Mit dem Bau soll im Frühjahr begonnen werden, die Fertigstellung ist für Sommer 2021 geplant.

Raum für 124 Kita-Plätze

Ein wichtiges Zukunftsprojekt, die Sanierung und Erweiterung der Kindertagesstätte St. Markus, soll ebenfalls im neuen Jahr endlich umgesetzt werden. Das Bauvorhaben hatte sich zuletzt um mindestens ein Jahr verzögert, weil die Zustimmung der Kirchenverwaltung, sprich der Gremien der Diözese Augsburg, noch fehlte. Nun wartet die Gemeinde aber immer noch auf den Zuwendungsbescheid der Regierung von Schwaben, nachdem der Förderantrag bereits Ende August eingereicht worden war. Das ärgert nicht nur die Pfarrgemeinde, sondern auch den Bürgermeister: „Ohne den Bescheid gibt es auch keinen Baubeginn. Hier geht viel Zeit verloren, weil ja zuvor auch noch die Arbeiten ausgeschrieben werden müssen. Zudem verteuert die neuerliche Verzögerung die Baukosten, da die Baupreise weiter steigen.“

Die Bauarbeiten für das Kita-Projekt sollten unbedingt im Frühjahr beginnen, damit bis spätestens September 2021 alles fertig ist, wenn das neue Kindergartenjahr beginnt, meint auch Architekt Christian Auerbach. Nach seinen Angaben liegen die Gesamtkosten für das Projekt bei rund 2,6 Millionen Euro. Davon entfallen über 1,6 Millionen Euro auf den Anbau und knapp eine Million Euro auf den Umbau des Wohnhauses. In der Kostenschätzung enthalten ist auch die Sanierung des Daches und der Einbau einer neuen Heizung (Gastherme). Für einen Kostenanteil von rund 1,2 Millionen Euro muss die Gemeinde selbst aufkommen. Etwa gleich hoch dürfte die Förderung durch den Freistaat sein. Die Kirchenstiftung muss nur einen Anteil in Höhe von 200 000 Euro tragen.

Dauerbaustelle „Neue Dorfmitte“

Fortgesetzt werden im neuen Jahr auch die Bauarbeiten im Festhallenumfeld mit der Umgestaltung des Vorplatzes, der Grünanlagen und des Spielplatzes (Bauabschnitt 1) sowie des Bereiches unterhalb der Festhalle im Bereich des Parkplatzes (Bauabschnitt2). Der Baubeginn des neuen Rathauses, das nicht im Förderprogramm der Dorferneuerung enthalten ist, ist laut Bürgermeister Kern für 2021 geplant. Auch im Hinblick auf den Wohnungsbau im neuen Ortskern rund um die Schulstraße wird die neue Dorfmitte in den nächsten Jahren eine Dauerbaustelle bleiben.

Weitere Projekte, die 2020 und in den Jahren danach in Angriff genommen werden sollen, sind diverse Kanalsanierungen, Arbeiten rund um den neuen Bahnhalt in Rehlings mit Parkplatz und Zugang zu den Bahnsteigen, sowie der weitere Breitbandausbau. Letzterer wird heuer im Rahmen des sogenannten Höfeprogramms fortgesetzt – damit sollen auch abgelegene landwirtschaftliche Gebäude schnelles Internet bekommen. Möglicherweise wird der Freistaat darüber hinaus auch noch ein weiteres Förderprogramm für Glasfaseranschlüsse auflegen. Und dann zum Schluss noch eine gute Nachricht: Gleich zu Beginn des neuen Jahres sollen die Restarbeiten an der Bahnüberführung Kirchstraße, sprich der Einbau von Geländer und Leitplanken, erledigt werden, sodass auch diese Langzeitbaustelle abgehakt werden kann.

Weißensberg ist schuldenfrei

Am Geld für die vielen Projekte fehlt es jedenfalls nicht, denn die Gemeinde hat seit März 2019, als der letzte Kredit mit rund 136 000 Euro getilgt wurde, keine Schulden mehr. Und da im zu Ende gehenden Jahr wegen der Verzögerung von Projekten auch einiges Geld im Gemeindesäckel verblieben war, können die anstehenden Bauvorhaben ohne Finanzierungsprobleme umgesetzt werden.

Mit den geplanten und ebenso mit den realisierten Projekten hat sich Bürgermeister Kern obendrein ein solides Fundament für seine Wiederwahl im März 2020 geschaffen. Anders als viele seiner Amtskollegen im Landkreis hatte er sich mit seiner Kandidatur Zeit gelassen, obwohl er sich der neuerlichen Unterstützung durch die Freie Bürger Weißensberg sicher sein konnte. Vor allem dürfte aber ein Aspekt den Ausschlag zu einem erneuten Antreten gegeben haben: Der Wunsch, die Vollendung der in seiner Amtszeit eingeleiteten großen Bauprojekte als aktiver Bürgermeister erleben zu dürfen, darunter vor allem das neue Dorfzentrum rund um die erneuerte Festhalle.

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