Florian Wörner: Der Weihbischof hat ein offenes Ohr

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 Weihbischof Florian Wörner im Gespräch mit den Gläubigen.
Weihbischof Florian Wörner im Gespräch mit den Gläubigen. (Foto: Isabel Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

Mit einem Festgottesdienst und einem anschließenden Stehempfang ist der Besuch von Weihbischof Florian Wörner in der Pfarreiengemeinschaft Weißensberg zu Ende gegangen. Nachdem er am Vortag das Gespräch mit den verschiedenen Gremien gesucht hat, hatte er beim Stehempfang in der Weißensberger Festhalle ein offenes Ohr für alle, die mit ihm sprechen wollten.

Das sei ihm noch nie passiert, dass ihm ein Pfarrer just bei seiner Ankunft sämtliche Schlüssel für die Kirchen übergeben habe, sagte Weihbischof Florian Wörner am Ende des Festgottesdienstes in der Weißensberger Kirche, als er Pfarrer Anton Latawiec den dicken Schlüsselbund wieder zurückgab und sich bei ihm für diese Geste herzlich bedankte. Es war der letzte Tag des eineinhalbtägigen Besuchs des Weihbischofs in der Pfarreiengemeinschaft Weißensberg, in der die Pfarreien Bösenreutin, Niederstaufen, Sigmarszell und Weißensberg vereint sind, und zu der demnächst auch Hergensweiler dazugehören wird. Alle zehn Jahre, so sieht es das Kirchengesetz vor, soll ein Bischof die Pfarreien in seinem Bistum besuchen.

Zustand der Kirchen

„Es gibt zwei Dinge bei so einem Besuch“, erklärt Werner Günthör der LZ, der Mitglied des Pfarrgemeinderates ist und dazu auserkoren wurde, den Besuch des Weihbischofs fotografisch festzuhalten und deswegen überall mit dabei war. „Man schaut nach dem Rechten“, also, in welchem Zustand etwa die Kirchen und die Sakristeien seien. Das jedoch habe nicht der Weihbischof erledigt, sondern sein Sekretär. Der Weihbischof habe das Gespräch gesucht und sich damit dem zweiten Ziel des Besuchs gewidmet. Seien die Gespräche am Vormittag mit Pfarrer und Kaplan „eher intern“ gewesen, habe er sich beim Kinderbibeltag in Sigmarszell den Fragen der Kinder gestellt. Beim Seniorennachmittag im Haus des Gastes habe der Weihbischof die Blasmusik dirigiert und sei dann durch die Reihen gegangen, um sich mit der älteren Generation zu unterhalten. Die Ministranten im Pfarrheim Niederstaufen wiederum, hätten ihn mit Fragen „bombardiert“.

„Ich hatte den Eindruck, dass er sehr authentisch antwortet und sich mit den Themen beschäftigt“, berichtet Günthör. Auch das Gespräch mit dem Pfarrgemeinderat sei bereichernd gewesen. Nach einer „sehr inspirierenden“ Bibelarbeit sei es um die Frage gegangen, wie sich mehr Menschen für den Glauben gewinnen ließen. Der Kern der Antwort sei die „Neuevangelisation“ und im „Missionarisch-Kirche-Sein“ gewesen. „Jeder Gläubige soll für seinen Glauben stehen und ihn weitergeben“, übersetzt Günthör. „Ich glaube schon, dass er die Leute motiviert hat“, sagt Günthör und berichtet von einer großen Wertschätzung, die der Weihbischof den Ehrenamtlichen entgegengebracht habe. „Die Ernsthaftigkeit im Gespräch war da. Und das Ringen, um den Glauben, das man dann weitergeben kann.“ Neben dieser persönlichen Erfahrung sieht er das Positive dieses Besuches auch darin, dass die Gemeinde sich, wegen des im Vorfeld auszufüllenden Erhebungsbogens, auch über ihren Ist-Zustand klar werden musste. „Wir haben darüber gesprochen, wo wir stehen, was wir haben und ob wir das, was wir nicht haben, brauchen.“

Mittlerweile ist auch Weihbischof Florian Wörner in der Festhalle eingetroffen und nimmt sich ausgiebig Zeit für jeden, der ihn anspricht. Auch mit der LZ spricht er gerne und erzählt, dass er als Kind öfter mal im Urlaub in Lindau war. Wo genau, daran erinnert er sich nicht mehr. Nur daran, wie beeindruckt er gewesen war. „Wenn man noch am Meer war, dann fasziniert einen die Größe des Sees“, erzählt er und ergänzt, dass er auch beeindruckt von der wunderbaren Kulisse gewesen sei. „Die schöne Landschaft, die schweizerischen und österreichischen Berge als Hintergrund. Fasziniert hat mich auch, dass hier drei Länder zusammenkommen.“ Das letzte Mal, so erzählt er weiter, habe er Lindau vor fünfzehn Jahren besucht. In seinem Amt als Jugendseelsorger für diese Region, zur bundesweiten Sternsingeraussendung auf dem Bodensee. Sein aktueller Besuch habe ihm gezeigt, „dass hier eine Reihe von Leuten sehr engagiert und motiviert anpacken“. Sei es im Besuchsdienst für Kranke, in der Katechese, für Kinder und Jugendliche, in Vorbereitung und Feier von Gottesdiensten und in den verschiedenen anderen Bereichen. „Ich habe den Eindruck, hier herrscht gerade eine Art Aufbruchstimmung.“ Nicht zuletzt wegen Pfarrer Anton Latawiec, der im September vergangenen Jahres neu in die Gemeinde kam und weil demnächst Hergensweiler als fünfte Pfarrei zur Pfarreiengemeinschaft Weißensberg hinzukomme. „Ich bin dankbar, dass die Leute größtenteils guter Dinge auf das Neue zugehen“, sagte er und fand: „Jede Pfarrei hat etwas zu geben und zu empfangen.“

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