Wasserburger Weihnachtsmarkt stärkt das Wir-Gefühl

Lesedauer: 5 Min
Isabel de Placido

Kunst und Genuss, Beschaulichkeit und Trubel: Am Wasserburger Weihnachtsmarktwochenende war so ziemlich alles geboten. Während die einen durch die kreative Welt auf dem Adventsmarkt im Kunstbahnhof geschlendert sind, haben sich die anderen auf dem Weihnachtsmarkt am Lindenplatz getroffen. Oder sie haben das eine mit dem anderen verbunden. Auf jeden Fall aber haben die beiden Weihnachtsmärkte jede Menge Besucher angezogen.

Ruhig und besinnlich geht es zu im Wasserburger Kunstbahnhof. Auf den Stufen des ehemalige Bahnhofsgebäudes weisen brennende Kerzen den Besuchern den Weg. Eine Weihnachtsbaum-Skulptur, angedeutet mit langen Hölzern, Tannenzweigen und rotem Filzbaumschmuck, beherrscht eindrucksvoll das großzügige Foyer. Filigrane Weihnachtssterne baumeln von der Decke. Glühweinduft betört schon hier die Ankömmlinge. Dabei laden die Stände, an denen Mitglieder des Wasserburger Künstlervereins ihre Kunst zum Kauf anbieten, erst im Nebenraum zum Verweilen ein. Etwa mit jenen eindrucksstarken Kunstwerken, die Regina Stadler präsentiert. Malt die Künstlerin aus Feldkirch normalerweise vor allem großformatige Bilder, so ist sie am Adventsmarkt ausschließlich mit kleinen Gemälden vertreten. Und ihre raffinierten expressionistischen Kunstwerke auf leeren Klopapierrollen stellt sie extra nur für den Markt her. „Ja, es macht mir unglaublich Spaß hier zu sein“, sagt sie, nachdem sie einem Besucher gerade ihre Arbeitsweise erklärt hat.

Momentan geht es eher ruhig und gemütlich zu, beim Adventsmarkt im Kunstbahnhof. Doch, so sagt Regina Stadler, Besucher seien an diesem ersten Tag schon viele da gewesen. Das bestätigt auch Antje Haddick. Die Gastausstellerin mit familiären Beziehungen zum Kuba ist mit ihren Objektbildern aus Stein vom Chiemsee an den Bodensee gekommen. Allerdings, so erklärt sie, stamme das meiste Schwemmholz, mit dem sie arbeite, eh vom Bodensee.

„Ich bringe es sozusagen wieder hierher zurück“, sagt sie lachend und erzählt begeistert von den vielen kommunikativen und interessierten Besuchern, mit denen sie an diesem Markttag gesprochen hat. Solchen wie Camila Rodriguez, die extra in den Kuba gekommen ist, um mal einen Weihnachtsmarkt zu erleben, bei dem sich alles um die Kunst dreht. Die junge Deutschschülerin aus Kolumbien ist begeistert. Zumal es in ihrer Heimat überhaupt keine Weihnachtsmärkte gibt. „Es werden sehr schöne Sachen hier angeboten“, findet sie und sagt, dass sie unbedingt den Glühwein probieren will, der den Kunstbahnhof in seinen betörenden Duft hüllt. Denn auch diese Art von Wein kenne sie nicht von daheim.

Glühwein und noch viele andere leckere Gaumenfreuden mehr gibt es auch ein paar Schritte weiter, auf dem Lindenplatz. Viele, viele kleine Lichter leuchten stimmungsvoll von den Bäumen herab. Ging es im KuBa noch ruhig und beschaulich zu, tobt hier das Leben. Die Wasserburger Vereine, Institutionen oder Winzer sind es wieder, die dampfenden Glühwein, Most oder Punsch in allen Variationen verkaufen, heiße Waffeln oder Apfelküchle backen, Würstchen, Pommes oder Schupfnudeln braten.

Kinder basteln im Kindergarten-Bastelzelt, an einem Stand bieten die diesjährigen Konfirmanden umweltfreundliche Bienenwachstücher und anderes plastikfreies Verpackungsmaterial an, an einem anderen gibt es Weihnachtliches aus Papier, am nächsten sind es faire Waren aus aller Welt und wieder an einem anderen gibt es Näharbeiten aus schönen Stoffen, die die Frauenherzen höher schlagen lassen. Dennoch sind es jene Buden, die sich um das leibliche Wohl der Besucher kümmern, die in der Überzahl sind. An Stehtischen, an wärmenden Holzfeuern, zu zweit oder grüppchenweise bevölkern die Menschen den Platz. „Der Weihnachtsmarkt ist ein Treffpunkt für die Wasserburger“, erklärt Ursula Edeler. „Hier treffen sich die Leute und hier trifft man die Leute. Und das ist gut für Dorfgemeinschaftsgefühl.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen