Wasserburg schenkt Hausbesitzer Solarcheck für Hausdächer

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 Begehung im Hause Walser (von links): Eza-Bereichsleiter Manuel Allgaier, Bürgermeister Thomas Kleinschmidt und Energieberater
Begehung im Hause Walser (von links): Eza-Bereichsleiter Manuel Allgaier, Bürgermeister Thomas Kleinschmidt und Energieberater Günter Edeler lassen sich von Carsten Walser die vorhandene Technik im Keller zeigen. (Foto: isa)
Isabel kubeth de Placido

Mit Sonne heizen oder selbst Strom produzieren? Hausbesitzer haben jetzt die Chance auf eine kostenlose Antwort. Die Gemeinde Wasserburg startet mit dem Energie- und Umweltzentrum Allgäu (Eza) und der Verbraucherzentrale Bayern die Aktion „Check-Dein-Dach“ und vergibt 30 kostenlose Eignungs-Checks. Wie das ausschaut, wenn der Wasserburger Energieberater Günter Edeler ins Haus kommt, um Dächer, Heiztechniken und Stromversorgung unter die Lupe zu nehmen, das hat sich die LZ schon einmal bei der Familie Walser in Hengnau angesehen.

Energetisch steht das Haus der Familie Walser eigentlich schon ziemlich fortschrittlich da. Vor zehn Jahren hat sie sich das gut gedämmte Niedrigenergiehaus in Hengnau gekauft, das 2002 von der Firma Weberhaus in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut erbaut wurde und ohne konventionelle Heizmethoden auskommt. Zu seinen Besonderheiten gehören die großen Fensterfronten, die Luft-Luft-Wärme-Pumpe mit Belüftungsanlage und die zusätzliche Möglichkeit einer elektrischen Heizanlage. „Aber das kostet dann Geld“, erklärt Carsten Walser. Und das ist genau das, was er sich ja eigentlich sparen will.

Ausschließlich über die Wärmepumpe geheizt, haben die Walsers für ihren Vier-Personen-Haushalt auf 152 Quadratmetern Gesamtnebenkosten von 250 bis 300 Euro monatlich. „Es ist bei uns nicht günstiger, aber auch nicht teurer.“ Carsten Walser weiß aber auch, dass die Zeit nicht stehengeblieben ist und dass er sein Haus heute energetisch aufrüsten könnte. Etwa mit einer Dreifach-Verglasung, die sich, wie er schon ausgerechnet hat, für ihn nicht lohnt, oder mit einem Kaminofen, den er jedoch aus Klimaschutzgründen für nicht besonders optimal hält. „Aber woran ich denke, ist Photovoltaik.“ Auch deshalb, weil die Familie seit September ein Elektroauto fährt.

30 Hausbesitzer dürfen sich für eine kostenlose Prüfung melden

„Photovoltaiknutzung ist in den allermeisten Fällen sinnvoll und rechnet sich“, ist sich Energieberater Günter Edeler sicher und erfährt, dass die Familie vor kurzem den alten Warmwasserspeicher mit Heizstab durch einen neuen mit Pumpe ersetzt und damit die Kosten gesenkt hat. „Das sind gleich mal 1500 bis 1800 KW weniger, was wir verbrauchen“, freut sich Carsten Walser. Doch wenngleich nun der Wohnkomfort hoch und die Kosten gesenkt sind, ist die Familie komplett abhängig vom Strom. Und damit für Günter Edeler „ein Beispielprojekt für die Kampagne“.

Mit dieser Kampagne, im Rahmen derer der Energieberater 30 Häuser in Wasserburg prüft, ob sie sich für eine Photovoltaik- oder Solarthermieanlage eignen oder wie sich bestehende Anlagen am besten aufrüsten oder kombinieren lassen, verfolgt das Ziel die passende Lösung zur Nutzung von Sonnenenergie zu finden. Außer dem Eza und der Verbraucherzentrale Bayern wird die kostenlose Aktion „Check-Dein-Dach“ auch von der Gemeinde gefördert. Denn Wasserburg hat wiederum das Ziel, in Richtung Klimaneutralität als Vorzeigegemeinde voranzugehen.

Das Dach ist zu klein, um den Strombedarf komplett zu decken

Doch noch bevor Edeler zur Bestandsaufnahme schreitet und sich Keller wie auch Dach zeigen lässt, dämpft er die Hoffnungen auf eine völlige Unabhängigkeit vom Stromversorger. Denn sein fachmännischer Blick zeigt schon jetzt: „Ich fürchte, dass die Fläche nicht ausreicht, um den Strombedarf über Photovoltaik abzudecken.“ Eine Einschätzung, die sich nach der Besichtigung der Wärmepumpe, der Zähler, der Zählerschranks und der Dachflächen, bewahrheiten sollte. „Der einzige Nachteil an dem Haus ist, dass wir kleine Dachflächen haben“, muss auch Carsten Walser erkennen.

Edeler tröstet ihn damit, dass immerhin um die beiden Solarthermiemodule herum, mit denen die Walsers zumindest an schönen Tagen ihr Warmwasser erzeugen, 16 Photovoltaikmodule Platz finden. Damit hätten die Walsers den Großteil ihres Strombedarfs gedeckt und müssten ihn nicht kaufen. „Es macht auf jeden Fall Sinn, da was zu tun“, weiß Carsten Walser schon nach dieser Vorortbegehung. Einen ausführlichen Bericht einschließlich Handlungsempfehlungen bekommt er noch.

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