In der Ausstellung „Ein ganzes Haus voller Kunst“ zeigen Ursula Echinger, Bettina Lindenberg, Hanne Diehm und Monika Lokau im Se
In der Ausstellung „Ein ganzes Haus voller Kunst“ zeigen Ursula Echinger, Bettina Lindenberg, Hanne Diehm und Monika Lokau im Seniorenheim Hege Werke zum Thema Natur. Da Constanze Funke bei der Vernissage nicht dabei sein konnte, hat sich Verbandschef Rainer Krauß für das Foto einem ihrer Werke angenommen. (Foto: isa)
isa und Isabel de Placido

„Ein ganzes Haus voller Kunst“ haben die sechs Künstlerinnen ihre Ausstellung benannt, die ab sofort und bis Mai 2020 im Seniorenheim Hege zu sehen ist. Ein Ort, der für eine Kunstausstellung ungewöhnlich sein mag, und doch sehr wohl mit Bedacht gewählt ist, wie sich bei der Vernissage herausgestellt hat.

Kunst ist nicht nur was fürs Museum. Kunst ist durchaus auch etwas fürs Seniorenheim. Dessen ist sich Rainer Krauß ganz sicher, auch wenn der Nonnenhorner Bürgermeister und Verbandschef des Zweckverbands Seniorenheim Hege sehr wohl weiß, dass so ein Seniorenheim kein typischer Ort für Kunst sein mag. Allerdings, so sagte er bei der Eröffnung Vernissage, „wir wollen unser Heim öffnen und in die Mitte des Lebens holen“. Daher sei es kein Fehler an diesem Ort auszustellen. Außerdem mache es deutlich mehr Spaß mit der Kunst zu leben, als ohne die Kunst. „Wir wollen unseren Senioren Impulse geben, Anreize setzen, neue Anregungen präsentieren Auch, wenn sie sich unter Umständen mal einen Tag lang aufregen“, sagte er und fand: „Kunst hält den Geist wach.“

Das fanden auch die Künstlerinnen. Und dass Kunst zuallererst Gespräche anregt, hatten sie sowieso schon jede für sich erfahren, bei Begegnungen mit den Bewohnern. So erzählte etwa die aus Lindau stammende Ina Kritiotis den rund 20 Gästen der Vernissage, dass sie beim Aufhängen ihrer Bilder einer Bewohnerin begegnet sei, die frei heraus sagte, dass sie die Blumen auf einem der Bilder sehr schön finde, „aber den Rest kann man vergessen“. „Diese Ehrlichkeit hat mir gefallen“, sagte die Künstlerin. Allerdings malt Ina Kritiotis keine Bilder, sondern sie fotografiert. Und außer Blumen fotografiert sie im Moment vornehmlich Wände. Denn, es seien jene Mauern und Wandstrukturen, die abstrakte Erscheinungen haben, die die Fotokünstlerin gerade interessieren. In ihren Bilderarrangements gehe es ihr darum, jene Dinge zu zeigen, „die wir alle sehen“, erklärte sie.

Eine zweite Fotokünstlerin, die bei dieser Ausstellung ihre Werke präsentiert, ist Bettina Lindenberg. Die Münchnerin ist eigentlich in der Reisefotografie zuhause. Allerdings kam sie dann durch ein Schlüsselerlebnis zur Kunstfotografie, das sie erkennen ließ, dass sie gar nicht in ferne Länder reisen muss, um die Schönheiten der Natur zu finden. Im Seniorenheim Hege ist sie mit schwarz-weißen Pflanzenbildern vertreten. Wie sie erklärte, habe sie für ihre Fine Art Prints Pflanzen in der Winterzeit fotografiert und sie dann auf Leinwand übertragen.

Auch Hanne Diehm ist gerne in der Natur unterwegs. Wie Ina Kritiotis hatte auch die Ravensburger Künstlerin eine Begegnung mit einem Hausbewohner, beim Aufhängen ihrer Bilder. Da gestand ihr ein Hausbewohner, dass er nur solche Bilder schön fände, auf denen sich erkennen ließe, was abgebildet sei. Doch das Naturgetreue sei genau das, was Hanne Diehm an ihren Bildern nicht mag und kitschig findet. Stattdessen will sie in ihren Bildern entweder eine gewisse Stimmung oder ein bestimmtes Licht transportieren. Denn, so findet sie, „das Schöne beim Abstrahieren ist, dass der Betrachter sich Gedanken machen und einen eigenen Bezug herstellen kann“.

Dagegen ist Ursula Erchinger mit ihren Ziegenbildern durchaus gegenständlich unterwegs. Doch sie male ihre Motive nicht der Motive wegen, sondern weil sie sich für deren Strukturen interessiere. Dabei geht sie so vor, dass sie Fotos macht, darin das Abstrakte erkennt und daraus wiederum das Gegenständliche malt. Dass das etwas „paradox“ ist, weiß sie selbst, wie die Künstlerin aus Überlingen lachend zugab.

Rund um das Thema Wasser drehen sich die Bilder von Monika Lokau, die sie selbst als „Farbarrangements in Postkartengröße“ bezeichnet. Postkartengröße deshalb, weil die Bilder ihrer ersten Ausstellung so klein wie Postkarten bleiben mussten, um in alte Apothekerschubladen zu passen. Und bei diesem Format ist die Lindauerin dann letztendlich geblieben. Auch bei den Farbarrangements, mit denen sie das große Thema Wasser abbildet und Farbtöne verwendet, die die verschiedenen Stimmungen und Farben des Bodensee- oder Nordseewassers darstellen.

Neben diesen fünf Künstlerinnen zeigt auch Constanze Funke ihre Werke bis Mai täglich in den Gängen und Stockwerken des Seniorenheims Hege. Da die Tettnanger Malerin beruflich verhindert war, hatte Monika Lokau deren Vorstellung übernommen.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen