Im Wasserburger Zentrum darf ein Häuserensemble gebaut werden

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Die bestehenden Häuser in der Dorfstraße wollen die Eigentümer abreißen und statt dessen zwei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage
Die bestehenden Häuser in der Dorfstraße wollen die Eigentümer abreißen und statt dessen zwei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage bauen. (Foto: isa)
Isabel de Placido

Der Wasserburger Ortskern verändert sich zusehends. Der Grundstücks-, Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde hat in seiner jüngsten Sitzung einem Bauvorhaben grünes Licht gegeben, das mitten im Dorfzentrum liegt. Nach Willen der Wasserburger Bauherren sollen in der Dorfstraße zwei massive Wohnhäuser entstehen, die durch eine Tiefgarage miteinander verbunden sind.

Dem Gremium war es anzumerken: So wirklich wohl war den Ausschussmitgliedern nicht dabei, einem solch massiven Bauvorhaben mitten im Wasserburger Zentrums zuzustimmen. Doch obwohl das Bauvorhaben massiv ist und sich über dessen architektonische Gestaltung durchaus streiten ließe, hat die Bauherrschaft des großen Grundstücks in der Dorfstraße sich doch an die Vorgaben gehalten.

Aktuell stehen auf dem Grundstück bereits Gebäude, die die Bauherrschaft jedoch abreißen will. Stattdessen sollen an deren Stelle ein Achtfamilienhaus und ein Vierfamilienhaus entstehen. Die dafür nötigen Stellplätze werden zum Teil durch eine Tiefgarage geschaffen, zum Teil auf dem Grundstück nachgewiesen. Ein Gebäude überschreitet um einen Meter die Baugrenze und auch die im Bebauungsplan festgeschriebene Firsthöhe. Allerdings ebenfalls nur gering, denn statt der festgelegten 414,50 Meter über Normalnull (NN) sind hier 414,835 Meter über NN vorgesehen.

„Klar ist das groß, aber es ist baurechtlich gut ausgearbeitet“, fasste Jens Müller zusammen und brachte es auf den Punkt: „Es passt rein, das Ding.“ Weshalb der Bauamtsleiter dem Gremium empfahl, dem Bauvorhaben grünes Licht zu geben. „Es wird doch wieder ein sehr großer Baukörper“, merkte Stefan Hilger an und bedauerte die seit Jahren herrschende Entwicklung von „Nachverdichtungen mit größtmöglichem Baukörper“. Wobei er sich dessen bewusst war, dass dies den hohen Grundstückspreisen geschuldet und den Eigentümern nicht zu verdenken sei. „Dass das so ist, musste ich in den letzten sechs Jahren lernen.“

Bürgermeister Harald Voigt gab indessen zu bedenken: „Baurechtlich sind so viele Möglichkeiten geschaffen worden, die der Bauherr natürlich ausnutzt.“

Um nicht noch größeren Gebäuden Vorschub zu leisten, warnte Werner Göser davor die Bauüberschreitungen zuzulassen, auch wenn diese nur minimal seien. Weil Ausnahmen stets weitere Ausnahmen nach sich zögen, meinte er im übertragenen Sinne: „Die Nachbarn warten nur drauf, dass man noch höher und größer bauen darf.“ Beate Meßmer regte unterdessen an, dass der Bauherr seine Pläne überdenken solle, um ein „ruhigeres Ortsbild“ entstehen zu lassen. „Architektur ist eine gestalterische Sache“, gab die Architektin vorsichtig zu bedenken. Grundsätzlich schloss sie sich Hilgers Ansicht an, der fand: „Mir persönlich ist das Bauvorhaben einfach zu groß.“ „Mir ist es auch zu groß und ich würde es gern auf den Kopierer legen und auf 0,9 drücken“, sagte Meßmer in dem Bewusstsein, dass das Bauvorhaben trotz aller Bedenken genehmigungsfähig ist.

Letztendlich bewilligte das Gremium das Bauvorhaben, wobei einzig Stefan Hilger dagegen stimmte. Gleichzeitig forderte der Ausschuss aber die Einhaltung des Bebauungsplans und damit, dass weder die Baugrenzen noch die Firsthöhe überschritten und der Pflanzplan eingehalten werde. Zudem bestand das Gremium auf drei zusätzliche ausgewiesene Besucherparkplätze.

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