„Es ist viel in die falsche Richtung gelaufen“

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 Eine historische Ansicht der Halbinsel aus dem Jahr 1920 mit der „Seekrone“ in der Bildmitte hat Werner Göser für die Ausstellu
Eine historische Ansicht der Halbinsel aus dem Jahr 1920 mit der „Seekrone“ in der Bildmitte hat Werner Göser für die Ausstellungsräume seines Unternehmens vergrößern lassen. Die Vorgänge um die „Seekrone“ in den vergangenen Jahren ärgern ihn jedoch. (Foto: Ruth Eberhardt)
Ruth Eberhardt

Aus der aktiven Kommunalpolitik hatte sich Werner Göser vor etwa zehn Jahren verabschiedet. Eigentlich. Doch jetzt ist er wieder eingestiegen. Bei den Kommunalwahlen im Frühjahr kandidierte der selbstständige Heizungsbau- und Sanitärmeister auf der Liste der Freien Bürgerschaft Wasserburg und wurde erwartungsgemäß in den Gemeinderat gewählt.

Was bewog ihn, sich erneut in diesem Gremium zu engagieren, dem er schon einmal – vor der zehnjährigen Pause – etwa anderthalb Amtsperioden lang angehört hatte? Werner Göser sah eine gewisse Notwendigkeit, seine Erfahrung und sein Wissen wieder einzubringen. Er verweist darauf, dass er nicht kandidiert hätte, wenn in Wasserburg alles super wäre. Aber: „Es ist in den letzten Jahren viel in die falsche Richtung gelaufen“, sagt er und spricht vor allem die Vorgänge rund um die Seekrone an.

Der 51-jährige Unternehmer schüttelt den Kopf darüber, dass die Gemeinde dieses zentrale Gebäude auf der Halbinsel auf Jahrzehnte hinaus in Erbpacht an einen Investor vergeben hat und dem früheren Pächter einen Schadensersatz von 2,8 Millionen Euro zahlen muss. Das ärgere ihn als alteingesessenen Wasserburger.

„Für unser Dorf ist es irrsinnig schade, dass so viel schiefgelaufen ist“, sagt er und fügt hinzu: „Es gibt zu wenig Kommunalpolitiker, bei denen das Herz für Wasserburg schlägt.“

Nun gelte es, die Gemeinde wieder „in die richtige Richtung zu manövrieren“. Dazu will er beitragen – im Gemeinderat insgesamt sowie als Mitglied im Bauausschuss und im Tourismusausschuss. Motivierend sei für ihn, dass er mit seiner Haltung nicht alleine dasteht. „Es gibt ein paar Leute, die in die gleiche Richtung gehen und an einem Strang ziehen.“ So hätten vor der Wahl die vier ehemaligen Gemeinderäte Thomas Baumgartner, Philipp Kritzler, Armin Mesmer und er selbst überlegt, wieder auf der Liste der Freien Bürgerschaft zu kandidieren. Alle vier wurden nun gewählt.

Aufgaben sieht Werner Göser genug. Zuvorderst nennt er die Aufarbeitung des Themas „Seekrone“ sowie die anstehende Halbinselsanierung. Darüber hinaus bestehe Handlungsbedarf in vielen Bereichen, beispielsweise im Gebäudeunterhalt, in Kanälen, Straßen und Uferanlagen. „Wir können die Zukunft nur gestalten, wenn wir in die Zukunft investieren“, erklärt Göser. Gerade jetzt in der Corona-Krise müsse die Gemeinde dies beherzigen und dürfe nicht vergessen, „dass wir in einer der schönsten Regionen Deutschlands leben“. Ein Punkt bereitet ihm allerdings Sorgen: Viele Rücklagen, die die Gemeinde in den vergangenen Jahren angespart habe, seien aufgelöst. „Das hat uns um Jahre zurückgeworfen“, sagt er.

Wenn er gefragt wird, was er sich als Gemeinderat wünscht, dann fallen ihm zwei Punkte ein. Zum einen hofft er, dass die Halbinselsanierung eine Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität für die Bürger und Gäste bewirkt. Zum anderen ist ihm die regionale Wertschöpfungskette wichtig, beim Kauf von Lebensmitteln ebenso wie bei der Vergabe von kommunalen Aufträgen. Denn das Geld, das innerhalb der Gemeinde ausgegeben und investiert wird, stärke die Gemeinde selbst. Dies gelte im Kleinen wie im Großen. „Den Gemeinden, die das verstanden haben, geht es gut.“

Werner Göser ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und beschäftigt in seinem Unternehmen 18 Mitarbeiter. Als Ausgleich zu seinen beruflichen und nun auch kommunalpolitischen Verpflichtungen treibt er Sport. Und im Sommer ist er gerne mit dem Boot auf dem See unterwegs.

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