„Die Zeiten von mausgrauen Betonbunkern sind vorbei“

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Einen überdimensionalen Schlüssel aus Zopfbrot überreicht der Vorarlberger Architekt Jürgen Hagspiel (von links) dem Zweckverban (Foto: Christian Flemming)
Schwäbische Zeitung
Sandra Philipp

Seit einem guten halben Jahr geben sie dem Wasserburger Ortsteil mit ihrer auffälligen Fassadengestaltung ein neues Gesicht: die beiden neu gebauten seniorengerechten Häuser. Entstanden sind in dem zertifizierten Passivhaus 26 Wohnungen, eine Kinderkrippe und eine Tagespflege, in der die älteren Bürger der drei Zweckverbandsgemeinden Bodolz, Nonnenhorn und Wasserburg gemeinsame Stunden verbringen.

Gestern, gut ein Vierteljahr nachdem die ersten Bewohner in die neuen Häuser eingezogen sind, feierte der Zweckverband Seniorenheim Hege das offizielle Einweihungsfest. Unumwunden gab die Zweckverbandsvorsitzende Ursula Sauter, zu: „Ich habe persönlich viel gelernt.“ Schließlich hatte Sauter in einer wichtigen Phase – nämlich erst kurz vor Beginn der Bauarbeiten –, den Verbandsvorsitz von ihrem Vorgänger Thomas Eigstler übernommen.

Der habe Ende 2010 „völlig unerwartet und viel zu früh den Zweckverband verlassen und sich ins Oberallgäu abgesetzt“, formulierte Sauter trocken und entlockte dem Publikum ein herzhaftes Lachen. Auch der anwesende Thomas Eigstler, heute Bürgermeister in Wiggensbach, konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Sauter lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Kreiswohnungsbaugesellschaft GKWG, dem Bauleiter Frank Heuberger, dem Geschäftsführer des Seniorenheims Hege, Christoph Brinz, der immer wieder Prellbock zwischen allen Beteiligten spielen musste, und dem Vorarlberger Architekten Jürgen Hagspiel: „Ich weiß jetzt, dass die Bauvorschriften was den Brandschutz und die Statik im vereinten Europa angeht zwischen Österreich und der Bundesrepublik Deutschland so unterschiedliche Standards aufweisen, dass man beinahe glaubt, der Schnee sei in Vorarlberg leichter, und das Feuer dort weniger aggressiv.“

Nicht allein der Zweckverband betrat mit dem Bau von zertifizierten Passivhäusern mit einwandfreiem ökologischen Standard Neuland – auch die ausführenden Kräfte: Bauleiter Frank Heuberger und die am Bau beteiligten Handwerker. „Es war nicht immer leicht, aber wir haben an dieser Stelle ein Objekt mit Vorbildcharakter geschaffen“, lobte Architekt Hagspiel. „Sie haben zukunftsweisend mit Vorbildcharakter gebaut“, lobte auch der Vertreter der GKWG, Thomas Blei. „Es freut mich, dass wir den Kostenrahmen von 5,5 Millionen Euro eingehalten haben und dass ein Großteil der Aufträge an Firmen aus der Region vergeben worden ist.“

Jung und Alt vereint

Die neuen Häuser sollten Begegnungen Raum geben: Das Konzept ist aufgegangen, das lässt sich bereits ein Vierteljahr nach dem Bezug spüren: Die Kinder der im Haus ebenfalls entstandenen Kinderkrippe „Bärchenstube“ leisten hin und wieder den Bewohnern des Seniorenheims Gesellschaft, die Hausbewohner genießen mit ihren Besuchern regelmäßig das Mittagessen in der Cafeteria und die Gäste der Tagespflege erfreuen sich am abwechslungsreichen Programm, das sie täglich in Hege geboten bekommen.

In bewährter Manier spendeten die beiden Pfarrer Christian Riewald und Martin Steiner dem Haus ihren Segen. Sich wie immer perfekt ergänzend waren die beiden Geistlichen gekommen, um „aus einem passiven Haus ein aktives zu machen“, wie Martin Steiner es treffend formulierte. Damit Gott seine schützende Hand über die neuen Häuser halten möge, brachten sie in den Räumen der Tagespflege und in denen der Kinderkrippe geweihte Kreuze an.

Übrigens leuchtet das Kreuz, das die in der Kinderkrippe hängt, mindestens genauso farbenfroh, wie die Fassade der beiden Neubauten. Und weil die grüne und orangefarbene Verschalung der Häuser im Bauverlauf für kontroverse Diskussionen gesorgt hatte, formulierte Architekt Jürgen Hagspiel mit einem Augenzwinkern: „Die Zeiten, in denen die ältere Generation ihren Lebensabend in mausgrauen Betonbunkern verbringt, sind inzwischen vorbei.“

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