Breites Spektrum zeitgenössischer Aquarellmalerei

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 Die Künstler (von links) Felix Haspel, Bernd Steinlein und Norbert Leo Müller vor einem zeitgenössischen Aquarell.
Die Künstler (von links) Felix Haspel, Bernd Steinlein und Norbert Leo Müller vor einem zeitgenössischen Aquarell. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Viermal Aquarell und das in recht unterschiedlichen Ausführungen zeigen Detlef Fellrath, Felix Haspel, Norbert Leo Müller und Bernd Steinlein in der Reihe „Vier Räume, vier Künstler“. Rein naturalistisch, so wie in Aquarellen von einst, gibt sich keines der gezeigten Werke. Höchstens in Gestalt von einzelnen Skizzen, entstanden auf Spaziergängen. Der Fokus liegt auf „Aquarell, zeitgenössisch“. So der Titel der am Freitag im Wasserburger Kunstbahnhof (KuBa) eröffneten Ausstellung.

Manch einer assoziiert beim Wort Aquarell idyllisch ineinander fließende Landschaftsausblicke. In dieser Region vorzugsweise rund um den Bodensee. Weder der aus Wien angereiste Felix Haspel noch der in Röns in Vorarlberg lebende Norbert Leo Müller kommen dieser Vorstellung nahe. In den Räumen des Wasserburgers Bernd Steinlein und des Tettnangers Detlef Fellrath sind vereinzelt solche Motive zu finden. Vera Noé vom Wasserburger Kunstverein ging in ihrer Einführung auf die Geschichte der Aquarellmalerei ein. Bis in die Höhlenmalerei reiche sie zurück, wo Menschen Holzkohle und Hämatit in Wasser oder Fett lösten und einfachste Pinsel zum Farbauftrag benutzten. Aus Ägypten und Asien auf Papyrus und mit wasserlöslicher Tusche sei die Technik überliefert. So wie wir sie heute kennen, haben sie Albrecht Dürer oder Rembrandt van Rijn gefördert. Mit William Turner fand sie weite Anerkennung bis hinein in unsere Zeit.

Das beleuchten die Werke der vier Künstler, mit denen Christa Hagel anschließend ein Gespräch führte. Über Fellraths frühe, aus seiner Studentenzeit stammenden „Rembrandt-Porträts“, die er aus dem Gedächtnis gemalt habe. So wie der niederländische Meister einst in seinen Gemälden keine Umrisse verwendete und alles Figurative aus der Dunkelheit auftauche, erläuterte Fellrath, so scheinen seine nachempfundenen Porträts aus den sie umgebenden Farbflecken heraus.

Genialer Fleck

Apropos Fleck, der sich auf einem großen Format in Gestalt eines gelbtonigen Gebildes ausbreitet: Oberhalb die gezeichnete Figur eines Dirigenten, seitlich Landschaftsskizzen. Der Fleck sei ein Grundelement der Kunstgeschichte. Er müsse nicht weg, sondern sei vielmehr genial.

Einen Raum weiter präsentiert der gebürtige Hohenemser Norbert Leo Müller seine Pflanzen-Aquarelle. Vorzugsweise in winterlicher Atmosphäre, indem er papierne Weißflächen stehen lässt. Diese kombiniert er mit Landschaftlichem, dessen farbig leuchtenden Flächen wie Puzzleteilchen wirken und sich im Betrachterauge zu einem Ganzen fügen. Das ist das Frappierende an seinen Bildern. „Das Schauen ist das Wesentliche und eine Verbindung zu den Dingen herzustellen. Das schafft Lebendiges“, äußerte er sich zu seinem Werk. Die Abstraktion sei in der Natur vorgegeben. Die Linien, man müsse sie nur entdecken. So entfalten die scharfen Kontraste ein optisches Wechselspiel zwischen Abstraktion und Figuration.

Frische Fische....

Ganz anders ist Steinleins Vorgehensweise. Er ist eng mit dem Bodensee verbunden, dennoch sind seine „Fische“ keine bloßen Abbilder. Eher Bilderfindungen, die sich als „Frischfischabdruck“ betiteln lassen. Forellen, Hechte, Barsche und Felchen beim Fischhändler gekauft, mit Farbe angestrichen und auf Papier gedruckt. Aufgrund der Körperwölbungen entstehen keine vollständigen Abdrücke. Das macht den haptischen Reiz aus, wenn bei näherer Betrachtung die schuppigen Häute der in wasserblauen Farbräumen platzierten Fische durchschimmern.

Viel Aufmerksamkeit zollten Besucherinnen und Besucher Felix Haspels überdimensionalen Aquarellen. Sie strahlen hinter ihren verglasten Rahmungen einen hochästhetischen Eindruck aus. An der Wiener Akademie der Bildenden Künste bekleidete der Maler, Bildhauer und Tapisserie-Weber über 25 Jahre eine Professur für Textilkunst. Seit den 1980er-Jahren unternimmt er ausgedehnte Reisen in die Wüstenzonen Nordafrikas. Sich der Konfrontation mit der lebensfeindlichen Umgebung auszuliefern und mit den unbezwingbaren Elementen in einen Dialog zu treten. Daher rühren seine in changierenden Braun-, Blau- und Gelbtönen gehaltenen, teils von tiefem Schwarz durchzogenen Assoziationen an dort Erlebtes. Die Weite und die Unendlichkeit spiegeln sich darin als innerlich Gefühltes wider. Dem stellt er eine Auswahl an Skulpturen an die Seite, bestehend aus Artefakten, Textil und Farbe. „Die Melodie in der Landschaft“ zu erfassen, darum gehe es ihm beim Bereisen der Wüste. Das sei so wie beim Blick über den Bodensee.

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