Bodo wirbt im Kreis Lindau mit Roadshow für Vorteile des Verkehrsverbunds

Lesedauer: 7 Min

Sie sind überzeugt von den Vorteilen des Bodo-Verkehrsverbunds für die Menschen im Kreis Lindau: (von links) Landkreis-Verkehrs
Sie sind überzeugt von den Vorteilen des Bodo-Verkehrsverbunds für die Menschen im Kreis Lindau: (von links) Landkreis-Verkehrsexperte Eduard Stützle, RBA-Betriebsleiter Hans Klose, Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler und Bürgermeister Thomas Kl (Foto: Evi Eck-Gedler)

Der gelb-bunte Bus mitten auf dem Lindenplatz zieht die Blicke auf sich: Vertreter von Bodo, Landratsamt und Gemeinde wollen an diesem Vormittag in Wasserburg für den Verkehrsverbund werben, zu dem seit Jahresbeginn auch der Landkreis Lindau gehört. „Und der Start war gut“, davon ist Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler überzeugt. Er verweist auf die Vorteile, die etwa Berufspendler und Schüler vom Bodo haben. Doch nicht jeder Besucher des Info-Stands ist zufrieden, wie Löffler hautnah zu hören bekommt: Da die Bahncard im Verkehrsverbund nicht gilt, sind Einzelfahrten teilweise deutlich teurer geworden.

Wenn sich der Bodo-Geschäftsführer an die jahrelangen Vorarbeiten für diesen Bodo-Beitritt erinnert, dann muss er schon mal durchatmen. Denn im Frühjahr 2005 habe es die ersten Gespräche dazu gegeben. Vor allem das wiederholte Nein der Bahn habe den Beitritt verzögert. „Da musste man schon Ultramarathonläufer sein, um das durchzustehen“, stellt Löffler fest. Und ist froh, dass heute der Kreis Lindau als „Brückenkopf nach Vorarlberg“ zum Bodo-Verkehrsverbund gehört.

Wasserburgs Bürgermeister Thomas Kleinschmidt ist an diesem Vormittag über den Bodo-Beitritt des Landkreises genauso glücklich wie über die neue Gästekarte, die Echt-Bodensee-Card: Beides zusammen komme bei den Urlaubern in seiner Gemeinde sehr gut an, betont Kleinschmidt. Das bestätigt auch Marika Kasper, die Wasserburgs Tourismusbüro leitet: „Die Gäste freuen sich, dass Bahn und Bus für sie kostenlos ist, und sie nutzen dieses Angebot gerne.“

Bei den Einheimischen ist die Resonanz eher zweigeteilt: Sie nutzen zwar die recht guten Zugverbindungen vom Wasserburger Bahnhof aus in Richtung Lindau und Friedrichshafen. Doch mit der Regionalbuslinie 21 fahren die wenigsten. Weshalb auch die Gemeinde ihren Zuschuss zu dieser RBA-Linie gestrichen hat – mit der Konsequenz, dass es seit Monaten nur noch einen stark ausgedünnten Fahrplan gibt. Den derzeit allein der Landkreis mit jährlich 55 000 Euro Defizitausgleich finanziert.

„Mobilitätsgewohnheiten kann man nicht so leicht ändern“, das ist Löffler durchaus bewusst: „Das ist kein Sprint, das ist eine Langstrecke.“. Deswegen gehe das Bodo-Team bewusst auf Info-Tour, will die Menschen von den Vorteilen des Bodo überzeugen. Und davon gibt es nach Ansicht des Bodo-Geschäftsführers viele.

September-Schülerkarte gilt in den Sommerferien

Löffler verweist auf die Jahres-Abos für Berufspendler: Die sind nach seinen Worten im Verkehrsverbund günstiger als zuvor, weil alle Verkehrsmittel integriert sind. Profitieren vom Bodo-Beitritt würden auch Jugendliche aus dem Kreis Lindau: Deren Schülermonatskarten gelten nach 13.30 Uhr und in den Ferien im gesamten Gebiet des Verkehrsverbunds. „Da können die Jugendlichen mit ihrer Stadtbusmonatskarte auch nach Friedrichshafen oder Ravensburg fahren“, merkt Bodo-Pressesprecherin Anne Hackert an. Und der Kreis Lindau will dafür nach Aussage seines Nahverkehrsexperten Eduard Stützle dafür sorgen, dass alle Burschen und Mädchen, die per Bus zur Schule fahren, in diesem Jahr erstmals ihre Monatskarte für September schon kurz vor den Sommerferien Ende Juli erhalten: Die gibt ihnen dann auch im August freie Fahrt mit Bus und Bahn im gesamten Bodo-Bereich.

Auf dem Lindenplatz sind es an diesem Vormittag vor allem Urlauber und ältere Wasserburger, die sich vom bunten RBA-Bus im Bodo-Design anlocken lassen. Für die Senioren sei das Abo-mobil 63 eine günstige Art, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, sagen die Bodo-Vertreter: Für monatlich 44,40 Euro könnten die Älteren einkaufen fahren, Freunde besuchen oder Ausflüge unternehmen. Die Nachfrage nach dieser Karte steige auch im Kreis Lindau, weiß Hackert.

Zahlen zum Interesse der Landkreisbewohner am Verkehrsverbund haben die Bodo-Vertreter bisher jedoch nur wenige. So weiß Hackert, dass im Bereich von RBA und Stadtbus Lindau etwa 2000 Berufspendler mit einer Bodo-Monatskarte unterwegs sind. Von den knapp 8300 E-Cards im Bodo-Verbandsgebiet, die bargeldlose Einzelfahrten erlauben, sind nach ihren Worten etwa 500 von Bewohnern aus dem Kreis Lindau beantragt worden.

Kurze Strecken im Zug deutlich teurer

Das sind oft Menschen, die bisher vergünstigt mit einer Bahncard gefahren sind. So wie die ältere Wasserburgerin, die für die Zugfahrt nach Enzisweiler bis Ende Dezember nur 75 Cent bezahlte. Jetzt kostet sie die Fahrkarte 2,20 Euro. Löffler rät ihr, die Bahncard zu kündigen, wenn sie diese nur für Kurzstrecken genutzt habe. Stattdessen solle sie sich die E-Card holen: Damit kosten kurze Zugfahrten im Kreis Lindau in diesem Jahr 30 Prozent weniger.

Während sich etliche Besucher des Bodo-Stands in Wasserburg Broschüren zu Senioren-Abos und anderen Angeboten holen, kann Löffler diese Frau nicht überzeugen: Für die gut 1,50 Euro, die heute eine Bodo-Einzelfahrt mit Rabatt kostet, ist sie früher mit dem Zug per Bahncard hin und zurück gefahren. „Für manche bringt der Verkehrsverbund auch Nachteile“, dessen ist sich der Bodo-Geschäftsführer bewusst. Trotzdem will er weiter von den Vorteilen des öffentlichen Nahverkehrs überzeugen. Auch wenn das ein weiteres Marathonprojekt ist.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen