Bischof Bertram Meier trägt sich in Wasserburgs Goldenes Buch ein

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Bürgermeister Harald Voigt freut sich, dass Bischof Bertram Meier die erste Persönlichkeit seit Langem ist, die sich in das Gold
Bürgermeister Harald Voigt freut sich, dass Bischof Bertram Meier die erste Persönlichkeit seit Langem ist, die sich in das Goldene Buch der Gemeinde Wasserburg einträgt. (Foto: isabel de placido)
Isabel de Placido

Solch hohen Besuch hat die Gemeinde Wasserburg nicht alle Tage. Bürgermeister Harald Voigt begrüßte am Freitag Bischof Bertram Meier in seiner Amtsstube zum persönlichen Gespräch. Darüber hinaus trug sich der Bischof ins Goldene Buch der Gemeinde ein. Der katholische Theologe, der 1960 in Buchloe geboren ist, hat erst im Juni dieses Jahres seine Bischofweihe erhalten. Somit war sein Besuch der erste offizielle in der Region.

„Ich kenne Bischof Bertram Meier schon seit über 20 Jahren“, erzählt Bürgermeister Harald Voigt der LZ und verrät, „ich habe ihn im Heiligen Jahr in Rom kennengelernt“. Damals war Voigt als Musiker beim Allgäu-Schwäbischen-Musikbund in der ewigen Stadt gewesen und hatte im Rahmen eines Auftritts Gelegenheit gehabt mit dem Geistlichen zu sprechen. Das war damals zu der Zeit, als Bertram Meier noch als als Leiter der deutschsprachigen Abteilung im vatikanischen Staatssekretariat von Papst Johannes Paul II. gearbeitet hatte, wie der Bischof später ergänzt. Seither wären sie sich, so erzählt der Bürgermeister weiter, immer wieder bei diversen offiziellen Terminen, aber auch privat begegnet. „Jetzt will ich ein guter Gastgeber sein und ihn begrüßen.“ Dafür hat der Bürgermeister eine kleine Aufmerksamkeit in Form von typischen Bodenseespezialitäten vorbereitet und das Goldene Buch der Gemeinde aus der Versenkung gehoben. Aufgeschlagen liegt es bereit für den Bischof. Ortsheimatpfleger Fridolin Altweck hat die Seite mit einem Wappen kunstvoll verziert und kalligraphisch vorbereitet.

Über solch nette Aufmerksamkeiten freut sich der Bischof sehr. Mit ein bisschen Verspätung betritt er das Bürgermeisterzimmer im Wasserburger Rathaus und blättert interessiert im Goldenen Buch, das nicht golden, sondern blau und eher bescheiden ist. „Da ist in den letzten Jahren nicht viel passiert“, entschuldigt Harald Voigt schulterzuckend die fehlenden Eintragungen. Doch das stört den Bischof nicht. Er entdeckt unterdessen den ein oder anderen kirchlichen Würdenträger, den er kennt. Wie etwa Bischof Viktor Josef Dammertz, der sein Vor-Vor-Vorgänger in Augsburg war und erst in diesem Jahr verstorben ist. „Diese Mitra“, sagt er und zeigt auf das Foto, habe er selbst in Benutzung, „weil wir die gleiche Kopfgröße haben“. Nachdem er Schriftsteller Martin Walser, Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Landespräsident Franz Heubl überblättert hat, trägt auch er sich mit einer ganz persönlichen Widmung ein: „Heute ist ein doppelter Anlass für meinen Besuch: Die Einführung des neuen Dekans Ralph Gührer und das Gedenken an Pfr. i. R. Dr. Johannes Netzer, der am 3. 4. 2020 an Corona verstorben ist. Gott segne die Kommune mit seinem Bürgermeister.“

Während die Amtseinführung des neuen Dekans am Vormittag gewesen war, findet das Requiem für den verstorbenen Ruhestandspfarrer am Nachmittag statt. Gleichzeitig ist Bischof Bertram Meiers Besuch in Wasserburg auch sein erster offizieller in der Region als Bischof. Und das, obwohl er bereits im Januar von Papst Franziskus ernannt wurde. Allerdings, so erzählt er, musste dann die offizielle Bischofsweihe wegen Corona erst einmal von März auf Juni verschoben werden. „Ich bin in Deutschland der einzige Bischof, der in Corona-Zeiten ernannt worden ist.“ Dass sich alles so hingezogen habe, sei ebenfalls eine Sondersituation gewesen. Zwar habe er in der Interimszeit die gleichen Rechte und Befugnisse gehabt wie ein geweihter Bischof, „aber ich habe mich zurückgehalten“.

„Aber ich kenn mich schon ein bisserl aus hier.“ Wasserburg von offiziellen Anlässen und Lindau aus seiner Kindheit. Vor zwölf, 13 Jahren habe er als Domkapitular in Wasserburg und im ganzen Lindauer Gebiet gefirmt. Übernachtet habe er damals „in dem schönen Pfarrhaus“. „Wunderschön“, bekräftigt er und erzählt, dass er schon als Kind, mit seinen Großeltern immer wieder in Lindau Urlaub gemacht habe. „Da waren wir untergebracht im Hotel Goldenes Lamm.“ „Das ist da, wo der liebe Augustin auf den Tischen getanzt hat“, ergänzt Pfarrer Ralph Gührer schmunzelnd und stellt so wieder den Bezug zu Wasserburg her.

Die Journalistin will indessen wissen, welche Auswirkungen Corona auf die Kirche habe. „Ich glaube, dass Corona für uns ein echtes Zeichen der Zeit ist“, antwortet der Bischof. Und zwar insofern als dass während der Pandemie viele kreative Köpfe aufgetreten seien, die viele vergessene Dinge wieder ans Tageslicht gebracht hätten. So sei das Wort Gottes wieder wichtiger geworden und auch das, was man früher Hauskirchen genannt habe. In kleineren Kreisen sowie in den Familie habe man wieder angefangen zu beten und Gottesdienste, die gestreamt wurden, seien in die Häuser geholt worden. „Die Chance ist, dass in der sogenannten neuen Normalität nicht nur gesellschaftlich sondern auch kirchlich, alte, vergessene Dinge wieder ans Tageslicht gehoben werden.“ Und auch neue Feierformen. Gerade jetzt vor Weihnachten sei es relevant, zu überlegen das eine oder andere im Freien zu veranstalten. „Es muss nicht immer Messe sein.“ Die Kirchenvertreter sollten selbstbewusst genug sein, nicht um ihre Macht zu fürchten oder gar zu denken, „uns Pfarrer brauchts nicht mehr“. Vielmehr sollten sie sich freuen, bei den großen Sachen immer wieder gefordert zu sein, während es gleichzeitig auch viele Formen gebe, wo auch Laien aktiv werden könnten. „Das ist für mich eine Riesenchance für die Kirchen zu entdecken: Wenn wir lebensrelevant bleiben wollen, dann haben wir nicht nur ein Erbe der Vergangenheit weiter zu geben, sondern wir müssen das Evangelium ins Leben der Menschen hineinsprechen und hineinleben.“

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