„Wir wollen die Plätze nicht den Falschen überlassen“

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Isabel Kubeth de Placido

Der Kreisverband Lindau Bündnis90/Die Grünen will in Sigmarszell eine Ortsgruppe gründen und eine Liste für die Kommunalwahl aufstellen. Ziel ist es, im Sigmarszeller Gemeinderat vertreten zu sein. Auf einem Infoabend berichtete der Kreisverband mit Unterstützung des Landtagsabgeordneten Thomas Gehring rund 20 interessierten Mitgliedern aus dem ganzen Landkreis von seinen Plänen.

Initiatorin ist Christiane Thiesen. Die Kreisrätin war es, die die Idee hatte, eine Ortsgruppe der Bündnis90/Die Grünen in Sigmarszell zu gründen, mit dem Ziel, dass es nach der nächsten Kommunalwahl auch Mitglieder dieser Partei im Sigmarszeller Gemeinderat geben soll.

Denn, so erklärte sie den rund 20 Zuhörern, darunter zahlreiche Mitglieder des Lindauer Kreisverbands sowie Vertreter der erst kürzlich gegründeten „Grünen Jugend“, die Grünen stünden zwar auf Bundesebene gut da, aber in den Sigmarszeller Gemeinderat könnten sie nicht gewählt werden. Dabei wäre es für die Sigmarszeller Bürger sicherlich auch interessant, so argumentierte Thiesen, wenn sie die Möglichkeit hätten, Grün zu wählen. Und außerdem: „Wir wollen die Plätze nicht den Falschen überlassen“, betonte sie und nahm damit Bezug auf die gemeindepolitischen Ambitionen der AfD in der Region.

Rückendeckung bekam Thiesen von Thomas Gehring. Was das AfD-Thema anbelangt, meinte der Landtagsabgeordnete: „Ich hätte nie gedacht, dass wir wieder so um unsere liberale Politik kämpfen müssen.“ Angesichts des Einzugs der AfD ins Bundesparlament und in den Landtag verschiedener Bundesländer, darunter auch Bayern, ist Gehring überzeugt davon, dass es gelte, das Thema Demokratie verstärkt ins Zentrum zu rücken. „Demokratie beginnt in den Kommunen.“ Von daher ermunterte er alle Interessierten, sich in die Kommunalpolitik einzubringen und aufstellen zu lassen. Auch die Jugend, der er ein Gespür dafür attestierte, wenn es Zeit werde neue Wege zu gehen. Seien es doch vor 40 Jahren die Jungen gewesen, die Die Grünen gegründet haben. „Man hat uns oft totgesagt, aber heute sind wir in der Mitte der Gesellschaft.“ Ein Zeichen dafür, dass das Urthema der Grünen, der Umweltschutz, angekommen sei. Wobei es mittlerweile nicht mehr darum ginge, den Klimawandel zu stoppen, sondern ihn wenigstens zu drosseln. Dafür bräuchte es „politisches Handeln auf allen Ebenen“. Und eben auch auf der kommunalen, weshalb Gehring betonte, wie wichtig die Kommunalwahl sei. „Einzige Voraussetzungen sind, dass man 18 Jahre alt und Bürger dieses Landes ist“, sagte er und sollte im Laufe des Abends denjenigen, die daran denken anzutreten, von seinen Erfahrungen aus den verschiedenen Ebenen der Politik berichten.

Gleiches tat auch Georg Lindl, der als Gemeinderat in Heimenkirch und als Kreisrat von seiner Arbeit berichtete, um eventuelle Kandidaten für das politische Engagement zu ermuntern.

Sollte der Abend lediglich der Information und der Datenerhebung von Interessierten dienen, die sich vorstellen können, eine Liste für den Sigmarszeller Gemeinderat zu bilden, so plant Christiane Thiesen die formelle Gründungsversammlung der Ortsgruppe für etwa Mitte November. Ab etwa Ende November will sie dann eine Liste für die Wahl einreichen.

Theoretisch bräuchten Bündnis90/Die Grünen in Sigmarszell mindestens drei Leute. „Theoretisch könnte ich aus dem Pool der Mitglieder eine Ortsgruppe gründen“, sagte sie der LZ und erklärte, dass sie selbst für den Gemeinderat kandidieren wolle ebenso wie sie sich wieder für den Kreistag zur Verfügung stelle.

Bestrebungen, Listen zu bilden, gibt es auch in anderen Gemeinden des Landkreises. So soll laut Petra Balke-Besser, Beisitzerin im Kreisverband, in Scheidegg eine grüne offene Liste gegründet werden. „Im Entstehen“ seien, so sagte Kreissprecher und Kreisrat Christian Schabronath, Listen für Röthenbach, Heimenkirch und Lindenberg. Zudem gebe es in Weiler-Simmerberg bereits Gespräche mit der ÖDP wegen der eventuellen Gründung einer gemeinsamen Liste.

Noch sind Listenplätze frei

Neben der Gemeindepolitik geht es der Partei aber auch um eine möglichst gute Präsenz im Kreistag. Für die Kreistagswahl seien noch Listenplätze frei, betonte der Kreissprecher und wies darauf hin: „Man muss kein Grünen-Mitglied sein, um sich aufstellen zu lassen.“ Zudem erklärte er, dass Bündnis90/Die Grünen aktuell mit zehn Kreisräten die zweitgrößte Fraktion im Kreistag sei und in Zukunft noch mehr Kreisräte stellen wolle.

Eine entsprechende Veranstaltung sei daher für den 3. November geplant, kündigte er an, in Gemeinden, in denen es noch keine Ortsgruppen gibt, solche zu gründen. Zudem sei es doch auch für die Sigmarszeller Wähler interessant, wenn auch in Sigmarszell grün gewählt werden könne.

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