Vom „Heißen Draht“ zur Kranfahrt

Lesedauer: 6 Min
Sind am Tag der offenen Tür sehr gefragt: die von der EGS gebotenen Kranfahrten.
Sind am Tag der offenen Tür sehr gefragt: die von der EGS gebotenen Kranfahrten. (Foto: Maria Luise Stübner)
Maria Luise Stübner

Auf dem Betriebsgelände der Elektrizitätsgenossenschaft Schlachters (EGS) haben sich am Wochenende beim Tag der offenen Tür die Besucher die Klinke in die Hand gegeben. Wurde hier doch das 100-jährige Bestehen gefeiert, und zu diesem Anlass bot die Genossenschaft ein rundes Programm für Groß und Klein.

In der Fahrzeughalle versucht der siebenjährige Ludwig Breyer die an einem Stab befestigte Öse entlang des „Heißen Drahts“ zu führen. Ohne ihn zu berühren, denn sonst zeigt eine Glocke den Fehler an und das Spiel ist beendet. Mutter Stephanie schaut zu und freut sich, dass Ludwig die Geschicklichkeitsübung fehlerfrei beendet. Luis Pichler (acht Jahre) und Markus Wilhelm (sieben Jahre) wechseln sich derweil am Hometrainer ab. Je schneller sie treten, desto heller leuchten die Glühbirnen am Lenker. Die neunjährige Anna Fuhge steht mit ihrem Papa Jürgen am 20 kV-Leistungsschalter. Erst hat sie wie wild gekurbelt. Dann legt der Papa den Schalter um – und sie hält sich die Ohren zu. Denn das gibt schon einen ordentlichen Knall und einen Lichtblitz dazu. Jürgen Fuhge ist Monteur bei der EGS, und Anna meint, das wäre schon eine coole Arbeit. „Aber auch gefährlich“ , sagt sie. „Weil da so viel Strom drauf ist.“

Wie Masten an Freileitungen be- stiegen werden, führt der mit einem Sicherheitsgeschirr ausgerüstete Albert Gapp vor. Auch draußen auf dem Betriebsgelände ist viel los. Regen Zuspruch finden die Kranfahrten, wo sich Schlachters aus luftiger Höhe betrachten lässt. Das Elektroauto stößt ebenfalls auf viel Interesse. Hier sammeln sich immer wieder Grüppchen, auch Sigmarszells Bürgermeister Jörg Agthe wirft ein Auge auf das Fahrzeug. Im Festzelt ist Gelegenheit, Hunger und Durst zu stillen und das höchst stimmungsvoll begleitet von den Musikkapellen Sigmarszell, Hergensweiler und Bösenreutin. Die Gäste sind mit dem symbolischen Preis von jeweils einem Euro dabei, den Rest legt die EGS drauf. Und der Erlös wandert in eine soziale Einrichtung im Versorgungsgebiet, erklärt Vorstandsvorsitzender Rudolf Guggemos. Er freut sich über die große Resonanz und lobt die Mitarbeiter, die zum Gelingen des Festes viel beigetragen hätten.

Diese sind auch Ansprechpartner, wenn die Besucher irgendetwas erklärt wissen wollen. Aus dem Versorgungsgebiet der EGS sind an diesem Tag viele bekannte Gesichter zu sehen: Bürgermeister, Gemeinderäte und auch Wilhelm Locher, langjähriger Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Sigmarszell. Die VG ist begleitend dabei, wenn die drei Mitgliedsgemeinden Hergensweiler, Sigmarszell und Weißensberg Konzessionsverträge mit der EGS abschließen, wenn Straßenbauarbeiten mit Erdkabelverlegung anstehen oder es um die Erneuerung oder Instandhaltung der Straßenbeleuchtung geht. Und normaler Stromkunde sei die VG natürlich auch, so Locher.

EGS hat Stromnetz kontinuierlich ausgebaut

Gegründet wurde die EGS im Jahre 1918 von 39 Mitgliedern unter der Versammlungsleitung von Pfarrer Anton Bertle. Die Netzführung erfolgte über eine Hauptleitung von Hergensweiler nach Schlachters, ausgelegt als Freileitung mit einem 35 Quadratmillimeter-Stahlseil auf Holzmasten. Kam man damals noch mit acht Stationen aus, sind es heute 68 Stationen im eigenen 20 kV-Netz. Geführt wird der Strom über 50 Kilometer Freileitungen und 173 Kilometer erdverlegtes Kabel. Die EGS versorgt über 3500 Haushalte mit kernkraftfreiem Strom, ist Netzbetreiber und Lieferant für die Gemeinden Hergensweiler, Sigmarszell (außer Niederstaufen) und Weißensberg sowie Teile der Stadt Lindau. Zehn Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen, halten das Leitungsnetz instand, sorgen für den Ausbau. Für Energieberatung und Telekommunikation ist die Tochtergesellschaft EGS Dienstleistungs-GmbH zuständig. „Die EGS ist sich ihrer Verantwortung für die Region bewusst“, heißt es in ihrer Firmenphilosophie. Sie schaffe moderne und sichere Arbeitsplätze vor Ort, vergebe Aufträge bevorzugt an Unternehmen aus der Region und übernehme Verantwortung für Umwelt- und Klimaschutz.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen