St.-Gallus-Kirche erstrahlt in neuem Glanz

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 Mit einem Dankgottesdienst feiert die Kirchengemeinde St. Gallus in Sigmarszell die Renovierung ihres Gotteshauses.
Mit einem Dankgottesdienst feiert die Kirchengemeinde St. Gallus in Sigmarszell die Renovierung ihres Gotteshauses. (Foto: Susi Donner)
sd und Susi Donner

Die Pfarrei St. Gallus hat ein weiteres Kapitel in die Geschichte ihrer Pfarrkirche gefügt: Nach knapp einem Jahr Bauzeit ist die Generalsanierung abgeschlossen. Das feierte die Gemeinde mit einem festlichen Dankgottesdienst.

Die Sanierung der St.-Gallus-Kirche sei lange überfällig gewesen, berichtet Kirchenpfleger Christian Kern. Der bauliche Zustand erforderte Handeln. Und auch die Finanzierbarkeit habe man dabei nicht außer Acht lassen dürfen. Schließlich seien die Baukosten in rasantem Tempo angestiegen. Die Planungs- und Finanzierungsphase lief seit 2014. Erschwerend sei gewesen, dass in dieser Zeit drei Pfarrer die Pfarrgemeinde betreut haben und auch in der Kirchenverwaltung wurde eine fast komplette Neubesetzung notwendig.

Die tüchtigen Handwerker ließen sich nicht aufhalten, berichtet Kern. So wurde knapp vor einem Jahr das Gerüst aufgestellt. Es folgte extremer Schneefall, trotzdem seien die Arbeiten nach Heilig Drei König gestartet. Die Zimmerei Haas befreite das Dach von einem halben Meter Schnee und zog ein zweites Dach als Witterungsschutz ein. Auch zwei Frühjahrsstürme im Februar und im März kamen hinzu. Der Kirchenpfleger betont, welch großes Vertrauen ihnen aus Augsburg entgegenschlug. Die Entscheider der Diözese genehmigten der kleinen Gemeinde Investition in Höhe von 850 000 Euro. Aus Kirchensteuermitteln selbst trägt die Diözese von den Sanierungskosten 602 000 Euro. Damit musste die Pfarrgemeinde Sigmarszell selbst 248 000 Euro schultern. Unterstützung bekam sie von der politischen Gemeinde. Diese beteiligte sich mit 85 000 Euro. Dafür dankte Kern Bürgermeister Jörg Aghte und den Gemeinderäten. Und auch Bürgermeister Jörg Agthe würdigte den Schulterschluss zwischen der politischen Gemeinde und den drei Pfarreien der Gemeinde Sigmarszell.

Die Restsumme von 163 000 Euro wird aus Rücklagen, Spenden und Zuschüssen finanziert. Der Spendenanteil ist auf 31 000 Euro budgetiert, der derzeitige Spendenstand betrage 18 166 Euro. „Ich sehe uns alle als stille Teilhaber unserer Pfarrkirche“, sagt Kern. Die Dorfkirche sei ein besonderes Stück Heimat, der kulturelle und optische Mittelpunkt der Gemeinde.

Der Turm im unteren Bereich stammt noch aus dem Mittelalter: „Welchen Schmerz haben unsere Vorfahren verspürt, als ihre schöne Kirche im 30-jährigen Krieg durch schwedische Soldaten zerstört wurde?“ fragte Kern. Danach musste der Pfarrgemeinde etwa 70 Jahre lang ein Provisorium genügen. Nach siebenjähriger Bauzeit wurde der Kirchenneubau 1717 vom Konstanzer Weihbischof Konrad Ferdinand feierlich eingeweiht.

Diözesanadministrator Bertram Meier würdigte als Vertreter aus Augsburg den Kirchenpatron St. Gallus, der im 6. Jahrhundert ein Holzkreuz in der Wildnis des heutigen St.Gallen aufstellte. Das Kreuz sei bis heute das Sinnbild des christlichen Glaubens. Architekt Andreas Pawle berichtet, dass ein Viertel der Sanierungskosten im Dachstuhl verschwunden sei, der sehr marode und kaputt war. Neben massivem Schädlingsbefall hätten sich die Holzverbindungen aufgelöst, und der Dachstuhl sich bereits nach außen geschoben. Zur Stabilisierung habe man nun eine Stahlkonstruktion in den Binderachsen eingebaut.

Dort wo der Turm in das Dach des Chors und des Langhauses einschneidet, wurden massive Wasserschäden saniert. Und auch marode Elektroinstallationen sind komplett erneuert worden. Ebenso die Fassade. Ebenfalls saniert wurde das Dach von außen und ein neuer Blitzschutz eingebaut. Parallel dazu stabilisierte der Putzrestaurator die Decke der Kirche und überarbeitete aufwändig viele Risse.

Das Tabernakel wurde nach oben versetzt und durch Schreiner und Kirchenmaler in Szene gesetzt. Während der Bauarbeiten entdeckte man historische Apostelbilder und alte Fassungen hinter dem Altar entdeckt. Diese wurden für eine künftige Restauration gesicherte und vorbereitet. An den Arbeiten waren mehr als 25 Firmen aus der Region beteiligt. Vier Ingenieurbüros haben sich um den Artenschutz, die Elektroinstallationen, die Statik und, mit Pawle-Architekten, um die Bauleitung gekümmert.

Andreas Pawle erwähnt bewundernd Pfarrer Anton, der sich enorm engagiert habe und „gefühlt Tag und Nacht“ auf der Baustelle gewesen sei: „Er hat Ideen und Wünsche eingebracht, viel Optimismus verbreitet und alle immer wieder motiviert.“ Kern dankte allen Helfern und versprach: „Wir werden bald eine Heizung haben. In diesem Sinne Gott sei Dank für die gelungene Sanierung.“

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