Sigmarszell will Verbrauch der Laternen erfassen

Die Gemeinde Sigmarszell will den Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung exakt erfassen.
Die Gemeinde Sigmarszell will den Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung exakt erfassen. (Foto: Ruth Eberhardt)
Ruth Eberhardt

Wieviel Strom verbraucht die Straßenbeleuchtung? Genau weiß dies die Gemeinde Sigmarszell nicht. Denn diese Werte werden bislang nicht gemessen, sondern kalkulatorisch berechnet. Das soll sich ändern: Die Gemeinde möchte geeichte Messstellen errichten. Damit verfolgt sie zwei Ziele. Zum einen soll der tatsächliche Stromverbrauch ermittelt und zum anderen eine diskriminierungsfreie Ausschreibung der Straßenbeleuchtung ermöglicht werden. An dieser Stelle aber steckt die Tücke im Detail: Um mehr Informationen einzuholen, hat der Gemeinderat das Thema Messstellen jetzt erstmal vertagt.

Bislang wird für die Berechnung des Stromverbrauchs der Straßenbeleuchtung im Bereich der Gemarkungen Sigmarszell und Bösenreutin, also im Vertragsgebiet der Elektrizitätsgenossenschaft Schlachters (EGS), eine pauschale Stundenzahl zugrunde gelegt. In die Berechnung des Preises fließen zum Teil der Haupt- und zum Teil der Nebentarif sowie die Leuchtmittelstärke ein. Allerdings werden dabei nach Angaben von Bürgermeister Jörg Agthe eine kürzere Leuchtdauer im Sommer und möglicherweise defekte Lampen nicht berücksichtigt.

Deshalb hat der Sigmarszeller Gemeinderat bereits im August 2020 beschlossen, geeichte Messstellen für die Straßenbeleuchtung in den Gemarkungen Sigmarszell und Bösenreutin einzurichten. Rund 17 700 Euro würde dies kosten. Damit könnte zwar der Stromverbrauch genau ermittelt werden, Zugang zu den Messstellen hätte aber weiterhin nur die EGS.

Deshalb landete das Thema jetzt erneut auf der Tagesordnung des Sigmarszeller Gemeinderats. Es ging nämlich um die Frage, ob die Messstellen aus den Trafo- beziehungsweise Messstationen herausverlagert werden sollen. Dies wäre doppelt so teuer und würde rund 40 000 Euro kosten. Es wäre aber notwendig, falls ein anderer Anbieter die Straßenbeleuchtung betreibt. Eine diskriminierungsfreie Ausschreibung, bei der alle Interessenten dieselben Chancen haben, wäre also nur dann möglich, wenn die Messeinrichtungen auch für Dritte zugänglich sind. Bürgermeister Agthe verwies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass zum Beispiel die Nachbargemeinde Weißensberg durch die Ausschreibung und Umstellung auf LED-Straßenlaternen deutliche Einsparungen beim Stromverbrauch erzielt habe.

In der Folge entspann sich in der Sigmarszeller Ratssitzung eine rege Diskussion: Was passiert, wenn die EGS die Ausschreibung gewinnen würde? Hätte sich in diesem Fall die Gemeinde das Herausverlagern der Messstellen sparen können? Wäre es möglich, die Messstationen erst nach der Ausschreibung auszulagern – je nachdem, welcher Anbieter den Zuschlag erhält? Was geschieht mit der Leitungsdokumentation – müsste ein neuer Anbieter sie der EGS abkaufen? Und überhaupt: Wie handhaben andere Gemeinden im Landkreis dieses Thema?

Schließlich beschloss das Gremium, das Thema „Messstellen für die Straßenbeleuchtung“ auf die nächste öffentliche Ratssitzung zu vertagen, damit bis dahin die offenen Fragen geklärt werden können.

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