Schea isch er gsi, der Westallgäutag

Lesedauer: 5 Min
Tragen mit Mundartlesungen zu einem stimmigen Westallgäutag bei (von links): Inge Wasmund (Lindau), Walther Schmid (Wangen), Ern
Tragen mit Mundartlesungen zu einem stimmigen Westallgäutag bei (von links): Inge Wasmund (Lindau), Walther Schmid (Wangen), Ernst Maurer (Niederstaufen) und German Bader (Hohenweiler). (Foto: Maria Luise Stübner)
Maria Luise Stübner

Voller Saal im Gasthof „Löwen“ in Niederstaufen. Der „Westallgäutag 2018“ hat rund 150 Besucher in das beschauliche Kirchdorf gelockt. Wer die Mundart, die Muttersprache, den heimatlichen Dialekt liebt und bewahren will, war hier goldrichtig.

Hatte doch Ortsheimatpfleger Wolfgang Sutter so ziemlich alles an Personal aufgeboten, was heanad und deanad im Westallgäu die Mundart hochhält. Dazu gehört der Vater der „Anti-Tschüss-Bewegung“, also Karl Stiefenhofer aus Eglofs, der mit seinem inzwischen 800 Mitglieder starken „Grüß-Gott-Verein“ einen neuen Trend setzen will und für den Beitritt warb. Das sportliche Ziel des Vorsitzenden des Heimatbundes Allgäu sind 10 000 Vereinsmitglieder. Mit Manfred Renn kam die Mundart-Wissenschaft ins Spiel, und das in kurzweiliger Form. Sprache verbindet, schafft Identität. Aber was spricht man eigentlich wo? Denn „Allgäuerisch“ gebe es nicht, sondern unterschiedliche Dialekte entlang der schwäbisch-alemannischen Sprachgrenze, zeigte Renn auf. So wird aus „Haus“ und „Zeit“ im Alemannischen „Huus (Hüüs)“ und „Zit“, im Schwäbischen aus dem Haus ein „Hous“. Mal ist was „broit“, mal „broat“.

Nicht gut findet Renn, dass sich im Allgäu immer mehr das Bairische breit macht. Er hätte es gern, dass zumindest Gastronomen dem Einhalt gebieten. Und hierzulande wieder „Kratzer“ statt „Schmarrn“ anbieten. Mundart in diversen Ausprägungen war bei den Lesungen geboten. Lore Kipphan aus Mellatz, Postbotin in Niederstaufen, überzeugte das Publikum mit Texten zu Bauern, die das „Nagucke“ verlernt haben, und zum Rohrach, dem „Sausertraum“. Kaum mehr aus dem Lachen heraus kamen die Zuhörer bei den umwerfend komischen und lakonisch vorgetragenen Stückle von Lydia Heim aus Oberstaufen. Eine Brautschau der nicht alltäglichen Art hatte Christoph Ganal aus Weißensberg-Rothkreuz im Gepäck. Inge Wasmund erzählte im Dialekt der Lindauer Insulaner vom „Taucherle“. Walther Schmid aus Wangen wusste Interessantes aus den Zeiten im Kreistag zu erzählen, als der Altkreis Wangen zu Ravensburg kam. Ernst Maurer trug das „Feuerwehrgedicht“ vor, das seine kürzlich verstorbene Frau Paula zum 100-jährigen Bestehen der Niederstaufener Wehr geschrieben hatte.

„In der Sproch gibt’s nur schöne Wörter“

Mit amüsanten Szenen aus einer Gemeinderatssitzung und dem Schüblingsschießen in Bad Diezlings sorgte German Bader aus Hohenweiler für sprachliche Tupfer aus Vorarlberg. Roswitha Richter-Gottschalk (Niederstaufen) las Gedichte von Angela Feßler, die an diesem Abend nicht dabei sein konnte. Hans Hölzler aus Weiler erfreute die Zuhörer mit Gedichten des Westallgäuer Heimatdichters Fridolin Holzer. Dass in der Zeitung kürzlich das schönste Westallgäuer Mundartwörtle gesucht wurde, brachte Martin Wurm aus Stiefenhofen-Balzhofen ins Staunen: „In der Sproch gibt’s nur lauter schöne Wörter.“ Rund und absolut stimmig war er, dieser Westallgäutag. Und das war nicht zuletzt dem Volksmusik- und Heimatforscher Berthold Büchele aus Ratzenried zu verdanken. Mit seinem Geigenspiel und seinen Liedern, die Christa Schele an der Gitarre begleitete, setzte er gefühlvolle Akzente, appellierte ans Bewahren der Heimat, der Sprache und des alten Liedguts. Dass ein Schwarzblatt eine Mönchsgrasmücke ist, erriet das Publikum. Und stimmte in Bücheles Gesang mit ein: „Rosele, Rosele, glaub es mir ...“ Am Ende des fast dreistündigen Abends standen Riesenbeifall und Bravorufe. Und natürlich kein „Tschüss“, sondern ein „Pfiat di“. Oder ein „Adele“. Oder so ähnlich.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen