Mehr Platz für Naturschutz

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Lindauer Zeitung

Fast ein Jahr zogen sich die Kaufverhandlungen, die Antragstellung und der Vollzug des Kaufes hin. Nun ist ein weiteres ökologisch wertvolles Waldgrundstück im Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet Rohrachschlucht im Besitz des BUND Naturschutz (BN), wie die Naturschützer mitteilen. Es grenzt direkt an das vor einem Jahr eingeweihte Naturwaldreservat an.

Der Voreigentümer hatte die Grundstücksnachbarn gefragt, ob sie Interesse am Kauf des Grundstückes hätten. Nachdem dieses direkt am neu ausgewiesenen Naturwaldreservat angrenzt, dessen Einweihung gerade in Planung war, zeigte der BN großes Interesse am Kauf. Die Zustimmung des Landesverbandes wurde eingeholt, denn Eigentümer ist nicht die Kreisgruppe, sondern der Landesverband. Gebietsbetreuerin Isolde Miller stellte dem 0,7 Hektar großen Waldgrundstück direkt am Rickenbach ein gutes Zeugnis aus: „Das Grundstück ist sehr Totholzreich, es stehen viele, auch alte Eiben im Bestand und es ist über viele Jahre nicht bewirtschaftet worden“, so die Fachfrau. So seien etliche Spechthöhlen in alten Bäumen sichtbar und in einem Feuchtbiotop an der Grundstückgrenze habe sie Larven von Gelbbauchunken gesehen. Auch der Kartierer für das Natura-2000-Gebiet Rohrachschlucht, Boris Mittermeier, riet zum Kauf, denn das Grundstück habe hohes ökologisches Potential. Die Nachfrage beim Bayerischen Naturschutzfonds ließ auf eine Förderung für den Ankauf hoffen. Auch die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt und die Forstdienststelle Lindau befürworteten einen Kauf des Grundstückes durch den BN, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Nach dem Abschluss der Preisverhandlungen und den für den Förderantrag nötigen Erhebungen war die Antragstellung möglich und der BN konnte sich über einen positiven Bescheid des Bayerischen Naturschutzfonds über eine ansehnliche Förderung zum Ankauf des Grundstückes für Naturschutzzwecke freuen. Im Förderbescheid heißt es: „Durch den Ankauf sollen die Flächen dauerhaft für Zwecke des Naturschutzes gesichert werden.

„Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen“, freut sich Erich Jörg, Kreisvorsitzender in Lindau, über den Grundstückskauf. Nun könne das Naturwaldreservat weiter wachsen. Der entsprechende Antrag an die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft werde derzeit erarbeitet.

Gebietsbetreuerin Isolde Miller hebt den hohen Wert solcher Naturwaldreservate hervor. „Wir wollen keine Käseglocke über die Wälder stellen, aber für viele Arten und vor allem für sogenannte Urwaldreliktarten braucht es Trittsteine, die langfristig von der Nutzung ausgenommen sind. Das gilt für eine große Palette von Tier- und Pflanzenarten, die in forstwirtschaftlich genutzten Wäldern keine Überlebenschance haben.“ Ein Mosaik aus Mischwäldern mit nachhaltiger Waldnutzung und Naturwaldflächen sei der Wald der Zukunft.

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