Herbert Gottschalk kündigt seinen Rücktritt an

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Herbert Gottschalk, der Vorsitzende des Musikverereins Niederstaufen, kündigt seinen Rücktritt an.
Herbert Gottschalk, der Vorsitzende des Musikverereins Niederstaufen, kündigt seinen Rücktritt an. (Foto: Archiv Gottschalk)
Babette Caesar

Sein 190-jähriges Bestehen hat der Musikverein Niederstaufen 1828 am Samstagabend mit einem ausgelassenen Jahreskonzert gefeiert. Zusammen mit der Jugendkapelle Leiblachtal in der ausgebuchten Festhalle „Haus des Gastes“ in Sigmarszell-Schlachters. Unter der Leitung von Dirigentin Silvia Drews erklangen im ersten Teil Klassiker der Blasmusik. Hingegen sich der zweite Teil in einmal ganz anderem musikalischen Gewand zeigte. Beides sehr zur Freude der Besucher.

Über die Entstehung des Musikvereins Niederstaufen fehlen genaue Angaben, ist der frisch gedruckten Festschrift zu entnehmen. Nachgewiesen sei jedoch, dass bei der Einweihung ihrer Pfarrkirche am 23. September 1828 die Musikkapelle unter Leitung von Franz Josef Sinz aus Haggenberg mitwirkte. Für 1829 ist mit dem Organisten Franz Xaver Bader aus Immen der erste Dirigent belegt. 190 Jahre sind keine Kleinigkeit, wofür der langjährige Vorstand Herbert Gottschalk allen Mitwirkenden dankte. Er nahm in seinem Grußwort Bezug auf die aktuelle Lage in der Politik, die sich mit Entscheidungen zwischen dem Bewahren und dem Anpacken für notwendige Entwicklungen schwer tue. „Da ist es gut, wenn man sich in einem Musikverein engagiert. Da begegnen sich Alt und Jung und dann kommt auch Gutes dabei heraus“, gab er sich überzeugt. Das unterstrich die Jugendkapelle Leiblachtal unter Leitung von Carolin Traut und Oliver Stohr. Die jungen Musiker aus Hergensweiler/Sigmarszell mit Verstärkung aus Weißensberg brachten mit „Power Surge“ von James L. Hosay einen schwungvollen Marsch auf die Bühne. Dass sie ganz in der heutigen Zeit leben, bewiesen sie mit ihrer Hommage an den britischen Singer-Songwriter Ed Sheeran, dessen Megahits „Shape of you“ oder „Thinking out loud“ ganz oben auf den Top Ten-Listen stehen. „Das habt ihr heuer wieder gut hinbekommen“, würdigte Gottschalk diesen Auftakt. Er, seit 1989 im Vorstand, ist „Denker und Lenker“ des Vereins. Jederzeit ansprechbar und mit neuen Ideen zur Stelle, liegt ihm die Jugend am Herzen ebenso wie die langjährigen Mitglieder. Sind sie schließlich die Basis, die trägt.

Hiermit übergab er das Wort an Moderator Florian Bodenmüller, der mit Karel Deseures „Friends of Freedom“ und Armin Koflers „Schmelzende Riesen“ die ersten beiden Musikstücke der Musikkapelle ansagte. Ausgewählt von Dirigentin Silvia Drews zielten deren Inhalte wiederum auf Aktuelles wie die unruhigen politischen Zeiten und die Klimaerwärmung mit dem Abschmelzen der Gletscher ab. Musikalisch zum Ausdruck gebracht durch schön differenzierte Klangbilder, bei denen kraftvolle aufwallende Partien im Wechsel mit warmen, bisweilen poetisch gefärbten Sequenzen standen. Gut heraus zu hören waren die einzelnen Instrumentengruppen, was ein dominantes Charakteristikum dieses Konzertauftritts war. Mit „Lord Tullamore“ von Carl Wittrock folgte eine der grünen Insel Irland gewidmete Komposition, die mit einem kräftigen Trommelauftakt dann durch ihren lockeren, jazzig angehauchten Tanzrhythmus bestach.

An Ernst Müller, Bezirksdirigent des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, war es, die Ehrungen vorzunehmen. Bianca Scholz und Felix Spöttl für ihre zehnjährige Mitgliedschaft, Marina Frey und Matthias Gottschalk, die der Kapelle 15 Jahre angehören, und Dorothea Homann und Norbert Eckart für ihre 25-jährige Mitgliedschaft. Für den Flügelhornisten Thomas Lehner hielt Gottschalk noch etwas Besonderes bereit. Ihn, der seit 40 Jahren aktiv ist, ernannte er zum Ehrenmitglied. Gottschalk selbst kündigte am Abend seinen Rücktritt an, und auch Silvia Drews wird das Pult verlassen.

In erfrischend neuem Gewand

Der zweite Teil dieses Abends gestaltete sich anders als gewohnt. Überraschend und erfrischend in jeweils reduzierter Besetzung. So kamen in „Kings of Swing“ von Dick Ravenal die Schlagzeugregister mit Xylophon und kleinem Bläsersatz zum Zuge. Sehr originell und gewagt, was aber sofort durch den swingenden Groove überzeugte. Für Ernst Moschs Polka „Dompfaff“ gruppierte sich ein Vokalensemble vor die Mikrofone, um die Melodie mit zu pfeifen. Zuvor inszenierten vier Musiker der Jugendkapelle mit Luftballonen und Schlagstöcken eine fulminante Trommelperformance. Sie bewiesen, dass es nicht immer hochpreisige Instrumente braucht, um einen mitreißenden Sound zu entfachen.

Dafür stand auch Leroy Andersons „The Typewriter“ mit Stefan Jordan an der Schreibmaschine. „Wir haben die Gelbe und nicht irgendeine“, scherzte Bodenmüller und meinte die „Adler Comtesse de Luxe“. Diese stellte Jordan vor sich auf den Tisch, daneben die Thermoskanne und los ging’s mit den gehämmerten Rhythmen. Passgenau zum Spiel der Kapelle. Bravorufe kamen aus dem Saal und viel Applaus – für ein gelungenes Jahreskonzert, das mit Francisco Marques Netos Marsch „O Vitinho“ in voller Besetzung ausklang.

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