Wagen nehmen auch die Weltpolitik aufs Korn

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Christian Flemming

Nach drei Jahren sind wieder Fasnetswagen durch Nonnenhorn gezogen, so lange mussten sich die Freunde des Nonnenhorner Fasnachtstreibens gedulden. Begleitet wurden die knapp 15 Wagen von fast 2000 Maskenträgern aus 20 Zünften. Bei idealem Wetter fanden sich auch jede Menge Zuschauer entlang der Strecke ein.

Nun sind diese 15 Wagen nicht die Menge, die normalerweise in Nonnenhorn unterwegs sind, aber, wie Peter Hanusch als Moderator vor der Kirche erklärte, „waren bis vergangenen Mittwoch erst drei Wagen gemeldet“, die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen also groß. Insofern herrschte Erleichterung über die finale Zahl.

Als klein, aber fein könnte man das Resultat bezeichnen, das da umrahmt von den verschiedenen Maskengruppen und Musikkapellen durch das Weindorf zog, denn diejenigen, die sich entschlossen hatten, Wagen zu bauen, ließen sich einiges einfallen. Nicht nur die Themen, sondern auch die Technik wird immer ausgefeilter. Die Themen erstreckten sich von Dorfgeschichten über regionale Ereignisse bis ins Weltall, es wurde also auch hier die Globalisierung gelebt. Also vom Winzertower bis hin zu Vorzeigedemokraten wie Putin, Kim Jong-un, Erdogan und natürlich Trump.

Winzertower mit Hebebühne

Beim Winzertower zeigte eine Hebebühne, dass es bei den Häusern immer noch höher geht, wenn man den Wünschen eines oder mehrerer Bauwilliger folgt. Das Sealife Nonnenhorn wurde ebenso thematisiert wie der Feuerritt eines ehemaligen Bürgermeisters, dem irgendwie eine Leitplanke bei der Fahrt anhänglich wurde.

Dem amerikanischen Präsident wurde ein weiterer Ehrenwagen zuteil. Dort hatten ihm die Wagenbauer ein großes Hinterteil verpasst, aus dem Pferdemist zuerst auf einen Globus und dann auf die Straße fiel. Das Resultat lag, mit einer amerikanischen Flagge verziert, lange fast unberührt mitten auf der Umzugsstrecke. Aber irgendwann trat doch der eine und andere Maskenträger mittenrein.

Die gescheiterten Sondierungsgespräche in Richtung Jamaika-Koalition wurden ebenfalls noch einmal aufbereitet. Es wurden giftgrüne Getränke ausgeteilt, die ziemlich ungesund aussahen. Und wo das Jamaika-Gras angebaut wurde, wurde auch von Peter Hanusch ausdrücklich nicht verraten. Vermutlich erfuhren es auch die Ehrengäste um den Moderator herum auf der Ehrentribüne nicht, darunter der Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter, der zweite Bürgermeister Karl Schober aus Lindau und aus den Nachbargemeinden Bodolz Christian Ruh sowie Thomas Kleinschmidt aus Wasserburg.

Bauer sucht Frau

Zu einer Begegnung mit dem realen Bauer, der mit Hilfe von RTL seine Frau suchte, kam es beim Wagen, der eben dieses Thema aufgegriffen hatte. Da der Arme wohl wieder solo ist, muss er also weitersuchen. Er trug es mit Fassung und hatte auch seinen Spaß dabei, noch einmal von einem fiktiven RTL-Reporter interviewt zu werden.

Tja, und als finale Lösung der aktuellen Probleme und Gefahrenherde dieser Welt wollten die Nonnenhorner dann erwähnte Führungskräfte der Türkei, Russland, Nordkorea, der USA und nicht zuletzt der Bundesrepublik auf den Mond schießen, die Rakete war schon bereit für die, „die zu lange auf Erden thronen“. Trotz kräftiger Unterstützung der Zuschauer beim Fasnachtruf „Feuer – Frei“ wollte sie aber nicht abheben, also muss sich die Welt noch weiter mit diesen Staatschefs auseinandersetzen.

Davon ließen sich aber beim Umzug weder aktive noch passive Teilnehmer beeinflussen. Sie feierten ausgelassen, ließen sich von den Masken „massakrieren“, freuten sich an den Gardemädchen und genossen ganz einfach das närrische Treiben.

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