Kein gewöhnliches Bad

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 Kirche im Sonnenschein, Taufe direkt im Bodensee – fünf Kleinkinder und eine Erwachsene erleben eine besondere Taufe.
Kirche im Sonnenschein, Taufe direkt im Bodensee – fünf Kleinkinder und eine Erwachsene erleben eine besondere Taufe. (Foto: Fotos: Susi Donner)
Susi Donner

Fünf Kinder und eine junge Frau wurden am Sonntag direkt im Bodensee getauft. In einer Messe im Sonnenschein, unter freiem Himmel am Seeufer wurden die Täuflinge in die evangelische Kirche aufgenommen. Die Idee zur Seetaufe hatten die beiden evangelischen Pfarrerinnen Petra Harring und Ulrike Lay. Es war die erste Seetaufe am bayerischen Bodenseeufer.

Was für ein Tag, um im Bodensee getauft zu werden. Der See glitzert, der Himmel ist strahlend blau. In der Luft liegt warmer Blumenduft. Am Ufer ist ein kleiner Altar aufgebaut, mit einem bunten Kreuz und den Taufkerzen der Täuflinge. Auf der Wiese links neben der Landungsbrücke stehen die Familientische, mit weißen Tischdecken und Blumen geschmückt. Für die Feier und nach dem großen Fest. Aber zuerst gibt es Nahrung für die Seele.

Barfuß laden die Pfarrerinnen Petra Harring und Ulrike Lay die Täuflinge, ihre Eltern, Paten, Familien und Freunde zum Taufgottesdienst ein. Sie singen fröhliche Lieder – begleitet von der Band Nichtschwimmer im Meer, das Geschenk einer Tauffamilie an die anderen, und den evangelischen Bläsern, hallt es in den Sommerhimmel „Du bist Du“ oder „Ich trage einen Namen“. Und sie danken und freuen sich. „Danke dass der See glänzt, danke dass Gott die Menschen liebt, danke, dass wir mit der Taufe erfahren dürfen, dass wir die geliebten Kinder Gottes sind“, sagt Ulrike Lay.

Wasser sei zum Waschen da. Petra Harring demonstriert mit einem rosaroten Herzeimer, wie gut Wasser an so einem Tag tut, und hält ihr Gesicht hinein. „Früher hat man am Samstagabend gebadet“, sagt sie, als sie tropfend wieder auftaucht. „Viele können sich bestimmt noch an das schöne saubere Gefühl erinnern. Aber an das Herz und an die Seele, da kommen Wasser und Seife nicht hin. Deshalb hat Gott die Taufe erfunden – mit etwas Sichtbarem, dem Wasser und etwas Unsichtbarem, seiner Liebe.“

Wie Wasser für den Körper ist, ist Liebe für die Seele

Was das Wasser für den Körper sei, sei die Liebe für die Seele. „Wenn die Seele durstig ist nach Liebe, verkümmert sie, welkt wie eine Blume ohne Wasser. Liebe ist Wasser für die Seele. Wenn es kein Wasser gibt, wächst nichts“, sagt Harring. Wasser stehe also als Symbol für die Liebe. Mit dem Wasser der Taufe dürfen die Kleinen und die Großen spüren: „Ich werde geliebt, ich darf wachsen, ich darf eine große Seele bekommen.“ Bei der Taufe sage Gott zu uns: „Ich liebe dich.„ Den Taufspruch, den die Eltern für ihre Kinder ausgesucht haben – das sei von nun an der Liebessatz für das Leben der Kleinen. Die Paten singen „Danke, dass ich dein Pate sein darf.“

So vorbereitet, geht es jetzt zum Bodensee. In den Bodensee. Der Reihe nach rufen die Pfarrerinnen die Täuflinge beim Namen: Elisa, Freja Sophie, Juliet, Julian, Silas, Gloria Miriam. In kleinen persönlichen Gesprächen spenden sie ihnen die Taufe. Schöpfen mit den Händen Wasser aus dem See über die kleinen Köpfe. Erstaunt und neugierig schauen die Täuflinge sie an, freuen sich, wenn sie mit den Füßen im See planschen dürfen.

Mit ihrem erwachsenen Täufling watet Pfarrerin Harring bis zur Brusthöhe in den See hinaus. Vom Ufer aus beobachten die Gäste die berührenden Momente, als die junge Frau ganz im Wasser untertaucht. Mit einem Leuchten im Gesicht, mit greifbarer Freude in den Augen, kehren die beiden zum Ufer zurück.

Das Projekt Tauffest am See soll übrigens weitergeführt werden.

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