Im Hawaiihemd singt es sich am besten

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Perfekt für heißen Wüstensand: Der Männerchor Intakt singt Freddy Quinns „Heimweh“ im Hawaiihemd.
Perfekt für heißen Wüstensand: Der Männerchor Intakt singt Freddy Quinns „Heimweh“ im Hawaiihemd. (Foto: Bernadette Goebel)
Schwäbische Zeitung
Bernadette Goebel

In lauen Sommernächten zaubert ein romantisches Lied die richtige Stimmung, um sich weit fort zu träumen. Im Traum reist es sich jedoch deutlich schneller als in der Realität und flugs landet man „Übern See“ direkt im tropisch-bunten Hawaii. Auf eine klanglich vielfältige und optisch farbenfrohe Reise schickte der Liederkranz seine Zuhörer am Freitagabend. Felix Mendelsohn-Bartholdy stand dabei genauso auf der Komponistenliste wie Freddie Mercury und Mozart. Den Liederkranz unterstützte der Männerchor Intakt, der sich in vielleicht nicht gerade traumhaften, aber sehr sommerlichen Hawaiihemden präsentierte.

Zu Beginn zauberte der Chor mit Mozarts Nocturne „Luci care, luci belle“ die zarte Stimmung eines Sommernachtstraums in den Saal. Der musikalische Gang durch den heimatlichen Wald an der Seite von Mendelsohn-Bartholdy weckte romantische, aber auch melancholische Gefühle. Diese verflüchtigten sich nach Evein Obulors frischer und unterhaltsamer Moderation aber gleich wieder. Obulor kündigte ein „besonders bekanntes Klarinettenkonzert“ an: Carl Maria von Webers Konzert für Klarinette Nr. 1, f-Moll. Das technisch äußerst anspruchsvolle, 20-minütige Konzert in drei Sätzen wurde bravourös durch die junge Solistin Anna Sauheitl präsentiert. Im Duett mit dem musikalischen Leiter Stefan Marinov am Klavier flog sie geradezu durch die langen, rasch die Tonhöhen wechselnden Passagen und erntete tosenden Applaus.

Klassisch und traditionell unterhielt der Männerchor das Publikum danach: Volksweisen und Madrigale standen auf dem Programm. Von „S’is Feieromnd“, einer Komposition aus dem Erzgebirge, über das barocke Madrigal „Wir lieben sehr im Herzen“ (Daniel Friderici) reichte die Bandbreite bis zu Karl Eulins romantischer Hommage „An den Mond“. Mit dem wirkungsvollen, vierstrophigen Schlaflied „Sandmännchen“ von Anton von Zuccalmaglio entließ der Männerchor die Zuhörer völlig tiefenentspannt in die Pause.

Traumhaft schön und jazzig leitete Roland Danneberg den zweiten Teil des Konzerts ein. Die bekannte Melodie „Over the Rainbow“ aus dem Film „Zauberer von Oz“ interpretierte er gefühlvoll, genau wie den Gospelsong „Amazing Grace“. Gekonnt inszenierte er anschließend auch den erneuten Einmarsch des gemischten Chores durch sein Gitarrenspiel. Fingerschnippend und mitreißend gut gelaunt stimmte der Chor den passenden Rock’n’Roll-Klassiker von Fats Domino an – „I’m walking“. Mit der Mundart-Ballade „Übern See“ des zeitgenössischen österreichischen Komponisten Lorenz Maierhofer lösten die Sänger besonders stürmischen Applaus aus. Seine besondere Stärke bewies der Chor in diesem Stück eindrucksvoll: einfühlsam und taktgenau eine gesangliche Einheit zu bilden.

Die Männer überraschten in ihrem Part nun von der optisch sommerlichsten Seite: In knallbunte Hawaiihemden gekleidet, präsentierten sie unterhaltsames Liedgut für beide Geschlechter. „Männer mag man eben“ und „Frauen sind anders“ von Hans Unterweger kamen gut an. Freddy Quinns Hit „Heimweh“ (1956) transportierte anschließend das passende Lebensgefühl aus der Blütezeit des Hawaiihemds in den Saal.

Bunt und variationsreich wählte der gemischte Chor auch die letzten drei Stücke des Abends: Nach einem ansprechenden Arrangement von Stefan Marinov sangen sie „Das Beste“ der Band Silbermond. Stefan Marinov hatte auch den großen Rockklassiker „Bohemian Rhapsody“ der Band Queen für den Chor umgeschrieben. Nach einer kraftvollen Präsentation, die dem Original alle Ehre machte, klang der Abend mit der Soulballade der Jackson-Brüder „I’ll be there“ aus.

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