Zwei Damen und ein alter Porsche

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Mit seinem Porsche 3/56 vor A, Baujahr 1956 fährt das einzige Damenteam der 24. Lindau Klassik der Scuderia Lindau als erstes du
Mit seinem Porsche 3/56 vor A, Baujahr 1956 fährt das einzige Damenteam der 24. Lindau Klassik der Scuderia Lindau als erstes durch die Zielgerade an der Spielbank. (Foto: Isbael Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

Eine heiße Rallye haben sich die 62 Oldtimer bei der 24. Ausgabe der Lindau Klassik der Scuderia Lindau geliefert. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn bei Temperaturen von über 30 Grad war die Oldtimerrallye eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine. Trotzdem waren sich alle einig: Es hat Spaß gemacht. Und auch die vielen Oldtimerfreunde aus nah und fern, die zum Zieleinlauf an der Spielbank gekommen waren, hatten trotz der Hitze ihren Spaß daran, die automobilen Kostbarkeiten zu bewundern.

„Die Hitze war heute sicher die größte Herausforderung für Autos, Fahrer und Helfer“, sagt Rennleiter Ernst Laufer von der Scuderia Lindau durch das Mikrofon zu den Zuschauern, die sich auf den schattigen Plätzen unter den ausladenden Bäumen rund um das Spielbank-Gelände verteilt haben und mit Spannung auf die Zieleinfahrt jener 62 mobiler Kostbarkeiten warten, die in diesem Jahr bei der 24. Lindau Klassik teilgenommen haben.

Wenn die Oldtimer die Europa-brücke überqueren und durch das Ziel kommen, haben die Autos mit ihren Fahrern und Beifahrern immerhin rund 220 Kilometer quer durch das Allgäu hinter sich gelassen, haben sieben Durchfahrtskontrollen passiert – wovon zwei geheim waren – sowie sechs Zeitprüfungen absolviert. Und wie immer bei der Lindau Klassik sind zahlreiche hochwertige Fahrzeuge aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich dabei. Autos, von denen jedes für sich etwas Besonderes ist.

Nicht nur die fünf Vorkriegsmodelle, wie etwa der Citroën Rosalie 8, Baujahr 1932, der ebenso alte Alvis Firefly oder der Škoda Popular Roadster, Baujahr 1937. Deshalb tut sich der Rennleiter auch ein bisschen schwer damit, der LZ die Sahnestückchen herauszupicken, und versucht, sich mit dem Satz „es ist alles dabei, was Rang und Namen hat“ diplomatisch vor der Antwort zu drücken. Doch man erfährt dann doch, dass etwa ein Schelby Cobra Mark, Baujahr 1963, dabei ist, und zwar keiner der hundert Nachbauten, sondern das Original, „ein echter“ und damit ein sehr seltenes Auto.

Aber auch der Jaguar E-Type, Baujahr 1970, den die Scuderia-Club-Mitglieder Bernd und Ursula Frank fahren, zählt Laufer bei den diesjährigen Schmuckstücken auf, ebenso wie den VW Samba, Baujahr 1960, ein VW-Bus, der seinen Namen wegen der vielen kleinen Fenster im Dach trägt. „Das sind gesuchte Oldtimer und vom Preis ziemlich hoch. Das würde man nicht vermuten, dass man für einen VW so viel Geld zahlt“, sagt er. Wie passend, dass es ausgerechnet das einzige Damenteam der Rallye ist, das als Allererstes durchs Ziel fährt und den seltenen Porsche 3/56 vor A, Baujahr 1956, fährt, ein Urmodell aus Österreich, von dem es in Deutschland nur noch acht Stück gibt.

„Heiß, glühend heiß“, lautet dann auch die Antwort der beiden Damen aus Dornbirn auf die Frage, wie die Rallye denn gewesen sei. Fahrerin Bianca Holdermann und ihre Schwester Sandra sind gerade aus dem wunderschönen, roten Sportwagen ausgestiegen und fächeln sich erst mal die wohl nur wenig kühlere Luft zu. Dann beginnen sie zu schwärmen: „Es war eine traumhafte Strecke, die die Scuderia da ausgesucht hat.“ Über Scheidegg, Möggers und den Eichenberg nach Hörbranz und Lindau seien sie gefahren. Wobei die Beifahrerin als diejenige, die mithilfe eines Roadbooks der Fahrerin die Strecke vorgeben muss, nicht viel von den schönen Landschaften mitbekommen hat. „Man muss sich schon sehr konzentrieren. Mal zurücklehnen und die Füße hochlegen, das geht nicht“, sagt Sandra Holdermann. Trotzdem kommen beide zu dem Schluss: „Wir haben immer eine Gaudi, wir zwei.“

„Heiß, aber lustig“, fanden es auch Markus und Gisela Felder. Die beiden Lindauer mit ihrem blauen Mercedes Ponton 190, Baujahr 1956, sind gerade von einem Scuderia-Mitglied auf einen Platz auf der Wiese eingewiesen worden und steigen etwas entspannter aus ihrer Limousine als die Damen. Auch sie schwärmen von der wunderbaren Strecke, auf der sogar Lindauer wie sie noch jede Menge Neues entdecken können und der guten Organisation der Rallye.

Nach und nach fahren immer mehr Oldtimer durchs Ziel und füllen sowohl Vorplatz als auch Wiese vor der Spielbank. Die Zuschauer wagen sich aus dem Schatten heraus und auch Axel Wessner und seine Frau Sabine sitzen nicht mehr auf dem Mäuerchen unter den schattigen Bäumen. Der Penzberger hatte vergangenes Jahr zufällig von der Oldtimer-Rallye gelesen und nun verbringt das Ehepaar seinen Kurzurlaub in Lindau und feiert Axel Wessners Geburtstag unter anderem damit, sich die schönen Oldtimer anzuschauen. Von ihrem Hotel am Hafen haben die beiden bereits am Morgen einen wunderbaren Ausblick auf die Autos gehabt. Woher das Interesse rührt? „Ich bin nicht unbedingt ein begeisterter Narr, aber ich habe einen Freund, der Oldtimer hat und restauriert und da habe ich mal zugeschaut. Ich finde sie interessant anzuschauen, deshalb bin ich hier.“

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