Zum Nachtisch gibt’s „Dirne Helene“ für den bösen Wolf

Lesedauer: 5 Min
Daniel Wagner bedient sich im Puppentheater der original Erzählweise.
Daniel Wagner bedient sich im Puppentheater der original Erzählweise. (Foto: Maja Beck)
Maja Beck

Daniel Wagner hat am Sonntag im ausverkauften Puppentheater im Lindauer Stadttheater das Märchen von Rotkäppchen, und zwar in der alten und ganz originalen Erzählweise, die sich für uns heute einer teilweise eher seltsam anmutenden Wortwahl bedient, erzählt. Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite.

Das war zunächst einmal nicht zu erwarten bei einem Kindertheater. Sätze wie, „geh hübsch sittsam“, könnten sogar völlig spaßbefreit klingen, tatsächlich war aber das Gegenteil der Fall. Wagner zog das Märchen mit seiner Berliner Schnauze ganz anders auf als erwartet. Es wurde aus der Sicht des Jägermeisters erzählt, der Rotkäppchen und die Großmutter am Ende aus dem Bauch des bösen Wolfes befreit. Und dieser Jägermeister amüsierte. Mal stotterte er, dann verdrehte er Worte und bediente er sich einer Wortwahl, was die Kleinen im Publikum vom ersten Moment an vor Lachen kreischen ließ. Worte wie „pupsen“ sind zwar nicht im Originalmärchen zu finden, aber zu hören, dass eine Großmutter pupst, traf genau den Geschmack der kleinen Besucher. Nicht zu vergessen: der Hund des Jägers, ein blinder Hund. Wobei der Jäger eigentlich einen Blindenhund haben wollte. Dieser kommentierte fröhlich kläffend das Geschehen.

Die Puppen betraten erst später die Bühne. Da mag sich der eine oder andere Besucher vielleicht schon gefragt haben, wo denn das Puppentheater ist. In den ersten Minuten war lediglich Daniel Wagner in seiner unterhaltsamen eine-Mann-Show zu sehen. Doch dann kamen mit Rotkäppchen und der Mutter zwei ziemlich kleine Püppchen dahergelaufen. Wagner schob sie über den Tisch und sagte lustige Sachen, während die Mutter vom Rotkäppchen eine große Handpuppe war. Hier passte auf den ersten Blick nichts so recht zusammen – und doch war die Vorführung von Anfang an rund und stimmig.

Groß und Klein hörten gebannt zu und hielten sich immer wieder die Bäuche vor Lachen. Dass der große böse Wolf viel größer war als die Großmutter und die Enkelin, machte gar nichts, er war ja schließlich die Hauptperson und er war einfach fantastisch, dieser Wolf. Das wilde Gebrüll des Wolfes, unterlegt mit der Filmmusik aus „Psycho“ – es war die Duschszene – die wohl eher den Großen Angst machen sollte, machte so gar niemandem Angst. Perfektes Kindertheater eben.

Die pupsende Großmutter war die Hauptspeise, das niedliche Rotkäppchen als „Dirne Helene“ der schmackhafte Nachtisch. Dem Publikum wurde anschließend sogar ein Blick in den Bauch des Wolfes gewährt, in dem Großmutter und Enkelin fröhlich miteinander diskutierten. Natürlich wurden Großmutter und Rotkäppchen am Ende standesgemäß vom Jäger gerettet und konnten sich dem begeisterten Applaus des Publikums stellen.

Und Felix, der blinde Hund des Jägers, bekam als Belohnung den Hut des Rotkäppchens aufgesetzt und beendete den unterhaltsamen Theaternachmittag damit als „Hüte-Hund“.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen