Zum Nachtisch gibt’s „Dirne Helene“

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 Daniel Wagner und sein großer, böser Wolf.
Daniel Wagner und sein großer, böser Wolf. (Foto: Maja Beck)
Maja Beck

Daniel Wagner erzählte am Sonntag beim ausverkauften Puppentheater im Lindauer Stadttheater das Märchen von Rotkäppchen, und zwar in der alten und ganz originalen Erzählweise, die sich für uns heute einer teilweise eher seltsam anmutenden Wortwahl bedient.

Das war zuerst einmal nicht zu erwarten bei einem Kindertheater und Sätze wie „Geh hübsch sittsam“ könnten sogar völlig spaßbefreit klingen, tatsächlich war aber das Gegenteil der Fall. Wagner zog das Märchen mit seiner Berliner Schnauze ganz anders auf als erwartet, denn es wurde erzählt aus der Sicht des Jägermeisters, der Rotkäppchen und die Großmutter am Ende aus dem Bauch des bösen Wolfes befreit. Und dieser Jägermeister war schon so einer. Mal stotterte er, dann verdrehte er Worte und bediente er sich einer Wortwahl, die die Kleinen im Publikum vom ersten Moment an kreischen ließ vor Lachen. Worte wie „pupsen“ sind zwar nicht ganz original im Märchen zu finden, aber zu hören, dass die Großmutter pupst, war genau das, was die Kleinen lieben. Nicht zu vergessen der Hund des Jägers, ein blinder Hund, wo der Jäger doch eigentlich einen Blindenhund haben wollte, und der fröhlich kläffend das Geschehen kommentierte.

Wo ist denn das Puppentheater mochte sich der ein oder andere Zuschauer nach den ersten Minuten gefragt haben, war doch nur Daniel Wagner in seiner unterhaltsamen Ein-Mann-Show auf der Bühne zu sehen. Doch dann kamen mit Rotkäppchen und der Mutter plötzlich zwei ziemlich kleine Püppchen dahergelaufen, die Wagner über den Tisch schob und lustige Sachen sagen ließ, während die Mutter vom Rotkäppchen eine große Handpuppe war. Hier passte also nichts so recht zusammen und doch war es von Anfang an rund und stimmig,

Groß und Klein hörten atemlos zu und hielten sich immer wieder die Bäuche vor Lachen. Dass der große böse Wolf viel größer war als die Großmutter und die Enkelin, machte gar nichts, er war ja schließlich die Hauptperson und er war einfach fantastisch dieser Wolf. Das wilde Gebrüll des Wolfes, unterlegt mit der „Psycho“ Filmmusik aus der Duschszene, die wohl eher den Großen Angst machen sollte, machte so gar niemandem Angst, perfektes Kindertheater eben. Die pupsende Großmutter war die Hauptspeise, das niedliche Rotkäppchen als „Dirne Helene“ der schmackhafte Nachtisch.

Dem Publikum wurde anschließend sogar ein Blick in den Bauch des Wolfes gewährt, in dem Großmutter und Enkelin fröhlich miteinander diskutierten.

Natürlich wurden Großmutter und Rotkäppchen am Ende standesgemäß vom Jäger gerettet und konnten sich dem begeisterten Applaus des Publikums stellen. Und Felix, der Hund des Jägers, bekam als Belohnung den Hut des Rotkäppchens aufgesetzt und beendete den unterhaltsamen Theaternachmittag damit als „Hüte-Hund“.

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